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Paradoxon geklärt: Dickes Blut, stabilere Plaques

 

Eine starke Blutgerinnung kann vor einem Schlaganfall oder Herzinfarkt schützen. Dieses klinische Paradoxon erklären Wissenschaftler des Heidelberger Universitätsklinikums in der Zeitschrift «Circulation» (Doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.109.849539). Versuche mit Mäusen zeigen, dass eine starke Blutgerinnung zu einer erhöhten Plaquebildung in den Gefäßen führt. Die Ablagerungen sind jedoch stabiler als bei normaler oder geringerer Blutgerinnung. So lösen sich seltener Partikel von der Gefäßwand, die die Blutbahn verschließen und beispielsweise einen Herzinfarkt auslösen können.

 

Für ihre Versuche verwendeten Dr. Berend Isermann und seine Kollegen Mäuse mit erhöhten Blutfettwerten und einem genetischen Defekt, der die Blutgerinnung verstärkt. Bei den Tieren mit Defekt bildeten sich häufiger, dafür aber stabilere Plaques. Auf die Verengung der Blutbahn durch die Plaque reagierten die Mäuse mit einer Erweiterung der Gefäßwände. Die Behandlung mit niedermolekularem Heparin führte zu einer Blutverdünnung und kleineren Plaques. Allerdings verloren diese an Festigkeit und das Komplikationsrisiko stieg. Klinische Studien und In-vitro-Versuche weisen darauf hin, dass menschliche Zellen ähnlich reagieren. Die Wissenschaftler raten deshalb zur Vorsicht bei der Verschreibung von Blutverdünnern. Die Vor- und Nachteile dieser Medikamente müssten Ärzte genau abwiegen. (svs)

 

25.08.2009 l PZ

Foto: Fotolia/Yakobchuk