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Conn-Syndrom

Wenn der Blutdruck einfach nicht runter will

Lässt sich eine Hypertonie auch mit drei Blutdruckmedikamenten langfristig nicht unter 140/90 mmHg senken, sollte untersucht werden, ob ein Conn-Syndrom vorliegt. Diese endokrinologische Erkrankung ist alles andere als selten – und ist behandelbar.
Christiane Berg
04.10.2021  07:00 Uhr

Angaben der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) zufolge sind 1,5 bis 2 Millionen Deutsche mit Bluthochdruck unerkannt an einem Conn-Syndrom mit Störungen der Nebennierenrinde erkrankt. Selbst eine eskalierte blutdrucksenkende Therapie bleibt hier ohne Behandlung der Grunderkrankung erfolglos. »Hormonelle Ursachen des Bluthochdrucks wie der primäre Hyperaldosteronismus werden zumeist unterschätzt«, so die DGE. Allein das Conn-Syndrom sei für 10 bis 15 Prozent aller Hypertonie-Formen verantwortlich und müsse daher verstärkt in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt werden.

»Das Conn-Syndrom wird häufig lange übersehen«, warnte die DGE vergangene Woche anlässlich des Weltherztags. Im Durchschnitt lägen zwischen der Erstdiagnose eines Bluthochdrucks und der letztlichen Identifizierung dieser Form des primären Hyperaldosteronismus zehn Jahre. »Diagnostiziert werden nur 1000 Patienten pro Jahr«, so die Fachgesellschaft. Dies sei umso gefährlicher, da der Hochdruck beim Conn-Syndrom fünf- bis zehnmal häufiger zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen als bei anderen Hypertonie-Erkrankungen führt. Besonders fatal sei die mangelnde Identifikation des Conn-Syndroms im klinischen Alltag auch angesichts der Tatsache, dass effektive medikamentöse Therapieoptionen gegen die Hormonstörung existieren.

Zwei Drittel der Conn-Fälle sind auf eine bilaterale Nebennierenhyperplasie zurückzuführen. Dann kann die dadurch bedingten Aldosteron-Überproduktion durch lebenslange Gabe des Aldosteron-Antagonisten Spironolacton begegnet werden. Seltenere Formen des Conn-Syndroms umfassen die unilaterale Hyperplasie und genetisch bedingte Formen des familiären Hyperaldosteronismus Typ I und Typ II sowie Aldosteron-bildende gutartige Tumore, aber auch hoch maligne Aldosteron-produzierende Karzinome, die die operative Entfernung der betroffenen Nebenniere erforderlich machen können.

So oder so: Die Behandlungsergebnisse des Conn-Syndroms haben sich in den letzten Jahren nicht zuletzt dank des »Deutschen Conn-Registers« erheblich verbessert, betont die DGE. Es wurde 2006 in München gegründet und hat sich die multizentrische Datenerhebung zur Diagnose, Therapie und Prognose des Syndroms auf die Fahnen geschrieben. Bisher konnten retro- und prospektiv die Daten von 1600 Patienten erfasst werden.

Oft spät erkannt, aber zumeist heilbar

Zur Erinnerung: Das Hormon Aldosteron ist im Zusammenspiel mit anderen Hormonen im Rahmen des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) für die Regulierung des Wasserhaushalts im menschlichen Organismus zuständig. Gerät dieses System durch Aldosteron-Überproduktion ins Ungleichgewicht, wird also pathophysiologisch Flüssigkeit zurückgehalten, so steigt der Blutdruck.

Das klinische Bild des Conn-Syndroms (benannt nach dem amerikanischen Internisten Jerome W. Conn) ist jedoch nicht nur vom Hauptsymptom Hypertonie sowie Folgeerkrankungen an Herz, Nieren, Gefäßen und Augen bestimmt. Des Weiteren, so die DGE, kann eine Hypokaliämie vorliegen, durch die es je nach Ausprägung zu Muskelschwäche, Muskelkrämpfen, Herzrhythmusstörungen und Obstipation sowie Polydipsie und Polyurie durch hypokaliämisch bedingte Schäden an den Nieren kommen kann.

Auch eine Störung des Säure-Basen-Haushalts im Körper mit Verschiebung des pH-Werts in den alkalischen Bereich kann auftreten. Die Trias aus Bluthochdruck, Hypokaliämie und Alkalose finde sich allerdings nur bei etwa einem Drittel der Betroffenen. In der Mehrzahl der Fälle bleibe die Hypertonie das einzige Symptom.

Bei Patienten mit therapieresistentem Bluthochdruck und somit Verdacht auf ein Conn-Syndrom komme daher der Bestimmung von Aldosteron und Renin und somit des Aldosteron/Renin-Quotienten im Serum und Plasma, des Weiteren dem Kochsalzbelastungs-, dem Fludrocortison-Suppressions- und dem Captopril-Test Bedeutung zu. Zudem kann zur Ursachenfindung unter anderem die Bildgebung mittels Kernspin- (MRT) oder Computertomographie (CT) notwendig werden.

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