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Teststrategie

Wieder PCR-Tests für alle mit Symptomen

Ab nächster Woche sollen wieder alle Personen mit Symptomen akuter Atemwegsinfektionen einen PCR-Test erhalten. Dieser Strategiewechsel wurde heute in der Bundespressekonferenz bekannt gegeben.
Christina Hohmann-Jeddi
12.02.2021  16:30 Uhr

Die Kapazitäten in den Diagnostiklaboren ließen es wieder zu, dass alle Personen mit Symptomen wieder einen PCR-Tests auf SARS-CoV-2 erhalten, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) heute auf einer Pressekonferenz in Berlin. »Ab nächster Woche werden wir das wieder empfehlen können, dass jeder mit Symptomen auch eine PCR-Testung erhalten kann.« Anfang November hatte das Bundesgesundheitsministerium (BMG) eine entsprechende Empfehlung aufgrund einer starken Belastung der Laborkapazitäten dahingehend geändert, dass nicht mehr alle Personen mit Erkältungssymptomen getestet werden sollten. Jetzt sei dies aber aus zwei Gründen wieder möglich: Aufgrund sinkender Corona-Infektionszahlen seien die Diagnostiklabore nicht mehr vollständig ausgelastet. Außerdem sei die Zahl anderer Erkältungskrankheiten, die entsprechende Symptome auslösen können, durch die Hygiene- und Distanzierungsmaßnahmen stark zurückgegangen, so Spahn.

Fast keine Grippeerkrankungen in dieser Saison

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Professor Dr. Lothar Wieler, stellte entsprechende Daten vor. »Wir sehen in der gesamten Bevölkerung viel weniger Infektionskrankheiten als sonst.« Beispiel Grippe: Normalerweise habe man zu Beginn jedes Jahres immer eine Grippewelle, doch die sei bislang ausgeblieben – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit, sagte Wieler. Die Grippewellen fallen unterschiedlich stark aus, normal kämen mehrere 1000 bis 10.000 Meldungen von Erkrankungen pro Woche ans RKI. »Im Moment sehen wir nur 20 bis 30 Grippefälle pro Woche«, so Wieler. Das seien so wenige wie sonst nur im Sommer. Insgesamt seien in diesem Winter bislang nur 150 schwere Influenza-Erkrankungen gemeldet worden.

Ähnlich sehe es auch bei vielen anderen akuten Atemwegsinfektionen aus. Anfang 2020, also vor einem Jahr, gab es etwa 5,6 Millionen akute Atemwegsinfekte in Deutschland pro Woche. Derzeit seien es nur etwa 900.000. »Wir sehen auch viel weniger Durchfallerkrankungen und Masernfälle«, sagte Wieler. In einem aktuellen Bericht des RKI im »Epidemiologischen Bulletin« heißt es: »Mit einem Rückgang von -85,5 Prozent wurden die größten Veränderungen für Masern, gefolgt von Keuchhusten (-63,7 Prozent) und invasiven Haemopilus-­influenzae-Infektionen (-61,3 Prozent) festgestellt«. 

Auch die Coronalage beruhige sich: Die 7-Tages-Inzidenz gehe zurück und liege inzwischen bei 62 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, berichtete er. Entsprechend entspanne sich langsam auch die Situation in vielen Intensivstationen. Spahn warb trotz dieser ersten Entspannung um Verständnis für weiter nötige Beschränkungen. Für umfassende Lockerungen sei das Infektionsgeschehen noch zu hoch, und ansteckendere Virusmutationen seien zu gefährlich. »Besser jetzt noch eine Weile durchhalten als Rückschläge zu riskieren.« Es gelte weiterhin, das Gesundheitssystem vor Überlastung zu schützen.

Kita-Personal und Grundschul-Lehrkräfte bevorzugt impfen?

Spahn kündigte an, mit Blick auf anstehende Schulöffnungen zu prüfen, ob Kita-Personal und Grundschul-Lehrkräfte früher geimpft werden können. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten hatten angeregt, sie aus der dritten in die zweite Prioritätsgruppe für Impfungen vorzuziehen. Die Diskussion sei entstanden, da die Öffnung dieser Einrichtungen von hoher Relevanz sei und es gleichzeitig gerade für die Altersgruppe von Kita- und Grundschulkindern besonders schwierig sei, sich an die Abstands- und Hygieneregeln zu halten. Der Bitte, die Impfpriorisierung zu überprüfen, komme er nach und wolle das Gespräch mit der Ständigen Impfkommission suchen.

Der Minister betonte aber, dass in jedem Fall zuerst die laufenden Impfungen in der ersten Prioritätsgruppe abgeschlossen werden sollten. Zu dieser gehören Personen über 80 Jahre sowie Personal und Bewohner in Pflegeheimen. Auch bei einer Änderung zugunsten von Erzieherinnen und Lehrkräften könnten diese erst im Frühjahr an die Reihe kommen, wenn insgesamt ausreichend Impfstoff vorhanden ist.

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