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Schutz vor Schlaganfall und Infarkt

PHARMAZIE

 
Omega-3-Fettsäuren

Schutz vor Schlaganfall und Infarkt

von Kerstin A. Gräfe, Palma de Mallorca

Die positiven Effekte der Omega-3-Fettsäuren auf das Herz-Kreislaufsystem dürften inzwischen unumstritten sein. Allerdings ist es nicht jedermanns Sache, zweimal pro Woche fetten Seefisch wie Hering oder Makrele zu essen. Abhilfe können hier standardisierte Omega-3-Fettsäure-Konzentrate schaffen.

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In den westlichen Industrieländern sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Todesursache Nummer eins. Zunehmend werden auch junge Menschen mitten aus dem Leben und ihren Familien gerissen. Die Todesursache ist in der Regel ein Herzinfarkt, der neben der koronaren Herzkrankheit (KHK), dem Schlaganfall und der Angina pectoris als die gefährlichste Erkrankung des Herz-Kreislaufsystems gilt. So überlebt ihn die Hälfte der Betroffenen nicht.

„Der kardioprotektive Nutzen der vor allem in Kaltwasser-Meeresfischen vorkommenden Omega-3-Fettsäuren dürfte inzwischen als unumstritten gelten“, sagte Professor Dr. Peter Schwandt, Leiter des Münchner Arteriosklerose-Präventions-Instituts, auf einer von Pohl Boskamp unterstützten Veranstaltung. Zu den aus kardiologischer Sicht wesentlichen Eigenschaften der Omega-3-Fettsäuren gehöre, dass sie das Lipidprofil günstig beeinflussen. So reduzieren sie den Triglyceridspiegel und erhöhen die HDL-Werte. Zudem senken sie bei Hypertonikern den Blutdruck, erweitern die kleinen Blutgefäße, hemmen die Thrombozytenaggregation und verbessern die Fließeigenschaften des Blutes. Darüber hinaus haben Omega-3-Fettsäuren noch einen weiteren Effekt: Sie verringern Herzrhythmusstörungen.

 

KHK-präventive Effekte von Omega-3-Fettsäuren
  • senken Triglyceride
  • erhöhen bei längerer Anwendung HDL-Werte
  • fördern Durchblutung
  • hemmen Thrombozytenaggregation
  • fördern Fibrinolyse
  • fördern Bildung von gefäßerweiterndem Stickstoffmonoxid (NO)
  • verbessern Verformbarkeit der Erythrozyten
  • wirken endothel-protektiv
  • senken den erhöhten systolischen und diastolischen Blutdruck,
  • wirken antiarrhythmisch
  • hemmen Proliferation glattmuskulärer Zellen im Gefäßendothel

 

Sterberisiko um 30 Prozent verringert

Eine Vielzahl von Studien belege eine Dosis abhängige Reduzierung des relativen Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sagte Schwandt. So konnte in der zweijährigen DART-Studie (Diet and Reinfarction Trial) mit über 2000 Männern, die einen akuten Herzinfarkt erlitten hatten, nur in der Gruppe mit einem zweimaligen Fischkonsum pro Woche die Gesamtsterblichkeit um 29 Prozent gesenkt worden.

Die italienische GISSI-P-Studie (Gruppo Italiano per lo Studio della Sopravvivenza nell' Infarto miocardio-Prevenzione), eine Interventionsstudie mit hoher Evidenz, untersuchte erstmalig die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren in hochkonzentrierter, hochgereinigter Form. In der vierarmigen Studie erhielten über 11.000 Patienten, die drei Monate zuvor einen Herzinfarkt erlitten hatten, über einen Zeitraum von 3,5 Jahren täglich entweder 1 g Omega-3-Fettsäuren, 300 mg Vitamin E, eine Kombination aus beidem oder Placebo. Primärer Endpunkt war die Kombination aus Tod, nichttödlichem Myokardinfarkt oder Schlaganfall.

In der Omega-3-Fettsäuregruppe konnte die Gesamtmortalität signifikant um 20 Prozent, die kardiovaskuläre Mortalität um 30 Prozent gesenkt werden. Dies entspricht einer Größenordnung, die auch mit den in der Prävention bereits etablierten Statinen erreicht werde, informierte Schwandt. Die Gefahr, an einem plötzlichen Herztod zu sterben, war sogar um mehr als 45 Prozent verringert.

Während sich die Omega-3-Fettsäuren bei optimaler sekundärprophylaktischer Basistherapie mit Acetylsalicylsäure, Betablockern, ACE-Hemmern und Lipidsenkern als hochwirksam erwiesen, konnte durch die Gabe des antioxidativ wirkenden Vitamin E keine entsprechende Schutzwirkung belegt werden.

Basierend auf diesen Ergebnissen wird sowohl von der American Heart Association (AHA) als auch der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) nach einem Herzinfarkt zusätzlich zur Standardtherapie die tägliche Einnahme von 1 g Omega-3-Fettsäuren empfohlen.

„Wirkstoffe“ EPA und DHA

Den Hauptanteil der langkettigen Omega-3-Fettsäuren bestreiten mit 46 Prozent die Eicosapentaensäure (EPA) und mit 38 Prozent die Docosahexaensäure (DHA). Sie werden in die Zellmembran eingebaut und beeinflussen somit die Signalübertragung zwischen den Zellen und die Membranbeweglichkeit.

Zudem lagern sich EPA und DHA vermutlich an bestimmte Bereiche der Ionenkanäle in den Zellmembranen an, die die Erregung der Myozyten steuern. Dort verringerten sie die Myokard-Erregbarkeit, was gerade in der Randzone einer Ischämie sinnvoll ist. Denn in diesen Randzonen kommt es auf Grund unterschiedlich langer Refraktärzeiten der Myozyten leicht zu einem Wiedereintritt der Erregung. Das Kammerflimmern, das dadurch ausgelöst werden kann, ist eine häufige Ursache für den plötzlichen Herztod.

