Pharmazeutische Zeitung online

Antidepressiva zur Schmerztherapie

Datenschutz bei der PZ

Trizyklische Antidepressiva haben eine analgetische Wirkung. Sie werden in der Therapie chronischer neuropathischer Schmerzen nicht eingesetzt, um Depressionen zu lindern. «Es ist wichtig, dies den Patienten mitzuteilen», betonte Professor Dr. Ralf Baron vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel auf dem Pharmacon in Meran. Der analgetische Effekt beruht darauf, dass die Substanzen die präsynaptische Wiederaufnahme der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin in den deszendierenden Bahnsystemen blockieren. Diese Fasern hemmen das Schmerzsignal. Bei ständigen Schmerzreizen in der Peripherie erschöpfen sich diese Nervenfasern, sodass die Hemmung aufgehoben wird. «Diese Disinhibition ist ein wichtiger Schritt in der Chronifizierung des Schmerze», sagte Baron.

 

Trizyklische Antidepressiva erhöhen die Menge der Neurotransmitter an den Synapsen und verstärken damit die erschöpfte Schmerzhemmung. Sie sind wirksam bei schmerzhaften Polyneuropathien, postzosterischer Neuralgie, partiellen Nervenläsionen und zentralen Schmerzsyndromen. Duloxetin und Venlafaxin haben sich in Studien als effektiv erwiesen, für die SSRI wie Fluoxetin, Citalopram und Paroxetin trifft dies nicht zu. (ch)

 

01.06.2010 l PZ

Foto: Fotolia/Manipulateur