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Weniger Betriebe, mehr Personal

Seit Jahren sinkt in Deutschland die Zahl der Apotheken. Zuletzt gab es erstmals weniger als 19.000 Offizinen in Deutschland, wie aus jüngsten Daten der ABDA hervorgeht. Eine Trendwende ist demnach nicht in Sicht.
Stephanie Schersch
04.06.2020  15:56 Uhr

Ende 2019 gab es in Deutschland 19.075 Apotheken und damit 348 Betriebe weniger als zum Vorjahreszeitpunkt. Seit 2012 sinkt die Zahl der Betriebsstätten kontinuierlich von Jahr zu Jahr. »Dieser Trend setzt sich leider auch 2020 ungehindert fort«, sagte Claudia Korf, ABDA-Geschäftsführerin für den Bereich Ökonomie, heute in Berlin. Demnach haben seit Jahresbeginn bereits effektiv 88 Apotheken ihre Türen für immer geschlossen. Damit fällt die Zahl der Offizinen auf unter 19.000 und erreicht ein neues historisches Tief.  

Zugleich setzen sich größere Verbünde immer stärker durch. 4.602 Filialen gab es im vergangenen Jahr und damit 66 dieser Betriebe mehr als 2018. Obwohl die Anzahl der öffentlichen Apotheken insgesamt sinkt, arbeiten immer mehr Pharmazeuten in diesem Bereich. Ihre Zahl stieg im Jahr 2019 auf 52.876 (plus 828), Hintergrund sind unter anderem Arbeitsverdichtung und ein erhöhter Beratungsbedarf in den Apotheken. Allerdings entschieden sich auch im Jahr 2019 erneut mehr Apotheker für eine Laufbahn in der Pharmaindustrie (7.221, ein Plus von 370) oder in einer Krankenhausapotheke (2.539, ein Plus von 94). Hier zeigen sich die Auswirkungen der politischen Entscheidung in einigen Bundesländern, künftig verstärkt Apotheker auf den Stationen der Kliniken zum Einsatz zu bringen.

Rx-Markt gewinnt an Bedeutung

Wie in den Jahren zuvor haben die rezeptpflichtigen Arzneimittel in den Apotheken erneut an Bedeutung gewonnen. Rund 1,38 Milliarden Packungen gingen 2019 über den HV-Tisch. Für 55,3 Prozent dieser Arzneimittel lag dabei ein Rezept vor, 2018 waren es 54,3 Prozent. Der Anteil der OTC-Präparate sank im letzten Jahr um einen Prozentpunkt auf 44,7 Prozent. Noch deutlicher wird die Rolle der Verordnungen in öffentlichen Apotheken beim Blick auf die Umsatzverteilung. 81,7 Prozent aller Umsätze entfielen auf verschreibungspflichtige Medikamente, lediglich neun Prozent auf rezeptfreie Präparate und 9,3 Prozent auf das Randsortiment in den Apotheken.

Der Versandhandel konnte laut ABDA im OTC-Bereich abermals zulegen. Demnach entfielen 15,4 Prozent (plus 7,3 Prozent) der abgegebenen Packungen auf die Versender, mit Blick auf den Umsatz lag ihr Anteil bei 16,4 Prozent (plus 6,7 Prozent).

Eine durchschnittliche Apotheke machte im Jahr 2019 rund 2,6 Millionen Euro Umsatz. Im Vergleich zu 2,4 Millionen Euro im Vorjahr ist das zwar ein leichtes Plus. Allerdings machten den Apotheken der ABDA zufolge zugleich steigende Kosten zu schaffen. Demnach mussten sie allein 77 Prozent des Umsatzes für den Wareneinsatz aufbringen (2018: 76,2 Prozent). Auch die Personalkosten sind gestiegen. »Wir haben immer weniger Betrieben, die aber immer mehr Personal brauchen, um die Patienten gut versorgen zu können«, sagte Korf. »Und gutes Personal kostet Geld.«

Honorierung hinkt hinterher

Dabei hinke die Honorierung der Apotheken seit Jahren hinter Richtgrößen wie den Einnahmen der Krankenkassen und dem Bruttoinlandsprodukt hinterher. »Die Krankenkassen haben zwar wachsende Arzneimittelausgaben, aber der Anteil der Apothekenvergütung an den Leistungsausgaben ist rückläufig und beträgt nur noch 2,1 Prozent.«

Das steuerliche Betriebsergebnis einer durchschnittlichen Apotheke lag den Zahlen zufolge mit 148.436 Euro rund drei Prozent über dem Vorjahreswert. Beziehe man jedoch die allgemeine Preisentwicklung ein, liege die Steigerung bei lediglich 1,6 Prozent, so Korf. »Damit erreichen die Apotheken noch nicht einmal das Niveau von 2016.« Hinzu kommt, dass es auch im Jahr 2019 eine deutliche Spreizung zwischen großen und kleinen Betrieben gab. So lagen ganze 61 Prozent der Apotheken beim Umsatz unter dem Durchschnitt. 

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