Lebensmittel: Ampel für die Westentasche |

Angesichts des politischen Streits um die Nährwert-Kennzeichnung von Lebensmitteln haben die Verbraucherzentralen ein eigenes Informationssystem in den drei Ampelfarben gestartet. Mit einer Checkkarte für das Portemonnaie könnten Kunden beim Einkauf den Gehalt an Fett, Zucker, Salz und gesättigten Fettsäuren überschlagen, teilte der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) am Mittwoch bei der Vorstellung des Angebots in Berlin mit. Die Farben Rot, Gelb und Grün symbolisieren dabei einen geringen, mittleren oder hohen Gehalt bezogen auf 100 Gramm. Unter www.ampelcheck.de wird außerdem ein Online-Rechner für bestimmte Produkte angeboten.
Die Checkkarte, die in Beratungsstellen der Verbraucherzentrale erhältlich ist, sei «eine Krücke», sagte VZBV-Vorstand Gerd Billen. «Damit die Verbraucher ohne Hilfsmittel durch den Konsumalltag laufen können, brauchen wir die Ampelkennzeichnung.» Angaben, die manche Hersteller schon jetzt auf ihre Packungen druckten, seien kleinteilig und teils irreführend. Manche Bezugsgrößen seien unrealistische Miniportionen wie eine Handvoll Chips. Werte für Kinderprodukte basierten oft auf Empfehlungen für Erwachsene. Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) will mit der Wirtschaft über eine freiwillige Kennzeichnung mit Farben reden, bei der der Anteil an Fett, Zucker, Salz, Kalorien und gesättigten Fettsäuren in Bezug zur empfohlenen Tagesration angegeben wird. Zugleich will er sich auf EU-Ebene dafür stark machen. Die EU plant eine Pflichtkennzeichnung auf Lebensmittel. Eine reine Ampel-Kennzeichnung lehnt Seehofer ab. Die Länder sprachen sich im Bundesrat für die rasche Einführung einer farbigen Kennzeichnung aus. Ziel sei ein Modell mit Farbgestaltung, Symbolen und einer einheitlichen Bezugsgröße wie etwa einer Tagesration.
16.07.2008 l dpa
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