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Apotheker auf Station

Wie Kommunikation am Krankenbett gelingt

Krankenhausapotheker nehmen zunehmend an Visiten teil. Worauf es in der Gesprächssituation zu achten gilt, erklärte Palliativmedizinerin Dr. Susanne Tänzler beim diesjährigen ADKA-Kongress.
Laura Rudolph
09.05.2022  18:00 Uhr

»Das A und O einer gelungenen Patientenkommunikation ist die Vorbereitung darauf«, betonte Tänzler. Gute Visitengespräche reduzierten Missverständnisse bei Patienten und stärkten das Vertrauen in die Arzneimitteltherapie. Sie führte weiter aus: »Bei einer Visite kommen viele verschiedene Professionen zusammen. Daher ist es wichtig, vorab im Team zu klären, wer welche Aufgabe im Patientengespräch übernimmt.« Dabei solle konkret festgelegt werden, welches Behandlungsziel beim jeweiligen Patienten verfolgt werde. Am Ende der Vorbereitungsphase haben idealerweise alle an der Visite Beteiligten den selben Informationsstand.

Bei der Visite selbst sei es wichtig, auf Augenhöhe zu kommunizieren. Dies beginne mit Anklopfen und dem Wahren der Privatsphäre. Hat der Patient gerade Ruhe oder sind eventuell dritte Personen im Zimmer, die herausgebeten werden sollten? Im Gespräch sollte sich jeder Beteiligte zunächst mit Namen und Berufsbezeichnung vorstellen.

Doch nicht nur was, sondern auch die Art, wie man etwas sagt, beeinflusst stark die Qualität des Visitengesprächs. »Man kann nicht nicht kommunizieren«, lautet der erste der fünf Grundsätze der Patientenkommunikation nach Paul Watzlawick, an dem sich Tänzler gerne orientiert. So beeinflussten neben den gewählten Worten Elemente wie Körperhaltung, Stimmklang oder Gesichtsausdruck maßgeblich, wie der Patient das Gesagte interpretiert.

Sich in den Patienten hineinversetzen

»In Pandemiezeiten ist die non-verbale Kommunikation durch das Tragen von Masken zwar erschwert«, wirft Tänzler ein. Dennoch gebe es Möglichkeiten, als Arzt oder Apotheker sein Verständnis und Mitgefühl gegenüber dem Patienten auszudrücken. Etwa durch die Geste, sich bei bettlägerigen Patienten für das Gespräch zu setzen, um wortwörtlich mehr auf Augenhöhe zu kommunizieren.

»Ein Perspektivwechsel hilft, den Patienten besser zu verstehen«, sagte Tänzler. Ein Blick auf den Nachttisch, auf dem beispielsweise Familienfotos oder religiösen Symbole stehen, verrät oft Persönliches, was man in das Gespräch einfließen lassen kann. »Außerdem kann das Pflegepersonal im Vorfeld der Visite oft wertvolle Hinweise zum Befinden und zum familiären Umfeld des Patienten liefern«, erklärte Tänzler. Sie hätten berufsbedingt meist eine engere Patientenbindung als Ärzte und Apotheker.

Gesundheitszustand nicht beschönigen

Haben Patienten ein stabiles soziales Netz, verkraften diese beispielsweise schlechte Nachrichten besser als solche mit weniger sozialen Kontakten. Empathie sei erwünscht, Beschönigungen des Gesundheitszustands oder der Therapie seien allerdings fehl am Platz.

Für den Einstieg in den Dialog eignen sich offene Fragen, die es dem Patienten erlauben, frei über seinen körperlichen und seelischen Zustand zu berichten. Danach sollten die Heilberufler das Behandlungsziel und die Therapie leicht verständlich erklären und dem Patienten die Gelegenheit geben, Rückfragen zu stellen, Sorgen und Ängste zu äußern. Es gilt: aufmerksam zuhören und schweigen, die Gefühle und Körpersprache des Patienten wahrnehmen und empathisch reagieren. Fühlt sich der Patient verstanden, stärke dies sein Vertrauen in die Behandlung, was dadurch auch die Compliance und die Lebensqualität erhöht. Eine gelungene Patientenkommunikation trage in dieser Hinsicht zur Arzneimitteltherapiesicherheit bei.

Als letzter Schritt einer gelungenen Patientenkommunikation folgt ein Gesprächsabschluss mit einer klaren Verabredung für den nächsten Termin und einer Zusammenfassung, wie Tänzler abschließend erläutert: »Man kann auch den Patienten bitten, das Gesagte selbst wiederzugeben. Dadurch lässt sich leicht überprüfen, ob dieser alles verstanden hat und Missverständnisse lassen sich direkt korrigieren.«

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