Roche übernimmt Biotech-Tochter |

Der Pharmakonzern Roche hat die größte Übernahme in der schweizerischen Firmengeschichte beschlossen: Für 43,7 Milliarden Dollar (rund 28 Milliarden Euro) will er seine amerikanische Tochtergesellschaft Genentech vollständig übernehmen. Den Minderheitsaktionären sei ein entsprechendes Angebot unterbreitet worden, teilte Roche am Montag in Basel mit. Der Konzern hält seit 1990 eine Mehrheitsbeteiligung an dem US-Biotechnologieunternehmen und besitzt derzeit 55,9 Prozent. Es wäre bereits der zweite Milliarden-Deal in der schweizerischen Pharmabranche. Der Roche-Konkurrent Novartis hatte im April angekündigt, bis 2011 rund 39 Milliarden Dollar für eine Mehrheitsbeteiligung am US-Augenheilkundekonzern Alcon auszugeben. «Mit der Übernahme wird die Innovationskraft des gesamten Konzerns gestärkt», sagte Roche-Chef Franz Humer im Schweizer Fernsehen. Der Wissenstransfer zwischen den Forschungseinheiten werde intensiviert. Die vor über 30 Jahren gegründete Genentech gilt als Pionier der Biotechnologie und führend bei Krebspräparaten. Roche verspricht sich von dem Geschäft Synergien von 750 bis 850 Millionen Dollar im Jahr. Zugleich gab Roche drei Tage eher als geplant leicht rückläufige Halbjahresresultate bekannt. Der Reingewinn schrumpfte um 2,2 Prozent auf 5,732 Milliarden Franken (rund 3,6 Milliarden Euro). Die Erlöse gingen um 4,0 Prozent auf 22,0 Milliarden Franken zurück. Dabei verringerten sich die Verkäufe der größten Sparte Pharma um 6,0 Prozent auf 17,2 Milliarden Franken. Der kleinere Geschäftsbereich Diagnostika setzte 4,7 Milliarden Franken um. Das war ein Plus von 4,0 Prozent. Bei den Pharmaerlösen machte sich der geringere Absatz des Grippemittels Tamiflu negativ bemerkbar. Ohne das beim Menschen gegen Vogelgrippe wirksame Medikament nahmen die Pharmaverkäufe jedoch doppelt so schnell zu wie der Weltmarkt.
21.07.2008 l dpa
Foto: Roche