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Gentechnik: Insulin aus der Färberdistel

 

Die kanadische Firma SemBioSys Genetics hat bekannt gegeben, das vorklinische Programm zur Produktion von Insulin aus genetisch veränderter Färberdistel zu starten. Die Studien der Phase I/II werden in Großbritannien mit 30 gesunden Freiwilligen beginnen. Dabei soll das in der Pflanze produzierte Insulin-Analogon SBS-1000 gegen zwei kommerzielle Insuline getestet werden. Ziel ist es, die Bioäquivalenz aufzuzeigen.

 

SemBioSys hat Öldisteln gentechnisch so verändert, dass sie in ihren Samen das menschliche Hormon Insulin produzieren. Die Firma hat ihre Methode 2005 patentieren lassen und die Gendisteln bereits in Chile, Mexiko, den USA und Kanada auf Versuchsfeldern angebaut. 2006 konnte sie im Tierversuch nachweisen, dass das «Gendistel-Insulin» bei Mäusen den Blutzuckerspiegel genauso wirksam senkt wie Humaninsulin.

 

Insulin wird heutzutage größtenteils mittels gentechnisch modifizierter Escherichia-coli-Bakterien oder Hefepilzen in versiegelten Tanks hergestellt. Doch das Verfahren ist teuer. SemBioSys ist überzeugt, die Produktionskosten mit dem neuen Verfahren um 40 Prozent senken zu können. Kritiker befürchten, dass dies mit einem erhöhten Verunreinigungsrisiko erkauft wird. Die Gefahr, dass manipuliertes Erbgut bei der derzeitigen Standardprozedur in die Umwelt gelange, sei minimal. Dagegen könne beim Anbau von Disteln das Erbgut über die Pollen durch Wind und Insekten auf andere Disteln übertragen werden. (kg)

 

09.01.2009 l PZ

Foto: Paulatz