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Fortschritte in der Stammzellforschung

 

Gleich zwei chinesische Forschergruppen haben erstmals Mäuse nur aus einer neuen Klasse von Stammzellen (iPS-Zellen) geschaffen. Das berichten die Teams nach einem Wettrennen um den Erfolg zeitgleich in den Journalen «Nature» (Doi: 10.1038/nature08267) und «Cell Stem Cell» (Doi: 10.1016/j.Stem.2009.07.001). Einige der Tiere waren fruchtbar. Unter diesen fand sich ein Männchen, das im Alter von sieben Wochen ein Weibchen befruchtete und Vater wurde. Das Team um Xiao-Yang Zhao von der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking entnahm erwachsenen Mäusen Zellen und programmierte sie mit einem genetischen Trick zurück zu einer Art embryonaler Zellen. Aus diesen sogenannten iPS-Zellen (induzierte pluripotenten Stammzellen) ließen die chinesischen Wissenschaftler nun Mäuse heranwachsen. Dazu bedienten sie sich eines biologischen Tricks, der sicherstellte, dass die neuen Tiere nachweislich nur aus den iPS-Zellen entstanden.

 

Die Gruppe schuf zunächst eine Art künstliche Embryohülle, die aber keinen Anteil an der späteren Maus hatte. Sie mischten die Embryohülle dann mit den iPS-Zellen. Im Inneren dieser Hülle entstand aus den iPS-Zellen der Embryo. Das Verfahren trägt den Namen «tetraploide Embryo-Komplementierung», weil die Embryohülle aus Zellen mit vier Chromosomensätzen entstanden war. Aus drei verschiedenen iPS-Zelllinien gingen bisher 27 Mäuse hervor, heißt es in «Nature». Von sehr ähnlichen Resultaten berichtet eine Gruppe um Shao-Rong Gao vom Nationalen Institut für Biowissenschaften in Peking im Journal «Cell Stem Cell». Sie schuf fünf neue iPS-Zellinien. Aus einer ließen sich (ebenfalls über den Weg der tetraploiden Embryo- Komplementierung) lebende Mäuse gewinnen. Ein Tier überlebte, bis es erwachsen war.

 

iPS-Zellen wecken zahlreiche Hoffnungen. Ihr Grundmaterial (etwa Hautzellen) lässt sich im Prinzip von jedem Menschen nehmen. Nachdem sie im Labor verjüngt wurden, könnte man die neuen Stammzellen des Patienten zu Ersatz für verschlissenes Geweben heranwachsen lassen und damit eine maßgeschneiderte Therapie schaffen. Solche Zellen haben das gleiche genetische Material wie der Patient selbst, sie werden daher nicht abgestoßen. In den vergangenen drei Jahren hat die iPS-Forschung einen enormen Aufschwung genommen.

 

24.07.2009 l dpa

Foto: Fotolia/Magalice (Symbolbild)