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Coronavirus-Impfstoff

Wird Comirnaty bald auch in Marburg produziert?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist zuversichtlich, dass die Produktion des Coronavirus-Impfstoffs in Deutschland bald hochgefahren werden kann. «Wir tun alles zusammen mit Biontech-Pfizer, dass es zusätzliche Produktionsstätten hier in Deutschland etwa in Marburg in Hessen geben kann», sagte Spahn am Montag im ZDF-«Morgenmagazin». Zuvor hatte es Beschwerden über die ausgelieferten Mengen gegeben.
dpa
28.12.2020  13:00 Uhr

Nach dem Start der Coronavirus-Impfungen gibt es Forderungen nach einem höheren Tempo bei der Impfstoffproduktion. «Es ist ein krisenhafter Zustand, da brauchen wir eine Krisenproduktion», sagte FDP-Chef Christian Lindner am Sonntagabend in einer «Bild»-Sendung. Deutschland müsse rechtlich, wirtschaftlich, politisch und technologisch alles tun, damit schneller geimpft werden könne. Konkret regte er an, darüber nachzudenken, ob ein knapper Impfstoff wie der von Biontech nicht von anderen Herstellern in Lizenz produziert werden könnte.

Der Linke-Gesundheitspolitiker Achim Kessler sagte dem «Spiegel»: «Der Gesundheitsminister kann nach dem Ersten Bevölkerungsschutzgesetz Unternehmen zwingen, anderen Unternehmen eine Lizenz zum Nachproduzieren zu gewähren.» Das müsse die Bundesregierung schnell tun. «Wenn die Bundesregierung jetzt nicht alle gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpft, gefährdet sie zahllose Menschenleben.» Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte vor negativen Folgen durch Lieferengpässe gewarnt. «Endloses Warten reduziert auch die Bereitschaft der Bevölkerung, sich impfen zu lassen», sagte der CSU-Chef der Deutschen Presse-Agentur in München.

Biontech hat bereits zwei laufende Produktionsstätten in Deutschland, hinzu kommen vier weitere Produktionsanlagen von Pfizer in Europa und den USA, darunter im belgischen Puurs.

Hat Deutschland die Impfdosen zu spät bestellt?

Kritiker hatten der EU und auch Deutschland vorgehalten, zu wenig Impfstoff bestellt zu haben, weshalb es in anderen Staaten weltweit schneller vorangehe mit den Impfungen. Lindner sagte zu dem Thema, die Bundesregierung habe ihre Bestellung «sehr spät» angepasst und erst kurz vor Weihnachten 30 Millionen Dosen zusätzlich geordert. Andere hätten da ihre Bestellungen bereits abgeschlossen.

Spahn hat in der ZDF-Sendung »Morgenmagazin« am heutigen Montagmorgen allerdings darauf hingewiesen, dass in Marburg (Hessen) bald eine weitere Produktionsstätte des Biontech/Pfizer-Impfstoffs Comirnaty® (Tozinameran/BNT162b2) in Betrieb gehen könnte. «Ziel ist, noch im Februar/März dort auch Produktion möglich zu machen. Und das würde die Menge enorm erhöhen.»

Das Mainzer Unternehmen Biontech hat die Marburger Produktionsanlage vom schweizerischen Pharmariesen Novartis übernommen. Es handelt sich um einen Teil der ehemaligen Behring-Werke. Nach Angaben des Unternehmens sind dort nun einige Umstellungen nötig, bevor es auch dort mit der Produktion des Covid-19-Impfstoffs losgehen kann. Im September hatte Biontech angekündigt, allein in Marburg bei vollem Betriebsumfang um 60 Millionen weitere Dosen pro Jahr auf insgesamt 750 Millionen Dosen erweitern.

Spahn: Der Impfstoff ist in allen Ländern knapp

Forderungen nach mehr Tempo wies Spahn allerdings zurück. Die Herstellung von Impfstoffen sei überaus anspruchsvoll, sie könne nicht in drei oder vier Wochen beliebig hochgefahren werden. «Das braucht Vorlauf, und das ist in Vorbereitung in Marburg», betonte er.

Mit Befremden reagierte Spahn auf den Vorschlag, Impfstoff-Hersteller zu zwingen, anderen Unternehmen eine Lizenz zum Nachproduzieren zu gewähren. «Eine Produktion für einen Impfstoff ist hoch anspruchsvoll und hochkomplex, die kann man nicht mal eben per Lizenz bei einem anderen Unternehmen machen», sagte er. Gerade auch für das Vertrauen in den Impfstoff ist es wichtig, dass alle Qualitätsanforderungen eingehalten würden.

Generell sei es einfach falsch, wenn der Eindruck entstehe, alle Länder außer Deutschland hätten genügend Impfstoff: «Der ist überall knapp, für alle auf der Welt.» Die Bundesregierung arbeite daran, dass es bald mehr Impfstoff gebe. «Aber wir machen das so, dass dann anschließend auch die Qualität stimmt.»

Der Pharma-Verband vfa widersprach dem Vorwurf, wonach die Produktion des Corona-Impfstoffs zu langsam anläuft. «Wir sehen in Deutschland sechs Tage nach der Zulassung erste Corona-Impfungen, und wir werden im Januar noch deutlich mehr Impfungen haben, weil immer mehr der vom Staat bestellten Mengen geliefert werden», sagte der Präsident des Verbands der forschenden Pharmaunternehmen (vfa), Han Steutel, der «Augsburger Allgemeinen» (Montag). Er verwies darauf, dass überall in Deutschland die Produktionskapazität für den Covid-19-Impfstoff hochgefahren werde. «Und jeder weitere Hersteller, der eine Zulassung erhält, wird ebenfalls mit vorproduzierten Chargen schnell im Markt sein.»

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