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E-Rezept

»Weniger Arbeitsaufwand, mehr Zeit für Beratung«

Im Rahmen der Expopharm Impuls gab es am Montagabend erste Einblicke darüber, wie das E-Rezept zur Anwendung kommt. Bei der Gematik-Expertenrunde ging es dabei vor allem auch um die entsprechende App und einen möglichen Zugang für Drittanbieter im Apothekenmarkt.
Ev Tebroke
06.10.2020  14:30 Uhr

Ab dem 1. Januar 2022 ist die elektronische Verordnung gesetzlich verpflichtend vorgeschrieben. Zwar wird auch das Papierrezept parallel zunächst noch weiter möglich sein, aber nur in ausgesuchten Fällen: Etwa in der Heimversorgung oder wenn Patienten keinen elektronischen Zugang zu den Anwendungen haben. Die Gematik muss bis Mitte 2021 den entsprechenden Transport des E-Rezepts vom Arzt zum Patienten und in die Apotheke technisch umsetzen. Dazu konzipiert sie derzeit eine App, über die der Patient seine Verordnung empfangen, verwalten und in einer Apotheke seiner Wahl einlösen kann.

Hannes Neumann, der zusammen mit Produktmanagerin Sabine von Schlippenbach bei der Gematik das E-Rezept mitentwickelt hat, informierte in einer 30-minütigen Präsentation, wie das E-Rezept künftig im Apothekenalltag zur Anwendung kommen wird. Dabei ging es auch darum, ob der Patient mit seiner Vorabanfrage via App Einblick in die Warenwirtschaft der Apotheke bekommt. Neumann verneint. »Das Warenwirtschaftssystem wird den Apotheker bei der Beantwortung der Patientenanfrage unterstützen.« Demnach melde es dem Apotheker ob und zu wann das gewünschte Medikament vorrätig beziehungsweise lieferbar ist. Grundsätzlich unterstrich Neumann die zahlreichen Prozessverbesserungen und Erleichterungen, die das E-Rezept für das Apothekenpersonal mit sich bringt. »Es bedeutet weniger manueller Arbeitsaufwand und mehr Zeit für pharmazeutische Beratung.«

Auf den großen Nutzen, den das E-Rezept für Patienten und Apotheker bringt, ging auch Ralf König ein. Der Apotheker ist pharmazeutischer Berater für die Digitalisierung des Apothekenmarkts im Health Innovation Hub des Bundesgesundheitsministeriums (BMG). »Der Patient hat nun seine Dispensierdaten vorliegen. Er hat nicht nur sein Rezept, sondern weiß auch, welches Medikament er konkret bekommen hat.« Gematik-Projektmanagerin Sabine von Schlippenbach betonte in diesem Zusammenhang explizit den nutzerorientierten Ansatz, den sie bei der E-Rezept-Entwicklung verfolgen. Um die Nutzererwartungen zu bedienen, hat die Gematik demnach zahlreiche Interviews mit Patienten geführt. Und um barrierefreie Nutzung zu garantieren, wurden auch blinde Patienten eingebunden.

Weiterleitung an Drittanbieter: Warum?

In der Experten-Runde ging es auch darum, ob und warum die Gematik-App dem Patienten auch eine Weiterleitung an Dritte ermöglichen wird. Die Apothekerschaft hatte hier auf ein entsprechendes Verbot gepocht, damit das E-Rezept nicht zur Handelsware wird. Als Negativbeispiel galt zuletzt der Telemedizin-Anbieter Teleclinic, der vom Versandkonzern Zur Rose übernommen worden war und bei dem damit Verordnung und Arzneimittelabgabe unter einem Dach erfolgt. Neumann konnte noch nicht sagen, ob und wie die Weiterleitungsfunktion tatsächlich kommen wird. Die Möglichkeit ist mit dem Patientendaten-Schutzgesetz (PDSG) rein theoretisch gegeben. Die konkrete Umsetzung erfolge aber durch eine entsprechende Rechtsverordnung. Und diese liege noch nicht vor.

König betonte, der Wettbewerb im E-Rezept Markt sei »politischer Wille«, räumte aber ein, auch ihm erschließe sich derzeit noch nicht der Mehrwert einer solchen Weiterleitungsfunktion. Im weiteren Verlauf des Gesprächs ging es zudem um weitere geplante Features der Gematik-App. So soll mittel bis langfristig auch die Heimversorgung und die Verordnung von Rezepturen via E-Rezept möglich sein.

Und auch das Thema Sicherheit des E-Rezepts kam zur Sprache. Was ist, wenn es Serverprobleme gibt? Neumann konnte beruhigen und verwies auf eine solide Serverlandschaft mit vier Serverknoten. »Jedes Rezept ist mindestens auf vier Instanzen abrufbar.« Bei Ausfall eines Knotens, können drei weitere auffangen. »Wir haben sehr gute Verfügbarkeitswerte.«

 

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