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Lymphozyten

Zwei Blutwerte erlauben Prognose über Covid-19-Verlauf

Wie schwer eine Covid-19-Erkrankung verläuft, lässt sich einer Studie zufolge schon früh an zwei Typen von Abwehrzellen im Blut vorhersagen. Das Resultat könnte die Therapie beeinflussen, zum Beispiel wenn die Patienten wegen einer Grunderkrankung Immunsuppressiva oder eine Chemotherapie erhalten.
dpa
11.06.2020  10:42 Uhr

Bei einer Covid-19-Erkrankung ließ sich in einer Studie mit 40 Patienten in Wuhan anhand von zwei Typen von Abwehrzellen im Blut vorhersagen, ob ein Patient einen schweren Verlauf oder nur milde Symptome entwickelt. Die Befunde seien in Deutschland bei mehreren Patienten bestätigt worden, sagt Ko-Autor Professor Dr. Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Essen und Vizepräsident der Gesellschaft für Virologie. Die Studie war bereits Mitte April im Fachblatt «EBioMedicine» veröffentlicht worden.

Bei einem der beiden Immunzell-Typen handelt es sich laut Dittmer um Killer-T-Zellen mit einem bestimmten Oberflächenmarker (CD8). Sie töten virusinfizierte Körperzellen ab und unterbrechen damit die Vermehrung des Coronavirus SARS-CoV-2. «Wenn die Patienten nur wenige von diesen Zellen haben, haben sie ein hohes Risiko, schwere Symptome wie etwa eine Lungenentzündung oder Gerinnungsstörungen zu entwickeln», erläutert Dittmer. Der andere Zelltyp sind Neutrophile. «Die sind eigentlich dafür da, Bakterien abzuwehren. Sie können aber auch T-Zellen in ihrer Funktion unterdrücken.» Demnach wurden in Blutproben mit vielen Neutrophilen nur wenige T-Zellen gefunden, was mit einem schwereren Krankheitsverlauf verbunden war. Mehr zur Immunologie bei einer SARS-CoV-2-Infektion lesen Sie hier.

«Besonders betroffen hat das Patienten mit Vorerkrankungen, die dazu führen, dass die Anzahl der T-Zellen abnimmt, etwa Patienten nach Transplantationen, die Medikamente zur Unterdrückung von Abstoßungsreaktionen erhalten», sagt Dittmer. Betroffen seien auch Krebspatienten unter einer Chemotherapie, ältere Menschen, bei denen die Zahl der T-Zellen altersbedingt abnehme, oder fettleibige Patienten. «Man weiß, dass übergewichtige Personen schwächere und weniger T-Zellen haben.»

An der Uniklinik Essen habe es sich bei mehr als 70 Prozent der schweren Covid-19-Verläufe um übergewichtige Männer gehandelt. Für eine Covid-19-Therapie folge daraus, dass man zu Anfang einer Infektion versuchen könnte, die Killer-T-Zellen zu stimulieren – das könnten etwa bestimmte Impfstoffe. Auch die Vitamine A und C könnten die Funktion der T-Zellen verbessern.

Immunsuppressiva herunterdosieren, Chemo aussetzen

Bei Transplantierten könne man die Dosis der Medikamente zur Abwehrunterdrückung senken, bei Krebspatienten müsste man im Fall einer SARS-CoV-2-Infektion die Chemotherapie unterbrechen. Dittmer betonte, dass eine eingehendere Studie dazu in Deutschland mittlerweile schwierig sei, da es zum Glück nicht mehr genügend Patienten gebe.

Der Immunologe Professor Dr. Michael Lohoff, der an der Studie nicht beteiligt war, sieht den Befund positiv. «Ein sicherer Test, der eine prognostische Aussage über die zu erwartende Schwere einer Covid-19-Erkrankung zulässt, wäre sehr hilfreich», betont der Direktor am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Universität Marburg. Man könne dann Risiko-Patienten frühzeitig stationär aufnehmen und bei Bedarf intensivmedizinisch therapieren.

«Der in der Studie erarbeitete Befund ist hier durchaus attraktiv.» Allerdings sei die untersuchte Patientenzahl sehr gering, sagt Lohoff. «Man sollte diesen Befund unbedingt an weiteren Patienten, bevorzugt in einem anderen Erdteil, bestätigen – auch um so einen etwaigen Beitrag der Genetik der Patienten auszuschließen.»

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