Arzneimittel-Atlas: Versorgungsgefälle in Deutschland |

Menschen in Mecklenburg-Vorpommern werden am großzügigsten mit Pillen versorgt – die Ärzte in Bayern zücken den Verschreibungsblock am zurückhaltendsten. Für Medikamente je Versicherten in Mecklenburg-Vorpommern gaben die Gesetzliche Krankenversicherung 2008 im Schnitt rund 499 Euro aus, gefolgt von Berlin und Sachsen-Anhalt (496) und Sachsen (490). Schlusslichter waren Niedersachsen (402), Westfalen (396), Hessen (389), Schleswig-Holstein (388) und Bayern (387), wie aus dem am Donnerstag in Berlin vorgestellten Arzneimittel-Atlas 2009 hervorgeht. Das Berliner IGES-Institut hat die Daten im Auftrag des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (VFA) errechnet. «Ältere Menschen verbrauchen viel mehr Arzneimittel als jüngere», erläuterte IGES-Direktor Bertram Häussler. Die Krankheitshäufigkeit spiele ebenfalls eine wichtige Rolle. Aber auch, wenn man dies einrechne, gebe es Unterschiede. Dann lägen Baden-Württemberg und das Saarland an der Spitze der Pro-Kopf-Ausgaben, Bremen und Hessen am Schluss. Kassenpatienten bekommen in Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen im Schnitt zudem am wenigsten neue Mittel. Deutschlandweit hatten höchstens fünf Jahre alte Medikamente einen Anteil von 0,97 Prozent am Verbrauch. In Bremen waren es nur 0,54 Prozent. Spitzenreiter ist Sachsen mit 1,4 Prozent. Aus den Zahlen gehe nicht hervor, wieviele solcher Mittel Patienten idealerweise bekommen sollten, räumte Häussler ein.
Der VFA-Vorsitzende Wolfgang Plischke warnte aber davor, Patienten erst verspätet neue Mittel etwa gegen Krebs zu geben. «Was medizinisch notwendig und wirtschaftlich ist, bezahlen die Krankenkassen», versicherte die Sprecherin des GKV-Spitzenverbands, Ann Marini, zugleich. Insgesamt stiegen die GKV-Ausgaben für Arzneimittel und Impfstoffe laut Studie trotz aller Sparbemühungen im vergangenen Jahr um 5,3 Prozent auf 29,2 Milliarden Euro. «Wir haben jedes Jahr Steigerungen von 1,4 Milliarden Euro über elf Jahre hinweg mit einer Ausnahme 2004, als der Gesetzgeber frei verkäufliche Arzneimittel aus der Kostenerstattung herausgenommen hat», sagte Häussler.
23.07.2009 l dpa
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