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Wala veröffentlicht erstmals Bilanzen

 

Zum 75. Firmenjubiläum hat das anthroposophische Unternehmen Wala Heilmittel GmbH erstmals Zahlen zu Umsatz, Gewinn und Marktanteilen veröffentlicht. Das Ergebnis: Der Umsatz mit pflanzlichen Arzneimitteln und Kosmetika lag bei 98 Millionen Euro. 2008 etwa hatte er noch bei 103 Millionen Euro gelegen. Gründe für den Umsatzrückgang sieht Johannes Stellmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung, zum einen in der gegenwärtigen Krise, und zum anderen darin, dass man den Vertrieb umgestellt und damit auch die Verkaufsstellen reduziert hat. Zudem wollte man keine Abstriche in der Qualität der eingesetzten Rohstoffe machen und habe deshalb keine Rabattschlachten begonnen. Schon 2010 rechnet Stellmann damit, wieder über der 100-Millionen-Grenze zu liegen.

 

Überhaupt lege man bei Wala nicht viel Wert auf Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn oder Marktanteilen, wo das Unternehmen selbst im kleinen Sektor der Naturhersteller eine eher untergeordnete Rolle spielt. Bei den anthroposophischen Arzneimitteln etwa hat Wala im Hauptmarkt Deutschland einen Marktanteil von 18 Prozent – weit abgeschlagen hinter Weleda mit 76 Prozent. «Wir wollen aber auch kein Volumenanbieter sein», sagt Stellmann.

 

1929 experimentierte Dr. Rudolf Hauschka mit Rosenblättern und setzte sie sieben Tage lang abwechselnd Licht und Dunkelheit, Kälte und Wärme, Bewegung und Ruhe aus - er wollte damit dem Zersetzungsprozess von Pflanzen entgegenwirken und sie stattdessen natürlich konservieren. Der Anthroposoph Rudolf Steiner hatte ihm die Anregung gegeben. «Studieren Sie die Rhythmen, Rhythmus trägt Leben», soll Steiner gesagt haben. Daraus entstand das Unternehmen mit Sitz in Eckwälden, einem Dorf bei Bad Boll (Kreis Göppingen) in Baden-Württemberg.

 

In eine Nische stießen die damaligen Wala-Eigner 1986 auch, als sie beschlossen, eine Stiftung zu gründen. Dadurch kann Wala zum einen nicht verkauft oder übernommen werden, und zum anderen bleibe ein Gewinn im Unternehmen. «Das ist ein bisschen quer zum Zeitgeist», sagt Stellmann. Gewinn sei für ihn nur ein Mittel zum Zweck. Profitieren sollen davon alle: Zum einen durch Investitionen. So habe man sich erst Mitte Juli mehrere Hektar Land in unmittelbarer Umgebung gesichert, um dort in den kommenden 15 bis 20 Jahren Labors und Produktionsstätten zu bauen. Zum anderen werden die rund 790 Mitarbeiter an einem Gewinn beteiligt. Im Durchschnitt über die vergangenen Jahre habe das für jeden rund drei Monatsgehälter ausgemacht. Individuelle Boni bekomme keiner im Unternehmen. Wala- Finanzexperte Philip Lettmann: «Das stärkt die Gemeinschaft. Wenn einer hier Blödsinn macht, ist der Gewinn weg.»

 

04.08.2010 l PZ/dpa

Foto: Fotolia/Comugnero