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Inzidenz steigt weiter

Wo stecken wir uns mit Corona an?

Die SARS-CoV-2-Infektionszahlen steigen deutlich an, trotz Lockdown. Das Robert-Koch-Institut prognostiziert eine höhere Inzidenz als je zuvor. Woran liegt das und wo häufen sich die Ausbrüche?
Carolin Lang
24.03.2021  11:30 Uhr

Die dritte Welle läuft: Die Covid-19-Fallzahlen steigen seit Mitte Februar wieder deutlich an. Seit etwa dem 10. März hat sich der Anstieg der Fallzahlen noch einmal beschleunigt und auch die Intensivstationen deutscher Krankenhäuser werden wieder voller. Das Robert-Koch-Institut (RKI) sieht das Risiko für eine weitere starke Zunahme deutlich erhöht. Wo kommt es zu den vielen Ansteckungen?

Laut dem RKI sind die hohen Fallzahlen momentan vor allem auf Ausbrüche in privaten Haushalten, zunehmend auch in Kitas, Schulen und im beruflichen Umfeld zurückzuführen. Der Anteil an Ausbrüchen in Alten- und Pflegeheimen nehme kontinuierlich und deutlich ab, auch in Krankenhäusern sei die Tendenz rückläufig. Ging man sonst von einer eher untergeordneten Rolle von Kindern und Jugendlichen für den Verlauf der Coronavirus-Pandemie aus, rücken diese nun mehr in den Fokus: Die Melde-Inzidenzen steigen bei Kindern und Jugendlichen in allen Altersgruppen an, so das Institut. Eine ähnliche Entwicklung deute sich auch für die Schulen an. Hier spiele vor allem die Ausbreitung leichter übertragbarer Varianten, besonders B.1.1.7, eine wesentliche Rolle.

Wichtig dabei: Insgesamt kann nur ein kleiner Teil aller gemeldeten Covid-19-Fälle einem Ausbruch zugeordnet werden. Für eine Vielzahl der Fälle fehlen also Informationen zur Infektionsquelle.

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus dem Fachgebiet Verkehrssystemplanung und Verkehrstelematik der Technischen Universität (TU) Berlin kommen bei Simulationen zu einem ähnlichen Ergebnis. »Private Besuche treiben das Infektionsgeschehen«, hieß es Anfang der Woche in einer Pressemitteilung der Universität. Laut dem Team um Professor Dr. Kai Nagel finden Infektionen praktisch nur in Innenräumen des eigenen Haushalts, bei privaten Besuchen, bei der Arbeit und in der Schule statt, wenn es dort zu länger andauernden Kontakten ohne Maske kommt.

Coronavirus-Ansteckung im Freien?

Eine Ansteckung im Freien ist demnach weniger wahrscheinlich als in Innenräumen. Dies ist vermutlich auf die Verwehung infektiöser Aerosolpartikel im Freien zurückzuführen. Trotzdem sollten die allgemein geltenden Abstandsregeln zur Infektionsprophylaxe auch draußen eingehalten werden, rät die Gesellschaft für Aerosolforschung. »Im Freien finden so gut wie keine Infektionen durch Aerosolpartikel statt. Allerdings können Tröpfcheninfektionen auftreten, insbesondere in Menschenansammlungen, wenn Mindestabstände nicht eingehalten und/oder keine Masken getragen werden«, heißt es in einem Positionspapier der Gesellschaft von Dezember 2020.

In geschlossenen Räumen sei Lüften unerlässlich, um die ausgeatmete Luft in einem Raum durch frische Luft von draußen zu ersetzen. Häufiges Stoß- und Querlüften sei dabei vergleichbar effektiv wie dauernd das Fenster vollständig geöffnet zu lassen.

Pandemie-Prognose

Der bisherige Höchststand der Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, lag am 22. Dezember 2020 bei 197,6. Aktuell liegt sie bei 108,1. Das RKI prognostiziert nach einer Hochrechnung noch höhere Fallzahlen als Weihnachten ab der Kalenderwoche 14, also der Woche nach Ostern. Grund dafür ist die Variante B.1.1.7., denn für diese zeige sich ein exponenziell ansteigender Trend der Sieben-Tage-Inzidenz seit Kalenderwoche 2. Auch die Wissenschaftler der TU Berlin sind der Meinung: »Die dritte Welle der Corona-Pandemie wird im Ergebnis zu deutlich höheren Inzidenzen führen als die zweite Welle.« Auch das fortschreitende Impfprogramm und auch das wärmere Wetter könne an dieser Prognose nichts ändern.

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