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Prothrombintest überführt Heparin-Fälschungen

 

Kieler Pharmazeuten haben eine einfache, schnelle und kostengünstige Alternative zum Nachweis von verunreinigtem Heparin anhand der Prothrombin-Zeit gefunden. Zwar wurden nach dem Heparin-Skandal zu Beginn dieses Jahres zwei neue, offizielle Tests entwickelt, um Verunreinigungen in Form von übersulfatiertem Chondroitinsulfat nachzuweisen. Diese können jedoch nur von Speziallabors durchgeführt werden. In einem Leserbrief an die Fachzeitschrift «»New England Journal of Medicine» schlägt Dr. Susanne Alban, Professorin für Pharmazeutische Biologie, vor, die Messung der Prothrombin-Zeit als Vortest zu nutzen (Doi: 10.1056/NEJMc0807070). Mit dieser Methode hatte sie die gerinnungshemmende Wirkung synthetischer Heparine im Rahmen ihrer eigenen Dissertation gemessen. Heparine und andere Antikoagulanzien verlängern die Blutgerinnungszeit, ebenso kontaminiertes Heparin. Teste man jedoch in niedrigeren Konzentrationen, sei die Gerinnungszeit kürzer als bei qualitativ hochwertigen Präparaten, heißt es in der Pressemitteilung der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Der Test sei noch nicht validiert. «Die sogenannte Prothrombin-Zeit ist ein einfacher, preiswerter Blutgerinnungstest, der grundsätzlich in jedem klinischen Routinelabor und manchmal auch von Patienten selbst durchgeführt wird», erklärte Alban. Die Messung eignet sich auch für andere Verunreinigungen als Vortest. Der Leserbrief erschien parallel zu einem Bericht der US-amerikanischen Seuchenbehörde CDC über den Heparin-Skandal. Verunreinigte Chargen der Firma Baxter hatten um die Jahreswende zahlreiche schwere Nebenwirkungen bei Dialysepatienten ausgelöst. (db)

 

Lesen Sie dazu auch Heparin-Skandal:Wie es dazu kommen konnte und die Lehren daraus, PZ 20/2008

 

19.12.2008 l PZ

Foto: Superbild