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Gebärmutter-Tumore

Wie werden Myome optimal therapiert?

Myome sind gutartige Wucherungen in der Gebärmutter. Etwa jede zweite Frau entwickelt im Laufe ihres Lebens solche Tumore. Wann muss behandelt werden – und wie?
Christiane Berg
02.09.2021  18:00 Uhr

Epidemiologischen Erkenntnissen gemäß leiden 50 Prozent aller Frauen im Laufe ihres Lebens unter Myomen, die in der Muskelschicht der Gebärmutter Knoten bilden. Der Großteil macht keine Beschwerden, doch etwa jedes dritte Myom verursacht Symptomen wie verstärkte Monats- und Zwischen-Blutungen, Unwohlsein durch Druck auf benachbarte Organe wie zum Beispiel die Harnblase, erschwerte Miktion und häufiges Wasserlassen, Obstipation, Krämpfen im Bauchbereich oder auch Rückenschmerzen.

»Verursachen die Myome keine Symptome, drücken nicht auf die Nachbarorgane und sind nicht für einen unerfüllten Kinderwunsch mitverantwortlich, ist in Abhängigkeit vom Alter und Größenwachstum meist keine Therapie notwendig«, erklärt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover. »Sind bereits Symptome vorhanden, muss eine Behandlung erwogen werden, denn diese Beschwerden werden durch Abwarten eher schlimmer.«

Die optimale Therapie orientiert sich an der Art und Stärke der Beschwerden. So werden unter anderem Medikamente eingesetzt, die durch Eingriff in den Hormonzyklus oder Modifikation der Hormonrezeptoren das Myom-Wachstum bremsen. Hier kommen GnRH-Analoga wie Goserelin oder Leuprorelin zur Anwendung, die allerdings häufig mit Nebenwirkungen wie Wechseljahresbeschwerden und somit Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Libidoverlust oder Knochenschwund behaftet sind. Zumeist werden sie daher nur zur zeitlichen Überbrückung entweder bis zum Erreichen der Menopause oder zur Vorbereitung einer Operation eingesetzt.

Auch ist Ende Januar 2021 das vorübergehende Ruhen der Zulassung von Ulipristalacetat 5 mg aufgrund von Berichten über Fälle von schwerer Leberschäden wieder aufgehoben worden. Doch darf der selektive Progesteron-Rezeptormodulator (SPRM) nur noch zur Behandlung von Myomen bei Patientinnen eingesetzt werden, die die Menopause noch nicht erreicht haben, beziehungsweise bei Frauen, bei denen operative Eingriffe nicht geeignet sind oder nicht zum Erfolg geführt haben.

Minimal-invasive OPs oft möglich

Zudem existieren diverse chirurgische Verfahren, auch mit »Schlüsselloch«-Technik, wie die Ausschälung des Myoms (Myomenukleatin) beziehungsweise Myomektomie, also gezielte operative Entfernung der Wucherung, oder aber die Embolisation, sprich: Blockierung der versorgenden Blutgefäße und somit Hemmung des Myom-Wachstums. In der Praxis hat sich zudem die fokussierte Erhitzung mit starkem Ultraschall, also Thermoablation des Myoms, bewährt.

Mittels der modernen minimal-invasiven Eingriffe lässt sich der Erhalt der Gebärmutter ermöglichen. Der gezielten Wahl des Verfahrens kommt insbesondere auch bei Kinderwunsch große Bedeutung zu, macht der Berufsverband der Frauenärzte in einem aktuellen Statement deutlich. Gegebenenfalls könne jedoch gerade bei multiplen Myomen eine Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) unumgänglich werden.

Albring betont, dass die Zahl der Hysterektomien in Deutschland deutlich zurückgegangen sei. »Etwa 70.000 vollständige und 25.000 teilweise Gebärmutter-Entfernungen werden derzeit pro Jahr durchgeführt. Das sind nur noch halb so viele wie vor 15 Jahren«, so der BVF-Präsident. 60 Prozent seien auf Myom-Erkrankungen zurückzuführen, die sich mit anderen Methoden nicht erfolgreich therapieren lassen. Es werde heute versucht, auf vorschnelle Gebärmutterentfernungen zu verzichten. Erste Wahl sei immer die Suche nach einer schonenden Therapie, die es ermöglicht, die Gebärmutter zu erhalten.

Von Kirschkern- bis zur Apfelgröße

Die Therapiemöglichkeiten sind zahlreich, da auch die Erscheinungsformen der Myome vielfältig sind, so der BVF-Präsident Dr. Christian Albring. »Als durch natürliche Hormone forcierte, gutartige Wucherungen von Muskelzell-Gewebe können Myome in oder auf der Gebärmutter sitzen. Sie können klein sein wie ein Kirschkern oder groß wie ein Apfel. Sie können einzeln oder gehäuft auftreten. Manche Myome bleiben in ihrem Umfang konstant, andere nehmen an Größe ständig zu«, erläutert der Frauenarzt.

Erst wenn in den Wechseljahren die Estrogen-Produktion in den Eierstöcken eingestellt wird, verlangsame sich auch die Zunahme der Wucherungen, bis sie schließlich in den meisten Fällen ganz versiege. »Zwei von drei Myomen bleiben lebenslang unauffällig und rufen keine Krankheitssymptome hervor«, sagt Albring.

Nicht zuletzt auch zum Ausschluss anderer Erkrankungen werde die Diagnose nach der zunächst üblichen Tastuntersuchung mit Hilfe der Vaginal-Sonografie gesichert. Nur selten müssten zusätzliche Untersuchungen wie eine Hysteroskopie, Hysterosalpingosonografie, Laparoskopie oder bildgebende Verfahren wie Magnetresonanz- (MRT) oder Computertomographie (CT) durchgeführt werden.

 

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