Des Weiteren verdrängen sie die Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure von den Enzymen. So werden bei einer Omega-3-Fettsäure-reichen Ernährung neben dem üblichen Prostacyclin (PGI2) und Thromboxan (TXA2) aus Eicosapentaensäure PGI3 und TXA3 gebildet. Während die Prostacycline die Thrombozytenaggregation in gleicher Weise hemmen, wird sie von TXA3 im Gegensatz zu TXA2 kaum gefördert. Daher senken Omega-3-Fettsäuren bis zu einem gewissen Grad das atherogene Risiko. Darüber hinaus wirkt das aus der Eicosapentaensäure gebildete PGA3 schwächer inflammatorisch als das aus der Arachidonsäure entstehende PGA2, was bei rheumatischen Erkrankungen eine Rolle spielt.

Aktuell wird auch ein positiver Einfluss von Omega-3-Fettsäuren bei psychischen Erkrankungen und Entwicklungsstörungen diskutiert, da diesen möglicherweise ein Mangel oder Ungleichgewicht bestimmter Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren zu Grunde liegt. So konnte in neueren Studien gezeigt werden, dass sich mit Omega-3-Fettsäuren Schizophrenie, manisch-depressive Erkrankungen, Depressionen und auch die Aggressivität auffällig gewordener Minderjähriger positiv beeinflussen lassen.

Das Verhältnis ist entscheidend

Sowohl Omega-6- als auch Omega-3-Fettsäuren sind essenzielle Fettsäuren und müssen daher mit der Nahrung aufgenommen werden. Entscheidend ist jedoch nicht allein eine ausreichende Zufuhr, sondern das Verhältnis zueinander. Ein Übermaß an Omega-6-Fettsäuren verdrängt zum Beispiel die Omega-3-Moleküle aus den Membranen von Herzmuskelzellen und erhöht somit das Risiko für Kammerflimmern. Umgekehrt reduziert ein Übermaß an Omega-3-Fettsäuren den Arachidonsäure-Anteil der Membranen zu stark und erhöht das Risiko für Stress-induzierte Nekrosen in Herz- und Magengewebe. Als optimal gelte ein Verhältnis der Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren von 1 zu 5, wobei eine Spanne von 1 zu 4 bis 1 zu 10 beim Gesunden durchaus noch vertretbar ist. Heute nehmen die meisten Menschen mit der Nahrung jedoch zu große Mengen an Omega-6-Fettsäuren auf, während sie mit Omega-3-Fettsäuren unterversorgt sind. So beträgt das Verhältnis inzwischen im Schnitt 10 bis 20 zu 1.

 

Lebertran oder Fischöl Lebertran (Jecoris aselli oleum) ist als Monographie im Europäischen Arzneibuch gelistet und muss somit in Bezug auf Identität, Reinheit und Gehalt den Anforderungen entsprechen. Laut Arzneibuch-Definition ist Lebertran das gereinigte fette Öl, das ausschließlich aus der frischen Leber der Spezies Gadus morhua L. und anderen Spezies der Familie Gadidae (Dorsch) gewonnen wird. Lebertran enthält pro Gramm mindestens 600 I. E. (250 µg) und höchstens 2500 I. E. (750 µg) Vitamin A sowie mindestens 60 I. E. (1,5 µg) und höchstens 250 I.E. (6,25 µg) Vitamin D3.

Fischöl wird dagegen zumeist aus dem ganzen Fisch gewonnen, nachdem die Leber entfernt wurde. Als wirksame Bestandteile enthält es ebenfalls Omega-3-Fettsäuren. Da Fischöl jedoch keiner Arzneibuchmonographie unterliege, könne es teilweise von geringerer pharmazeutischer Qualität sein, sagte Martina Ehmen, Apothekerin und medizinische Fachreferentin bei Pohl-Boskamp.

 

Mittel der Wahl sind standardisiert

Gemäß den Empfehlungen der American Heart Association und Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sollten Gesunde eine durchschnittliche Zufuhr von einem Gramm langkettiger Omega-3-Fettsäuren pro Tag anstreben. Bei den in Deutschland beliebtesten Fischarten Rotbarsch, Heilbutt und Forelle wären dazu 500 g pro Woche nötig. Besser fährt man mit Makrelen, Heringen, Lachs und Tunfisch. 150 g pro Woche würden ausreichen, um die Ernährungsempfehlungen der DGE zu erfüllen. Nach Schätzungen verzehren die Bundesbürger im Schnitt jedoch nur knapp ein Zehntel dieser empfohlenen Ration.

Andere natürliche Omega-3-Fettsäure-Quellen wie Raps-, Soja- oder Walnussöl sind infolge ihres relativ geringen Gehalts an langkettigen Omega-3-Fettsäuren nicht in der Lage, in gesundheitlich unbedenklicher Menge das große Fischöldefizit auszugleichen. Der gelegentlich als Hausmittel eingesetzte Lebertran enthält zwar ausreichend Omega-3-Fettsäuren sowie die wertvollen Vitamine A und D, allerdings sind die Fettsäuren nicht auf einen genau definierten Gehalt hin standardisiert und die jeweiligen Tagesdosen-Höchstgrenze der Vitamine würden bei der empfohlenen Tagesdosis von einem Gramm Omega-3-Fettsäuren überschritten werden. Auf der sicheren Seite sei man hier mit klinisch in ihrer Wirksamkeit belegten und standardisierte Omega-3-Fettsäure-Präparaten, empfahl Schwandt. Top

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E-Mail: redaktion@govi.de


Beitrag erschienen in Ausgabe 04/2004

 

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