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Corona-Impfung

Wieso vor allem junge Frauen profitieren

Bei Menschen unter 65 Jahren sind sechs Monate nach der zweiten Dosis des mRNA-Impfstoffes Comirnaty® von Biontech und Pfizer mehr als doppelt so viele Antikörper messbar wie bei älteren Menschen. Vor allem junge Frauen scheinen zu profitieren.
Laura Rudolph
08.12.2021  09:00 Uhr

Zwei Wochen nach der zweiten Impfstoffdosis mit dem mRNA-ImpfstoffComirnaty® von Biontech und Pfizer gilt der Impfschutz als vollständig. Der Schutz beruht auf der Bildung von Antikörpern gegen SARS-CoV-2. Wie sich die Konzentration dieser Antikörper bei Geimpften im Laufe der Zeit verändert, untersucht derzeit eine Arbeitsgruppe des Texas Biomedical Research Institute (Texas Biomed) in den USA zusammen mit Kollegen der Universität Verona in Italien.

Die Forschenden beschäftigen sich in der laufenden Studie primär mit der Frage, wie sich die Faktoren Alter und Geschlecht auf den Impfschutz auswirken. Dazu werteten sie bereits die Daten von 787 Beschäftigten im Gesundheitswesen in Verona aus. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie waren zwischen 21 und 75 Jahre alt und erhielten jeweils zwei Dosen Comirnaty (30 µg) im Abstand von drei Wochen. Die Antikörperwerte gegen SARS-CoV-2 wurden vor der ersten Impfdosis, direkt vor der zweiten Dosis sowie einen, zwei und sechs Monate nach der zweiten Dosis mittels Chemilumineszenz-Immunoassay ermittelt.

Nach sechs Monaten nur noch halb so viele Antikörper

Erste Studienergebnisse stellten die Forschenden am 11. November 2021 bei der jährlichen »Vaccine Development Center of San Antonio Conference« in den USA vor, wie aus einer Pressemitteilung des Texas Biomed hervorgeht. Einen Monat nach der zweiten Impfdosis beobachteten sie Höchstwerte an SARS-CoV-2-Gesamtantikörpern. Der Median betrug 1762 kU/l. Drei Monate nach der zweiten Impfdosis fiel dieser Wert auf 1086 kU/l ab, nach sechs Monaten auf 802 kU/l. Insgesamt lagen die Antikörpertiter nach drei und sechs Monaten um 37 Prozent beziehungsweise um 57 Prozent niedriger als die entsprechenden zum Zeitpunkt des Höchststands gemessenen Konzentrationen.

Dabei waren sechs Monate nach der zweiten Impfdosis bei den jüngeren Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmern unter 65 Jahren mit durchschnittlich 813 kU/l noch mehr als doppelt so viele Antikörper nachweisbar wie bei den Über-65-Jährigen mit durchschnittlich 343 kU/l. Ihre Ergebnisse veröffentlichte das internationale Team in einem Preprint auf der Plattform »SSRN«. 

Geschlecht spielt eine Rolle beim Impfschutz

Die weiblichen Probandinnen, allen voran diejenigen unter 65 Jahren, bildeten generell mehr SARS-CoV-2-Antikörper als die männlichen. Dies könne am weiblichen Sexualhormon Estrogen liegen, so die Theorie der Forscherinnen und Forscher. Es verstärke die Immunantwort, wohingegen Testosteron diese abschwäche. Des Weiteren säßen bestimmte Immungene vermehrt auf dem X-Chromosom, von dem Frauen im Gegensatz zu Männern gleich zwei besitzen. Dennoch fielen auch bei den Frauen die Antikörpertiter von den Höchstwerten innerhalb von sechs Monaten um mehr als die Hälfte ab.

Die Konsequenz: Auch wenn Frauen unter 65 Jahren tendenziell besser durch eine Impfung geschützt sind, bleiben Auffrischimpfungen notwendig. Sie sorgen wieder für ein ausreichend hohes Antikörperlevel, um mit einer hohen Sicherheit vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu schützen.

 

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