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ABDA-Zahlen zu 2020

Weniger Apotheken, höhere Betriebsergebnisse, mehr Versand

Die wirtschaftliche Situation der Apotheken im Jahr 2020 war durch die Coronavirus-Pandemie geprägt. Wie aus den am heutigen Donnerstag auf der DAV-Wirtschaftskonferenz präsentierten Zahlen hervorgeht, ist die Apothekenzahl erneut gesunken. Durch Sondereffekte haben die Apotheken im Durchschnitt aber ein höheres Betriebsergebnis. Allerdings: Der Versandhandel konnte seinen OTC-Marktanteil deutlich ausbauen.
Benjamin Rohrer
10.06.2021  13:00 Uhr

Nach einer Pandemie-bedingten Pause im vergangenen Jahr hat am heutigen Donnerstag in Berlin erneut die DAV-Wirtschaftskonferenz stattgefunden. Aus dem Berliner Apothekerhaus sprach zunächst Thomas Dittrich, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes, zu seinen Kollegen, bevor Claudia Korf, Ökonomie-Chefin der ABDA, und Eckart Bauer, Abteilungsleiter für Wirtschaftsthemen, die wirtschaftliche Entwicklung des Apothekenmarktes beleuchteten. Die Veranstaltung fand ohne Zuschauer statt und wurde live im Internet übertragen.

Aus den Vorträgen von Korf und Bauer ging deutlich hervor, dass 2020 ein besonderes Jahr war für die Apotheken. Korf sprach sogar von einer »Zäsur« die durch die Krise entstanden sei. Einer der wenigen fortlaufenden, von der Krise ungehinderten Trends ist jedoch die rückgängige Apothekenzahl. Laut Korf ist die Zahl der Betriebsstätten nach dem 1. Quartal 2021 auf 18.671 weiter gesunken, während die Anzahl der Filialapotheken weiter steigt und derzeit bei 4694 liegt. Korf erinnerte daran, dass Deutschland mit 23 Apotheken pro 100.000 Einwohner bezüglich der Apothekendichte deutlich unter dem EU-Durchschnitt liege. Ende 2020 arbeiteten zudem 52.996 Apothekerinnen und Apotheker in den öffentlichen Apotheken. Obwohl die absolute Zahl der in Industrie und Kliniken beschäftigten Pharmazeuten deutlich geringer ist, konnten sich diese beiden Bereiche über höhere Personalzuwächse freuen als die Vor-Ort-Apotheken: In der Pharmaindustrie arbeiteten im vergangenen Jahr 215 Approbierte mehr als noch 2019, in den Apotheken nur 120.

13,5 Prozent Plus beim OTC-Versandhandel

Was die Sondereffekte der Pandemie betrifft, sprach Korf zunächst das Thema Kurzarbeit an. Im April 2020 sei diese im Apothekenmarkt auf einem Höchststand von rund 9200 Beschäftigten gewesen (in 984 Apotheken). Bis Dezember war die Zahl bundesweit dann wieder auf rund 840 Kurzarbeitende abgeflacht. Aber auch in den Arzneimittelumsätzen war die Pandemie deutlich zu spüren: Während die Rx-Umsätze um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr stiegen, verloren die Apotheken im OTC-Bereich 9,1 Prozent. Klarer Gewinner: Der Versandhandel – hier stieg der OTC-Umsatz um 13,5 Prozent. Laut Korf haben die Versender inzwischen einen OTC-Marktanteil von rund 20 Prozent. Übrigens: Auch die Rx-Umsätze der EU-Versender stiegen um etwa 8 Prozent an. Die Kassen überwiesen 2020 insgesamt 457 Millionen Euro an die ausländischen Versender für die Rx-Versorgung.

Mit Blick auf die möglichen Pandemie-bedingten Einsparrunden in der nächsten Legislaturperiode erklärte Korf, dass die Apotheken »nicht das Problem der GKV« sind, schließlich mache die Apothekenvergütung weiterhin nur 2,1 Prozent der Gesamtausgaben aus. Zudem bezeichnete Korf das vergangene Jahr als »Jahr des Impfens«, weil die Umsätze der Apotheken mit Impfstoffen gleich in mehreren Bereichen (u.a. Grippe, Pneumokokken) deutlich gestiegen seien. Ein deutliches Augenmerk richtete die Ökonomie-Chefin auf die Verluste der Apotheken bei Erkältungs- und Schmerzmitteln – bedingt durch die ausgefallene Grippesaison und den steigenden OTC-Versand. Gerade bei den Erkältungsmitteln sind Um- und Absatz um mehr als 25 Prozent eingebrochen.

Bauer: Umsatz steigt auf 2,78 Millionen Euro pro Apotheke

Wie besonders das Jahr 2020 aus wirtschaftlicher Sicht für die Apotheken war, bescheinigte auch der DAV-Wirtschaftsexperte Eckart Bauer. Wie üblich, bezog sich Bauer in seinen Darstellungen auf die Daten der Treuhand Hannover – inzwischen würden mehr als 2600 Betriebsergebnisse dafür analysiert. Laut Bauer lag der Umsatz der »durchschnittlichen Apotheke« im vergangenen Jahr bei rund 2,78 Millionen Euro (2019: 2,59 Millionen Euro). Bauer merkte allerdings an, dass dies nur bedingt repräsentativ sei, weil rund 60 Prozent der Apotheken unter dieser Umsatzschwelle liegen.

Mit Blick auf das Betriebsergebnis vor Steuern erklärte Bauer zunächst, dass die Personalkosten im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 10,1 Prozent lagen und somit leicht gesunken sind. Der Personalkostenanteil am Rohgewinn lag bei rund 45 Prozent. Das steuerliche Betriebsergebnis der Durchschnittsapotheke sei von rund 148.000 (2019) auf 168.000 (6,1 Prozent vom Netto-Umsatz) gestiegen. Seit 2011 ist das Betriebsergebnis der Apotheken somit kontinuierlich gestiegen – damals lag es noch bei rund 105.000 Euro.

Der DAV-Wirtschaftsexperte erklärte die für die Apotheken positiven Entwicklungen in erster Linie mit der Coronavirus-Pandemie und erinnerte an die Erhöhung der Notdienstpauschale und die 2020 neu eingeführte Botendienstpauschale. Ohne diese beiden Maßnahmen wäre das Betriebsergebnis unverändert gewesen. Die Einrechnung der Masken-Abgabe in die Betriebsergebnisse sei äußerst kompliziert, weil die Vergütung genau über den Jahreswechsel erfolgte. Zur Erinnerung: Die erste Pauschale der Masken-Versorgung bekamen die Apotheken im Dezember 2020 ausgezahlt, im Frühjahr 2021 startete dann die Abrechnung der Masken-Pakete über die Rechenzentren. Mit Blick auf das Jahr 2021 erklärte Bauer, dass er ein Betriebsergebnis zwischen 2019 und 2020 erwarte. So würden die Gewinne durch die sinkende Apothekenzahl tendenziell weiter steigen. Auch die Coronavirus-Sondereffekte (Testen, Masken, Impfstoff-Versorgung) würden sich auswirken. Gleichzeitig sei aber mit einem weiter wachsenden Versandhandel und einer Rückkehr zur »politikgetriebenen Branchenlage« zu rechnen.

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