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Hohe Infektionszahlen trotz Lockdown
Wo stecken sich die Menschen an?

Ansteckung am Arbeitsplatz oder beim Pendeln?

Anders als im Lockdown im Frühjahr hätten viele große Betriebe noch offen, nennt der Epidemiologe einen weiteren Faktor. «Das führt dazu, dass viele Menschen unterwegs sein müssen.» Zugleich warnte er davor, es sich zu einfach zu machen bei Ursachensuche und Argumentation nach dem Motto: In den Firmen und Büros sind noch Leute zusammen, also wird es das schon sein.

Zumindest einen Anteil hat das Arbeitsmiteinander aber wohl schon. Die Virologin Professor Dr. Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig sagte am Sonntagabend in der ARD-Sendung «Anne Will», der Arbeitsplatz sei ein Bereich, wo noch mehr Kontakte eingeschränkt werden könnten. Derzeit gebe es noch viel weniger Menschen im Homeoffice als im Frühjahr. Wichtig sei, zu verhindern, dass sich Menschen bei der Arbeit träfen und vielleicht noch zusammen essen gingen oder im Pausenraum die Masken abnähmen. «Das sind Maßnahmen, die sind jetzt ganz, ganz wichtig», so Brinkmann.

Professor Dr. Kai Nagel, Leiter des Fachgebiets Verkehrssystemplanung und Verkehrstelematik an der TU Berlin, sagte dem «Tagesspiegel», im Frühjahr hätten die Menschen den Lockdown praktisch vorweggenommen und die Menge ihrer Aktivitäten außer Haus um 40 Prozent reduziert, noch bevor die Regierung das anordnete. Zum Jahresende hin sei es umgekehrt gewesen: «Die Maßnahmen griffen ab Mitte Dezember, und davor gab es hektische Betriebsamkeit.»

Mehr Maskentragen, mehr Daten

Wichtige Faktoren zur Eindämmung der Pandemie sind aus seiner Sicht das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und weniger Kontakte. «Wenn die Schulkinder wirksame Masken tragen und jeweils nur jeden zweiten Tag in die Schule kommen würden, wäre ihr Anteil an den Infektionen so gering, dass er keine Rolle mehr spielen würde», ist Nagel überzeugt.

Maßnahmen wie Plexiglas-Abtrennungen am Arbeitsplatz hingegen seien wegen der Corona-Verbreitung über Aerosole wohl wenig zielführend. «Deshalb sollten Masken getragen werden, sobald mehr als eine Person im Raum ist.»

Dass strenge Maßnahmen helfen, die Ausbreitung des Virus deutlich zu verringern, zeigen Beispiele wie China, wo die Regierung viel rigoroser durchgreift. Ob man das mit all den damit verbundenen Folgen wolle, müsse für jeden einzelnen Fall diskutiert werden, sagte Zeeb. Klar sei aber, dass die Grundlagen für politische Entscheidungen verbessert werden müssten. «Wir können unsere Entscheidungen noch nicht gut begründen, auf Grundlage von Daten», so der Forscher. «Wir wissen nicht mal hinterher, was ausschlaggebend gewesen ist.»

Weil die Pandemie noch Monate anhalten werde, sei es wichtig, gemeinsam festzuzurren, welche Daten man erheben wolle und wie diese intelligent interpretiert werden können. Das laufe bisher viel zu lückenhaft und uneinheitlich, so Zeeb. «Positiv formuliert: Da ist noch zu viel Vielfalt im System.»

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