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Anerkennung der Approbation

»Wir haben Flüchtende im Blick«

Wer als Apothekerin oder Apotheker in Deutschland arbeiten will und aus einem Nicht-EU-Staat kommt, muss seine Approbation anerkennen lassen. Dafür sind verschiedene Behörden in den einzelnen Bundesländern zuständig. Aber auch ohne die Anerkennung kann bereits in einer öffentlichen Apotheke gearbeitet werden.
Melanie Höhn
31.03.2022  18:00 Uhr

Unabhängig vom Aufenthaltsstatus können Apothekerinnen und Apotheker, die ihre Ausbildung im Ausland absolviert haben, einen Antrag auf Anerkennung ihres Abschlusses stellen. Zuständige Behörden in den einzelnen Bundesländern entscheiden über die Erteilung der Approbation beziehungsweise Berufserlaubnis, informiert die ABDABundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände auf ihrer Website. Wenn zusätzlich die übrigen Voraussetzungen – wie etwa ausreichende deutsche Sprachkenntnisse – erfüllt sind, kann die Approbation durch einen formellen Bescheid erteilt werden, und es kann uneingeschränkt in einer deutschen Apotheke gearbeitet werden.

In der Bundesapothekerordnung ist das Verfahren zur Anerkennung von Apothekern mit einem Drittstaaten-Abschluss geregelt. Dieses schreibt neben einer Prüfung der Ausbildungsinhalte (Gleichwertigkeitsprüfung) und dem Nachweis ausreichender Sprachkenntnisse gegebenenfalls noch eine Kenntnisprüfung vor. Zunächst wird die Gleichwertigkeit der Ausbildung gegenüber der deutschen geprüft, indem Inhalte, Dauer und wesentliche Unterschiede verglichen werden. »Die Bundesländer handeln bei der Gleichwertigkeitsprüfung auf identischer Grundlage: der Approbationsordnung und der Bundesapothekerordnung«, heißt es von der ABDA.

Kenntnisprüfung erforderlich

In Baden-Württemberg beispielsweise ist das Landesprüfungsamt für Medizin und Pharmazie beim Regierungspräsidium Stuttgart für die Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen zuständig. In Bayern muss man sich zunächst an die Regierung von Oberbayern oder die Regierung von Unterfranken wenden. Im Gebiet der Apothekerkammer Nordrhein ist die Zentrale Anerkennungsstelle für approbierte Heilberufe (ZAG) bei der Bezirksregierung Münster die zuständige Stelle. »Wir haben Flüchtende mit pharmazeutischer Berufserfahrung im Blick und bereiten hierfür gerade Informationen auch für unsere Kammerangehörigen und Apotheken auf«, sagt Jens Krömer, Pressesprecher der Apothekerkammer Nordrhein, auf Nachfrage der Pharmazeutischen Zeitung.

Wenn wesentliche Unterschiede festgestellt wurden, müssen die erforderlichen Kenntnisse durch eine sogenannte Kenntnisprüfung nach § 4 Absatz 3 Bundesapothekerordnung nachgewiesen werden. Die Kenntnisprüfung bezieht sich auf die Fächer Pharmazeutische Praxis und spezielle Rechtsgebiete für Apotheker sowie auf eines der Fächer, in denen die zuständige Behörde wesentliche Unterschiede festgestellt hat. Der Inhalt dieser Prüfung ist vergleichbar mit der deutschen staatlichen Abschlussprüfung für Apotheker, dem dritten Staatsexamen.

Teilnahme am praxisbegleitenden Unterricht hilfreich

Um sich auf diese Prüfung vorzubereiten, ist es empfehlenswert, den ausbildungsbegleitenden Unterricht für Pharmazeuten im Praktikum (PhiP) zu besuchen, erklärt die ABDA. Dieser Unterricht wird von den Apothekerkammern angeboten und bereitet angehende Apothekerinnen und Apotheker auf die staatliche Abschlussprüfung vor. Nähere Informationen gibt die Apothekerkammer des Bundeslandes, in dem der- oder diejenige später arbeiten möchten.

Zur Vorbereitung auf die Kenntnisprüfung erhält ein Apotheker mit einem Drittstaatenabschluss, wenn er einen Antrag auf Berufserlaubnis stellt, zunächst eine zeitlich befristete Berufserlaubnis, die ihm die Möglichkeit gibt, unter Aufsicht als Apotheker tätig zu sein, so die Kammer weiter.

