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Dermatika: Babyhaut lässt viele Arzneistoffe durch

 

Bei Säuglingen dringen viele Arzneistoffe in und durch die Haut, die bei älteren Kindern und Erwachsenen von der Hautbarriere zurückgehalten werden. Dadurch komme eine Lokaltherapie bei Babys oftmals einer Systemtherapie gleich, warnte der Hamburger Dermatologe Professor Dr. Peter H. Höger beim Pharmacon in Meran. Grund für die erhöhte Resorption ist die funktionelle Unreife der Neugeborenenhaut. Unter anderem ist die epidermale Lipidbarriere noch nicht ausreichend ausgebildet. Im Vergleich zum Erwachsenen ist das Verhältnis von Hautoberfläche zu Gewicht beim Säugling 2,5- bis 3-fach höher als beim Erwachsenen und auch die Dichte der Talgdrüsen pro Quadratzentimeter deutlich höher. Diese «Löcher» in der Epidermis lassen lipophile Stoffe bis in die Dermis penetrieren. Von dort können sie in den Blutstrom gelangen. Salicylate und Alkohol könnten bei transkutaner Resorption lebensgefährliche Intoxikationen auslösen, warnte Höger. Toxikologisch bedenklich seien auch Neomycin, Clioquinol, Benzylbenzoat, PVP-Iod, Benzocain und Prilocain. In puncto Sonnenschutz sollten Apotheker den Eltern dringend raten, Babys und Kleinkinder keiner direkten Besonnung auszusetzen und ausreichend zu bekleiden. Wenn ein Sonnenschutzprodukt nötig ist, kommen nur Mikropigmente infrage. Chemische Hautschutzfilter wie Oxybenzon seien im Urin nachgewiesen worden, was eindeutig auf eine systemische Resorption hinweist. (bmg)

 

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09.06.2009 l PZ

Foto: Fotolia/Bilderbox