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Kaum Gefahr durch angereichertes Aluminium

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ANTACIDA

Kaum Gefahr durch angereichertes Aluminium

von Elke Wolf, Wiesbaden

Auf eine Schwangerschaft reagiert die Speiseröhre mitunter ziemlich sauer. Ob die Antacida eine Lösung sind, wenn Sodbrennen übel mitspielt, erklärte Professor Dr. Ernst-Gerhard Loch von der Landesärztekammer Hessen, Bad Nauheim, auf einer Pressekonferenz.

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Den Antacida vom Magnesium- und Aluminiumtyp werden ab und an systemische Nebenwirkungen vorgeworfen. In der Tat: Magnesium- und Aluminiumchlorid, die sich bei der Reaktion des Antacidums mit der Salzsäure bilden, sind zu 15 bis 30 Prozent bioverfügbar. Da aber überschüssig aufgenommenes Magnesium und Aluminium rasch über die Niere eliminiert werden, besteht bei korrekter Anwendung keine Gefahr. Eine Ausnahme: Bei Nierenfunktionsstörungen können sich die Ionen im Knochen- und Nervengewebe anreichern. Für Aluminiumionen gilt der Sonderfall, dass es bei längerer Anwendung zu einer Phosphatverarmung kommen kann, da das Metall vorzüglich an Phosphat bindet.

Loch stufte Antacida vom Magnesium- und Aluminiumtyp so sicher ein, dass sie gar in der Schwangerschaft und Stillzeit eingenommen werden können. Das gelte auch für alle anderen Aluminium-freien Antacida. Schätzungen zufolge haben mindestens 40 Prozent aller Schwangeren Sodbrennen. Das liegt am stetig wachsenden Druck im Bauchraum und den sich verändernden Hormonspiegeln; die erhöhten Progesteronwerte lassen den Sphinkter am unteren Ende der Speiseröhre erschlaffen.

Im Tierversuch führte die Gabe von Aluminiumsalzen zwar zu Veränderungen am Tierfötus, berichtete Loch. Jedoch sei hierbei die toxikologische Dosis um ein Vielfaches höher gewesen, als die Menge, die Sodbrennen-Geplagten im Alltag empfohlen wird. Damit diesbezügliche Angaben im Beipackzettel Schwangere nicht verunsichern, appellierte Loch an Ärzte und Apotheker, im Beratungsgespräch auf die Zusammenhänge hinzuweisen. Loch: "Bisher ist kein Fall bekannt, bei dem es durch die Einnahme von Aluminium-haltigen Antacida in der Schwangerschaft zu Veränderungen des Gehirns oder der Knochen bei den Feten gekommen wäre." Die Antacida sollte nur über drei bis vier Wochen eingenommen werden. Hat die werdende Mutter eine eingeschränkte Nierenfunktion, kann es schneller zu Aluminiumablagerungen im kindlichen Organismus kommen, sagte Loch.

Vor dem Griff zum Antacidum stehen jedoch Allgemeinmaßnahmen, die der Apotheker gut im Beratungsgespräch vermitteln kann. Verspürt die Schwangere Sodbrennen nur nach den Mahlzeiten oder morgens, gilt: drei bis vier Stunden vor dem Schlafen die letzte Mahlzeit einnehmen, danach für ausreichend Flüssigkeit sorgen; auf Fruchtsäfte oder kohlensäurehaltiges Wasser verzichten und nach dem Abendessen einen kleinen Spaziergang machen. Loch: "Besonders im dritten Abschnitt der Schwangerschaft sollte das Kopfteil des Bettes um etwa 25 Zentimeter hochgestellt werden. So kann die Schwangere frei atmen und das Zwerchfell ist nicht durch das heranreifende Kind verschoben wodurch ansonsten eine gewissen Atemnot zustande kommen könnte."

 

Rundum gut versorgt? Frauen scheinen es mit der Medikamenten-Einnahme während der Schwangerschaft nicht so eng zu sehen. Eine Studie mit 14. 774 Schwangeren besagt, dass knapp 80 Prozent aller Frauen im ersten Trimenon mindestens ein Arzneimittel und 25 Prozent mehr als vier Präparate einnehmen. Ist dies bei Patientinnen mit Grunderkrankungen wie Diabetes oder Hypertonie plausibel, so wundert es, dass bis zu 75 Prozent der als gesund geltenden Frauen in der Frühschwangerschaft Arzneimittel einnehmen. Vegetative Beschwerden, zu denen auch Völlegefühl und Sodbrennen gehören, stehen dabei nach Angaben der Patientinnen im Vordergrund.

 

 

Unterstützung defensiver Mechanismen

Antacida nehmen nicht nur die Säure. Zudem binden sie auch Gallensäuren, erhöhen den pH-Wert im Magen und schränken dadurch die proteolytische Aktivität von Pepsin ein. Aber die Antacida unterstützen gleichzeitig auch die defensiven Mechanismen der Magenschleimhaut. Sie entfalten direkte zytoprotektive Effekte, indem sie die Schleimproduktion und den mikrovaskulären Blutfluss ankurbeln.

Nimmt man die Säurebindungskapaziät und somit lediglich einen Teilaspekt der Wirkung genauer unter die Lupe, differieren die auf dem Markt befindlichen Präparate. "80 Prozent der auf dem Markt befindlichen Antacida sind nach den vorgegebenen Dosierungsanleitungen unterdosiert", informierte Blume. Worauf gründet seine Feststellung? Die Wirkstärke von Antacida wurde bislang über die molare Neutralisations- beziehungsweise Säurebindungskapazität charakterisiert, das heißt die Molmenge Salzsäure, die durch eine Dosis des Antacidums neutralisiert wird. Nach Arzneibuch sollte die Menge gegen Sodbrennen und säurebedingte Magenerkrankungen bei 20 bis 25 mval pro Einzeldosis liegen. Jedoch: Eine bislang unveröffentlichte Studie aus dem Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker aus dem Jahre 1998 lässt erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Handelspräparaten erkennen, sagte Blume auf der von Nattermann ausgerichteten Veranstaltung.

Nur einige wenige Präparate (zum Beispiel Maalox® 70 Suspenion) weisen die Arzneibuch-konforme Säurebindungskapazität von 20 bis 25 mval pro Einzeldosis auf. Viele Produkte fallen nach den Ausführungen Blumes durch dieses Raster und müssten deshalb höher dosiert werden als in der Packungsbeilage angegeben. Hinzu kommt, dass einzelne Präparate in ihrem Neutralisationsvermögen erheblich schwanken. Im Vergleich zum deklarierten Wert weisen sie zum Teil ein um den Faktor zehn differierendes Säurebindungsvermögen auf, sagte der Referent. Top

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Beitrag erschienen in Ausgabe 09/2001

 

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