Fachsprachenkenntnis auf C1-Niveau nötig

Um die zeitlich befristete Berufserlaubnis zu bekommen, muss eine Apothekerin oder ein Apotheker mit einem Drittstaaten-Abschluss  jedoch vorher ausreichende Sprachkenntnisse nachweisen. Er oder sie erwirbt zunächst im Rahmen allgemeiner Sprachkursen mindestens ein Sprachzeugnis auf B2-Niveau und wendet sich dann an die für sie zuständige Bezirksregierung zur Erteilung einer Berufserlaubnis, erklärt die Apothekerkammer Nordrhein. Nach Eingang aller erforderlichen Unterlagen bei der Bezirksregierung und Überprüfung der Ausbildungsinhalte und des Berufsabschlusses im Drittstaat wird der Apotheker zu einer Fachsprachenprüfung auf C1-Niveau eingeladen, so die Apothekerkammer.

Wenn der Apotheker diese Prüfung besteht, erhält er die bereits oben genannte zeitlich befristete Berufserlaubnis als Apotheker unter Aufsicht. Dabei kann der Beruf eben »nur unter Aufsicht von approbierten Apothekerinnen und Apothekern ausgeübt werden«, heißt es von der Apothekerkammer Baden-Württemberg. »Die Erlaubnis kann nur einmalig, widerruflich und befristet bis zu einer Gesamtdauer von höchstens zwei Jahren erteilt werden«, so die Kammer weiter.

Hospitation jederzeit möglich

Auch wenn die Approbation noch nicht anerkannt wurde, gibt es die Möglichkeit, in einer Apotheke tätig zu werden. Dies kann für geflüchtete Apothekerinnen und Apotheker relevant sein. Im Rahmen einer Hospitation können die Arbeitsabläufe kennengelernt und dem Apothekenteam »über die Schulter« geschaut werden – es darf aber nicht pharmazeutisch mitgearbeitet werden. So dürfen hospitierende Apotheker keine Arzneimittel abgeben oder dazu beraten.

Neben einer Hospitation gibt es zudem die Möglichkeit, im nicht-pharmazeutischen Bereich der Apotheke, wie in der Warenlogistik, zu arbeiten und bereits Geld zu verdienen. Aber auch hier dürfen keine pharmazeutischen Tätigkeiten ausgeübt werden. Bei der Suche nach einer geeigneten Apotheke kann die regionale Apothekerkammer helfen.

Mögliche Tätigkeitsbereiche

Wenn die Approbation anerkannt wurde, kann der Apothekerberuf in verschiedenen Tätigkeitsbereichen ausgeübt werden. Neben der öffentlichen Apotheke kann der Beruf auch in der Krankenhausapotheke, in der pharmazeutischen Industrie, in Prüfinstitutionen oder in der öffentlichen Gesundheitsverwaltung ausgeübt werden. Es stehen aber auch Tätigkeiten an Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie in vielen anderen Bereichen offen.

Ist die Ausübung bestimmter pharmazeutischer Tätigkeiten an weitere Qualifikationen gebunden, in Deutschland zum Beispiel an die Funktion der sachkundigen Person (Qualified Person) nach § 15 Arzneimittelgesetz, muss in diesen Fällen die entsprechende Zusatzausbildung oder die nötige Berufserfahrung nachgewiesen werden. 

Wer schon in Deutschland lebt, kann unter bestimmten Voraussetzungen durch staatliche Stellen finanziell unterstützt werden. Dafür sind in der Regel die Bundesagentur für Arbeit oder das Jobcenter die Ansprechpartner. 

Was die Vergütung durch die Apotheke angeht: Hospitationen oder die Arbeit unter Aufsicht sind tariflich nicht geregelt. »Wer nach der Fachsprachenprüfung als Apotheker mit Berufserlaubnis unter Aufsicht arbeitet, erhält nicht das PhiP-Gehalt, sondern muss zumindest mit dem Mindestlohn vergütet werden«, erklärt Dr. Lukas Kaminski, pharmazeutischer Geschäftsführer der Apothekerkammer Niedersachsen. »Es darf aber natürlich auch mehr gezahlt werden, was der Apotheke eine Überlegung wert sein sollte, wenn sie den neuen Mitarbeiter dauerhaft halten will.« Eine Hospitation muss nicht, darf aber vergütet werden; falls der Arbeitgeber etwas bezahlen möchte, muss es aber auch dann zumindest der Mindestlohn sein.

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