Forschung: Peptide gegen Blutvergiftung |

Wissenschaftler des Forschungszentrums Borstel (Kreis Segeberg) haben einen Wirkstoff entwickelt, der möglicherweise die Behandlung der oft tödlich verlaufenden Sepsis verbessert. Das Team um den Biophysiker Klaus Brandenburg nutzt dazu synthetische Peptide, teilte das Forschungszentrum mit. Bei einer Sepsis gerät das Immunsystem als Reaktion auf eine bakterielle Infektion außer Kontrolle. Es setzt Botenstoffe frei, die den gesamten Körper alarmieren und überall Entzündungen auslösen. Synthetische Peptide können die Botenstoffe binden. In den Botenstoffen (Lipopolysaccharide, LPS), die bei der Zellteilung der Bakterien, bei Angriffen auf das Immunsystem oder bei der Behandlung mit Antibiotika freigesetzt werden, sieht der Körper einen Feind. Bei einer Sepsis ist die LPS-Konzentration so hoch, dass der Körper eine verheerende Entzündungsreaktion in Gang setzt. «Ein großes Problem ist, dass Medikamente wie Antibiotika bei der Bekämpfung der Bakterien die LPS erst freisetzen, sie aber nicht binden können», sagte Brandenburg.
Die Wirksamkeit der Peptide gegen LPS sei bereits im Reagenzglas und bei lebenden Organismen nachgewiesen worden. Jetzt müssen die Substanzen auf Nebenwirkungen getestet werden. Brandenburg will Anfang 2011 mit der klinischen Phase beginnen. Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 154 000 Menschen an einer Blutvergiftung, fast 70 000 sterben daran.
14.05.2010 l dpa
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