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Von Knoblauch und Vampiren

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IGGP-Kongress

Von Knoblauch und Vampiren

von Marcus Plehn, Sinaia

Schlösser, die von Fledermäusen und Wölfen umkreist werden, blutsaugende Vampire und bleiche Untote zu mitternächtlicher Stunde, aber auch schöne junge Frauen, die sich mittels Knoblauch die Nachtruhe zu sichern suchen...

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Solche oder ähnliche Bilder dürften manchem Besucher des Kongresses der Internationalen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie (IGGP) bei der Fahrt nach Sinaia, Rumänien, einen leichten Schauer über den Rücken gejagt haben. Liegt doch die idyllische Stadt inmitten der vermeintlich düsteren Karpaten und bildet das Tor nach Transsilvanien, der Heimat Graf Draculas, für den Blut bekanntlich einen ganz besonderen Saft darstellte.

Was klingt wie die Ausgeburt wilder Phantasien, enthält jedoch einige Körnchen pharmaziehistorischer Wahrheit. Zwar ist es falsch, dass Knoblauch „Vampire“ vertreibt. Wahr ist, dass diese ihn nicht mögen. Wenn man ausschmückende Übertreibungen bei der Beschreibung von Vampiren abzieht, erscheint das Bild einer zumeist erblichen Krankheit, die in der Abgeschiedenheit Transsilvaniens mangels genetischer Durchmischung gehäuft aufgetreten sein dürfte: die Porphyrie.

Bei dieser Stoffwechselerkrankung ist die Hämoglobinbildung gestört, was zu Blutarmut und extremer Lichtempfindlichkeit führt. Die Betroffenen sehen bleich aus und reagieren auf Sonnenbestrahlung mit Blasenbildung und Geschwüren. Nase, Ohren und Finger können stark verunstaltet sein. Oft sind Lippen und Zahnfleisch zurückgezogen, weshalb die Zähne wie die Reißzähne eines Wolfs erscheinen. Zu allem Elend kommt noch eine starke Behaarung der Patienten hinzu.

Vorsicht, Knoblauch!

Es lässt sich gut vorstellen, dass sich die Kranken damals am liebsten in dunklen Kellergewölbe aufhielten, die sie nur nachts verließen. Um den fehlenden Blutfaktor auszugleichen, suchten sie womöglich im Trinken von Tierblut Linderung. Sicher jedoch mussten sie ein dort weit verbreitetes Grundnahrungsmittel meiden: den Knoblauch. Denn die Knolle von Allium sativum, seit Jahrhunderten als Schutz vor Atherosklerose geschätzt, verschlimmert auf Grund ihrer schwefelhaltigen Inhaltsstoffe das Leiden. Allicin verstärkt nämlich den Abbau bereits vorhandene Hämoglobinproteine.

Wahr ist auch, dass sich der Autor Bram Stoker für seinen Romanhelden Graf Dracula von einer historischen Gestalt inspirieren ließ, dem walachischen Fürsten Vlad Tepes (1430 bis 1477). Dieser pflegte seine Feinde durch ausgesuchte Grausamkeiten umzubringen, seine Spezialität war dabei das Aufspießen seiner Gegner.

Nicht wahr ist allerdings die Behauptung, dass alle weiblichen Teilnehmer des Kongresses in Sinaia sicherheitshalber eine Knoblauchzwiebel vor das Fenster ihres Hotelzimmers gelegt hätten. Top

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Beitrag erschienen in Ausgabe 40/2003

 

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