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Sulforaphan: Darmschutz mit Brokkoli

PHARMAZIE

 
Sulforaphan

Darmschutz mit Brokkoli

Von Bettina Sauer

 

Das Isothiocyanat Sulforaphan zeigt vielfältige gesundheitsfördernde Wirkungen. Nun deuten Zellversuche darauf hin, dass es auch bei Morbus Crohn helfen könnte.

 

Antioxidativ, entgiftend, entzündungshemmend: Sulforaphan genießt einen gesundheitsfördernden Ruf. Das Isothiocyanat entsteht bei der enzymatischen Hydrolyse von Senfölglykosiden, die hoch konzentriert in Brokkoli, aber auch manchen anderen Kreuzblütengewächsen vorkommen. Unter anderem scheint Sulforaphan Krebserkrankungen vorzubeugen, sie zu verlangsamen oder gar aufzuhalten. Das führen Carmela Fimognari und Patrizia Hrelia von der italienischen Universität Bologna in einer Übersichtsarbeit aus, die sie 2007 im Fachjournal »Mutation research« veröffentlichten. Demnach spielen bei dem Effekt gegen Tumoren verschiedene zelluläre Mechanismen zusammen. So scheint Sulforaphan die menschliche DNA vor Erbgutschäden zu schützen, die Teilungsrate bereits gebildeter Tumorzellen zu drosseln, beziehungsweise ihren programmierten Zelltod einzuleiten.  Ferner belegen mehrere Studien einen Einfluss von Sulforaphan auf das Immunsystem, unter anderem antientzündliche Effekte.

 

Möglicherweise wirkt es auch chronischen Entzündungen der Darmschleimhaut entgegen. Darauf deutet zumindest eine Studie an Zellkulturen hin, die Forscher um Dr. Markus Schwab, Privatdozent Dr. Oliver Schröder und Professor Dr. Jürgen Stein vom Universitätsklinikum Frankfurt am Main dieses Jahr im Fachjournal »Immunology« veröffentlichten (Doi: 10.1111/j.1365-567.2008.02834.x). Bei ihren Versuchen arbeiteten die Wissenschaftler mit den drei Kolonkarzinomzelllinien Caco-2, HT-29 und SW480, die oft als Modell für Vorgänge in der Darmschleimhaut dienen. Dem Nährmedium dieser Zellen setzen die Forscher Sulforaphan in verschiedenen Konzentrationen zu. Auf diese Behandlung hin bildeten alle drei Zelltypen innerhalb von 24 Stunden dosisabhängig weitaus mehr humanes β-Defensin-2 (HBD-2) als unbehandelte Kontrollzellen, und zwar sowohl auf mRNA- als auch auf Proteinebene. Das Polypeptid HBD-2 findet sich in den Wänden des gesamten Magen-Darm-Trakts und verfügt über antimikrobielle Eigenschaften. Mehrere Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen einer verminderten HBD-2-Bildung und der chronischen, im Kolon lokalisierten Darmentzündung Morbus Crohn. Schröder, Stein und Kollegen erbrachten ihren Angaben zufolge erstmals den Nachweis, dass Sulforaphan Darmzellen zur Bildung von HBD-2 anregt.

 

Weiterhin zeigten sie, dass bei diesem Vorgang offenbar der Vitamin-D-Rezeptor (VDR) eine zentrale Rolle spielt, der auch sonst viele antientzündliche Prozesse im Darm vermittelt. Dazu behandelten die Forscher Caco-2-Zellen mit Sulforaphan (10 µM) in Gegenwart des VDR-Hemmstoff ZK191732. Daraufhin bildeten die Zellen innerhalb von 24 Stunden rund 70 Prozent weniger HBD-2-mRNA als nur mit Sulforaphan behandelte Kontrollzellen. Durch den Einsatz entsprechender Hemmstoffe bei Caco-2-Zellen ließen sich zwei weitere zelluläre Signalwege identifizieren, die Effekte von Sulforaphan auf die HBD-2-Bildung vermitteln: die extracellular regulated kinase (ERK) 1/2 und den nuklearen Faktor (NF)-κB. Bekanntermaßen nutzen Darmzellen beide Signalwege vielfältig.

 

Insgesamt deuten die Daten auf einen möglichen Nutzen einer sulforaphanreichen Ernährung bei einem im Kolon lokalisierten Morbus Crohn hin, schreiben die Autoren. Doch seien In-vivo-Studien erforderlich, um die Bedeutung der Ergebnisse einzuordnen.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 50/2008

 

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