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Universität Jena

Politik will Ausbau der Pharmazie vorerst nur prüfen 

Veraltete Strukturen

Tatsächlich ist die Ausgangslage im Fachbereich Pharmazie weitaus komplizierter als in der Medizin. So ist das pharmazeutische Institut in die Jahre gekommen und verfügt nicht über ausreichend moderne Laborkapazitäten. Eine einfache Aufstockung der Studienplätze würde daher nicht viel bringen. Vielmehr ist ein Neubau erforderlich, um langfristig mehr Studenten aufnehmen zu können. Montag ist überzeugt davon, dass die im Antrag vorgesehene Prüfung genau zu diesem Schluss kommen wird. »Es kann gar kein anderes Ergebnis geben«, sagte er.

Ganz so optimistisch zeigt man sind in der Apothekerschaft bislang nicht. Man hoffe, dass die Prüfung für einen Neubau spricht, sagte ThAV-Chef Fink. »Dann wird sich zeigen, ob die Parteien gegen den Widerstand des Ministeriums dafür kämpfen werden.« Die Grünen-Abgeordnete Babette Pfefferlein hält den Prüfauftrag zunächst für ausreichend. So müsse man einerseits den tatsächlichen Bedarf am Institut ermitteln, sagte sie auf Nachfrage. Zudem sollte man den Prozess nutzen, um geeignete Anreize zu finden, »die hier ausgebildeten Pharmazeuten auch in Thüringen zu halten«. Linken-Gesundheitsexperte Ralf Plötner verweist auf den sogenannten Thüringen-Monitor aus dem vergangenen Jahr. 99 Prozent der Befragten seien demnach zufrieden mit der Erreichbarkeit der Apotheken, 83 Prozent plädierten hingegen für einen Ausbau der Medizinstudienplätze. Der gemeinsame Antrag der Parteien weise damit in die richtige Richtung, sagte er. Cornelia Klisch von der SPD wollte sich nicht zu diesem Thema äußern.

Im SPD-geführten Wissenschaftsministerium zeigt man sich derweil kompromissbereit. Einer Erhöhung der Studienplätze in Jena stehe man offen gegenüber, erklärte das Ministerium auf Anfrage. »Voraussetzung ist allerdings, dass der Landtag als Haushaltsgesetzgeber die dafür nötigen Mittel bereitstellt, die sich nach erstem groben Überschlag auf einen mindestens zweistelligen Millionenbetrag belaufen.« Grundsätzlich muss es nach Meinung des Ministeriums aber auch darum gehen, mehr Absolventen für eine Tätigkeit in Thüringen zu gewinnen. Hier müsse sich die Apothekerschaft mit eigenen Ideen einbringen.

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