Präsentismus: Krank zur Arbeit |

In Deutschland geht fast jeder zweite Arbeitnehmer und Selbstständige gelegentlich trotz Krankheit zur Arbeit. In dem heute veröffentlichten Gesundheitsmonitor der Bertelsmann-Stiftung (Gütersloh) gaben 42 Prozent an, in den vergangenen zwölf Monaten zweimal oder öfter krank zur Arbeit gegangen zu sein. Zwei Drittel der Befragten tun dies vor allem aus Pflichtgefühl und weil sonst Arbeit liegen bleibt. Für die Studie wurden im Herbst 2008 rund 1500 Menschen befragt. Die Annahme, dass es vor allem Selbstständige sind, die besonders oft krank arbeiten, bestätigte sich nicht. Das Gegenteil sei der Fall, hieß es. So sagte die Hälfte (52 Prozent) der befragten Selbstständigen, gelegentlich trotz einer Erkrankung zu arbeiten. Bei den abhängig Beschäftigten waren es rund drei Viertel (74 Prozent). Präsentismus nennen Experten dieses Verhalten, besonders in Krisenzeiten, etwa aus Angst vor einem Jobverlust, auch krank zur Arbeit zu gehen. Alleinstehende sind davon besonders betroffen: Singles (78 Prozent) berichteten deutlich häufiger, krank zur Arbeit zu gehen, als Paare und Familien (69 Prozent).
«Der unerwartet niedrige Anteil der Selbstständigen, die im Vergleich zu den abhängig Beschäftigten auch krank zur Arbeit gehen, unterstreicht vermutlich die Kostenrelevanz von Präsentismus», sagte Stefan Empter von der Bertelsmann-Stiftung. Studien zeigten, dass die Kosten infolge von rechtzeitigen Krankmeldungen letztlich geringer seien als die, die durch krank arbeitende Mitarbeiter entstünden. Diese Mitarbeiter würden später möglicherweise viel länger ausfallen oder auch Kollegen anstecken. Der richtige Umgang mit Krankheit bei der Arbeit sei Führungssache. «Die engagierte Führungskraft ist der Schlüssel, wenn es um Prävention von Präsentismus geht.»
09.09.2009 l dpa
Foto: DAK