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Beratungstipps

Wie Selbsttests richtig angewendet werden

Jetzt sind die ersten Corona-Selbsttests zugelassen und kommen demnächst in den Handel. Wie funktionieren die Tests und was ist bei der Anwendung zu beachten? Das Wichtigste für die anstehende Beratung.
Christina Hohmann-Jeddi
25.02.2021  18:00 Uhr

Am Mittwoch hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die ersten Sonderzulassungen für drei Selbsttests auf das SARS-Coronavirus-2 erteilt. Dabei handelt es sich um zwei chinesische Produkte und einen Test aus den USA. Die drei Produkte heißen: Lyher® Covid-19 Antigen Schnelltest (vom Hersteller Hangzhou Laihe Biotech Ltd. Co., vertrieben von Lissner Qi GmbH), Rapid SARS-CoV-2 Antigen Test Card (vom Hersteller Xiamen Boson Biotech Co, vertrieben von der Technomed Service GmbH in Graz) sowie der Clinitest Rapid Covid-19 Antigen Self-Test1, der von Healgen Scientific hergestellt und von Siemens Healthineers vertrieben wird.

Die drei Produkte sind in der Handhabung recht ähnlich. Bei allen drei Tests wird eine Probe aus dem vorderen Nasenbereich entnommen, was für Laien geeigneter ist als der Nasen-Rachen-Abstrich mit tiefem Einführen des Tupfers. Das Ergebnis liegt nach Aufbereitung der Probe jeweils nach 15 Minuten vor, nur bei der Rapid SARS-CoV-2 Antigen Test Card wird ein Zeitraum von 15 bis 30 Minuten angegeben. In Hinsicht auf Sensitivität und Spezifität unterscheiden sich die Tests kaum. Alle Antigentests weisen akute Infektionen nach, indem sie SARS-CoV-2-Antigene (Virusproteine) mittels Antikörper fixieren und diese dann mit einer Farbreaktion sichtbar machen.

Die richtige Handhabung

Bei der Anwendung der drei Heimtests ist den Herstellern zufolge zu beachten, dass zunächst alle Materialien auf Raumtemperatur (15 bis 30 °C) gebracht werden. Der Testende sollte dann zunächst das Teströhrchen in die Arbeitsstation stellen und mit Pufferlösung befüllen.

Danach sollte er den Tupfer am Kunststoffgriff entnehmen nacheinander etwa 2 bis 4 cm tief in jedes Nasenloch einführen und dort fünfmal kreisen lassen. Dabei sollte der Tupfer gegen die Naseninnenseite streichen.

Der Tupfer wird dann in das vorbereitete Teströhrchen eingeführt, wo er je nach Hersteller ein bis zwei Minuten verbleiben sollte. Nach dieser Zeit wird der Tupfer dann ausgedrückt und wieder entfernt und anschließend wenige Tropfen dieser Testlösung in die Vertiefung der Testkassette aufgetragen. Das Ergebnis ist dann nach frühestens 15 Minuten abzulesen.

Die richtige Interpretation

Erscheinen bei den Sichtfeldern der Testkassetten zwei Banden, ist der Test positiv. Positive Ergebnisse sollten durch eine PCR bestätigt werden, weshalb sich der Testende an seinen Hausarzt oder ein Testzentrum wenden und sich sofort in häusliche Isolierung begeben sollte. Erscheint nur eine Bande im Testfeld oder gar keine, ist das Ergebnis ungültig und der Test sollte wiederholt werden. Erscheint nur eine Bande im Kontrollfeld, ist das Ergebnis negativ.

Wie ist ein negatives Ergebnis zu bewerten? Zum einen kann es bedeuten, dass man definitiv nicht infiziert es, es kann aber auch bedeuten, dass die in der Nase enthaltene Virusmenge nicht ausreichend hoch ist, um ein positives Testergebnis hervorzurufen. Laut Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) ist die Empfindlichkeit der Schnelltests nämlich »um Größenordnungen geringer« als die des Goldstandards PCR. Benötigt werden für die Antigentests daher eine hohe Viruslast, die ein bis drei Tage vor Symptombeginn und dann für fünf bis sieben Tage nach Einsetzen der Symptome zu finden ist.

Dies bedeutet, dass ganz zu Anfang oder am Ende einer Infektion die Viruskonzentration unter der Nachweisgrenze liegt, weshalb auch ein negatives Testergebnis eine Infektion nicht sicher ausschließt. Es ist laut Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) lediglich weniger wahrscheinlich, dass der Testende eine hohe Viruslast trägt und somit infektiös ist. Daher dürfen trotz eines negativen Tests die bekannten Schutzmaßnahmen wie Abstandhalten und Masketragen nicht aufgegeben werden. Ein Freitesten gibt es nicht.

Wie lange gilt ein negatives Testergebnis?

Laut RKI ist das Testergebnis nur eine Momentaufnahme, denn bereits im Laufe eines Tages kann bei bestehender Infektion die Viruslast von unter der Nachweisgrenze auf einen Wert oberhalb ansteigen. »Es ist also durchaus möglich, dass eine infizierte Person, die ein negatives Antigentestergebnis erhält, bereits am darauffolgenden Tag (bei gestiegener Viruslast im Nasen-Rachen-Raum) ein positives Ergebnis bekommt«, erklärt das RK im »Epidemiologischen Bulletin« (8/2021). In der Praxis, etwa von Fluglinien, wird es in der Regel so gehandhabt, dass ein Antigentest nicht älter als 48 Stunden alt sein sollte.

Neben den jetzt zugelassenen drei Selbsttests werden in den nächsten Wochen noch eine Reihe weiterer Produkte auf den Markt kommen: Dem BfArM liegen rund 50 Anträge auf Sonderzulassung für Laientests vor. Darunter sind auch Produkte mit einer anderen Probenahme als der nasalen: So könnten in Zukunft auch Spucktests, bei denen Speichel ausgewertet wird, und »Lolli«-Tests eine Sonderzulassung erhalten. 

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