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Parkinson-Therapie

Wie man Fluktuationen abmildern kann

L-Dopa ist der Goldstandard in der Parkinson-Therapie. Jedoch leiden viele Patienten nach mehrjähriger Therapie an nicht steuerbaren Schwankungen der Beweglichkeit, sogenannten motorischen Fluktuationen. Eine Medikations-Erweiterung kann ihnen helfen.
Brigitte M. Gensthaler
11.04.2020  08:00 Uhr

Eine Parkinson-Erkrankung ist nicht heilbar. Um den zugrundliegenden Mangel an dem Neurotransmitter Dopamin auszugleichen, kann man die Dopamin-Vorstufe Levodopa (L-Dopa), immer in Kombination mit einem DOPA-Decarboxylase-Inhibitor wie Benserazid oder Carbidopa, zuführen oder die Dopamin-Rezeptoren direkt durch Dopamin-Agonisten wie Pramipexol oder Ropinirol stimulieren. 

Doch die langjährige L-Dopa-Therapie hinterlässt Spuren. Der Patient bemerkt zunächst, dass die Wirksamkeit bereits vor der nächsten planmäßigen Einnahme spürbar nachlässt. Das Abklingen der L-Dopa-Wirkung wird als »Wearing-off« oder »End of dose«-Akinesie bezeichnet. In dieser Phase nehmen typische Parkinson-Symptome wie Tremor, Rigor und Akinese zu, aber auch nicht-motorische Beschwerden wie innere Unruhe, Erschöpfung, Stimmungstief, Schmerzen und vegetative Symptome werden zunehmend quälender. Daneben kommt es in den Phasen mit guter Beweglichkeit (On-Phasen) zunehmend zu einer unwillkürlichen Überbeweglichkeit (Dyskinesien).

Fluktuationen nehmen zu

»Das therapeutische Fenster von L-Dopa, in dem der Patient gut beweglich ist, wird im Lauf der Erkrankung immer kleiner und die Phasen der Unter- und Überbeweglichkeit werden immer länger«, erklärte Professor Dr. Georg Ebersbach vom Parkinson-Zentrum Beelitz-Heilstätten bei einem Web-Pressegespräch der Bial Deutschland GmbH. »Oft erleben die Patienten vier- bis sechsmal täglich solche Fluktuationen

Im späteren Verlauf motorischer Fluktuationen kann es zum unvorhersehbaren Wechsel von guten und schlechten Beweglichkeitsphasen im Tagesverlauf kommen. Dann kann die Arzneimitteleinnahme nicht mehr mit den On/Off-Zeiten korreliert werden.

Das Wearing-off könne schon nach wenigen Therapiejahren auftreten und werde von Neurologen zu selten erkannt, berichtete die Neurologin Dr. Martina Müngersdorf, Berlin. »40 Prozent der Patienten gaben dies nach weniger als 2,5 Therapiejahren an.« Nach zehn Jahren leiden etwa 80 Prozent der Patienten an Wearing-off-Phänomenen und Dyskinesien, die ihre Lebensqualität stark beeinträchtigen.

COMT-Hemmer Opicapon verlängert On-Zeiten

Dopaminagonisten können im fortgeschrittenen Stadium zur Reduktion von motorischen Fluktuationen führen. Dies gilt sowohl für das Wearing-off als auch für Dyskinesien. Primär wird ein nicht-ergoliner Vertreter der Wirkstoffgruppe eingesetzt, zum Beispiel Pramipexol, Ropinirol oder Rotigotin.

Eine andere Strategie ist die Zugabe weiterer Kombipartner zu L-Dopa, um eine möglichst kontinuierliche dopaminerge Stimulation zu erreichen. Hemmstoffe der Monoaminoxidase B (MAO-B-Hemmer) wie Rasagilin blockieren den zentralen Dopamin-Abbau, Inhibitoren der Catechol-O-Methyltransferase (COMT) wie Entacapon und Opicapon den peripheren Abbau. Aufgrund des unterschiedlichen Wirkansatzes können COMT- und MAO-Hemmer kombiniert werden.

»Opicapon erhöht und verlängert die Bioverfügbarkeit von L-Dopa; es verlängert die On-Zeit und verkürzt die Off-Zeit jeweils um etwa eine Stunde«, berichtete Ebersbach. Da das erhöhte L-Dopa-Angebot Halluzinationen auslösen kann, müsse man bei empfindlichen Patienten eventuell dessen Dosis reduzieren, bevor der COMT-Inhibitor angesetzt wird. Ähnliches gilt, wenn Hyperkinesien unter Opicapon auftreten; dann reiche es meist, die L-Dopa-Einzeldosis um 25 Prozent zu reduzieren. In Studien blieb der Opicapon-Effekt über mindestens ein Jahr erhalten, ohne dass störende Dyskinesien zunahmen. Die Dosis von 50 mg Opicapon (Ongentys®) wird einmal täglich beim Zubettgehen eingenommen.

 

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