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Bio-Viagra: Nichts als heiße Luft

 

Die Meldung von einem Bio-Potenzmittel, das angeblich schon 2010 als diätetisches Lebensmittel auf den Markt kommen sollte, schlug ein wie eine Bombe. Nun ist der Traum davon offensichtlich geplatzt. Etliche große Tageszeitungen wie die «Süddeutsche Zeitung» und der «Tagesspiegel» hatten in den vergangenen Tagen über ein pflanzliches Präparat mit dem Namen «Plantagrar» berichtet, die «Welt» gestern sogar mit großem Bild auf der Titelseite. Einer Studie zufolge sei das vor allem aus Extrakten des Erd-Burzeldorns (Tribulus terrestris) bestehende Mittel sogar wirksamer als Viagra. Mittlerweile hat sich die Charité, wo das Mittel getestet wird, vom Bio-Viagra klar distanziert. «Es handelt sich bei dieser Untersuchung um die Aktivität eines Mitarbeiters der Charité in eigener Verantwortung. Die Übereinstimmung mit den Richtlinien der Charité zur guten wissenschaftlichen Praxis wird derzeit überprüft. Die Nennung eines Produktnamens in Zusammenhang mit den Untersuchungen entspricht nicht den wissenschaftlichen Standards der Charité. Die Charité behält sich vor, hierauf geeignet zu reagieren und schließt auch rechtliche Schritte nicht aus. Herr Schröder ist nicht berechtigt, Erklärungen für die Charité abzugeben.» Soweit die kurze, aber unmissverständliche Stellungnahme der Charité. Herr Schröder, das ist jener Olaf Schröder vom Institut für Transfusionsmedizin der Charité, den die Medien in den Beiträgen zum Bio-Viagra zitieren. Laut «Spiegel online» ist er noch Medizinstudent, der eine Doktorarbeit über das Mittel plant. Bisher habe er aber erst einen Versuch mit «Plantagrar» durchgeführt. Der zweite sei noch nicht einmal begonnen, geschweige denn ausgewertet oder gar in einem Fachblatt veröffentlicht und von anderen Experten begutachtet worden. (ss)

 

18.03.2009 l PZ

Foto: Fotolia/Rovagnati