Pharmazeutische Zeitung online
Landtagswahl

Wen könnten Apotheker im Saarland wählen?

Am kommenden Sonntag wird im Saarland ein neuer Landtag gewählt. Laut Umfragen wird es ein spannendes Rennen um den Regierungssitz in Saarbrücken. Welche Pläne haben die Parteien hinsichtlich der Arzneimittelversorgung im ländlichen Raum oder bei der Sicherung des Apothekernachwuchses? Die PZ hat nachgefragt.
Melanie Höhn
25.03.2022  18:00 Uhr

Eine spannende Wahl steht dem flächenmäßig kleinsten Bundesland am kommenden Sonntag bevor. Derzeit regiert die große Koalition mit CDU-Ministerpräsident Tobias Hans, die Linke und AfD sitzen ebenfalls im Landtag. Jüngste Umfragen sehen die SPD mit Spitzenkandidatin Anke Rehlinger vorne: Nach 22 Jahren CDU-Regierung könnten jetzt die Sozialdemokraten wieder in die Staatskanzlei einziehen. 2017 war Rehlinger ebenfalls schon einmal Spitzenkandidatin, verlor damals aber gegen Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Rehlinger ist seit 2014 stellvertretende Ministerpräsidentin und Ministerin für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr. Im Landtag ist die Bundes-Vize der SPD seit 2004.

Für die CDU tritt der derzeitige Ministerpräsident Tobias Hans an. Umfragen zufolge könnte seine Partei zweitstärkste Kraft werden. Hans sitzt seit 2009 im Landtag und folgte Annegret Kramp-Karrenbauer 2018 ins Amt, als diese nach Berlin ging. Drittstärkste Kraft ist laut Umfragen derzeit die AfD, die keinen landesweiten Spitzenkandidaten hat - trotzdem ist die Partei über die Kreislisten wählbar. Gegen Josef Dörr und Christoph Schaufert läuft je ein Parteiausschlussverfahren. Spannend wird es für die Grünen und die FDP: Beide Parteien hoffen auf einen Wiedereinzug in den Landtag. Umfragen sehen die beiden Parteien knapp an der Fünf-Prozent-Hürde. Die Grünen schicken die weitgehend unbekannte Lisa Becker ins Rennen, die nach massiven parteiinternen Streitigkeiten ihre Partei wieder auf Kurs bringen will.

Die Linke, die Umfragen zufolge bei etwa 4 Prozent steht, geht erstmals nicht mit Oskar Lafontaine als Spitzenkandidat an den Start, sondern mit Barbara Spaniol. Sie ist seit 2004 Abgeordnete im Landtag, zunächst für die Grünen, seit 2009 für die Linke. Nach einem parteiinternen Streit wurde Spaniol Ende 2021 aus der Links-Fraktion ausgeschlossen – und gründete daraufhin die neue Fraktion »Saar-Linke«. Hintergrund war ein Streit zwischen dem Lager von Landesparteichef Thomas Lutze, zu dem sich Spaniol zählt, und dem Lafontaine-Lager. Zehn Tage vor der Landtagswahl ist Oskar Lafontaine nun aus seiner Partei ausgetreten. Spaniol möchte als Spitzenkandidatin ihre Partei wieder zusammenführen. Die Spitzenkandidatin der FDP ist Angelika Hießerich-Peter. Die selbstständige Unternehmerin ist stellvertretende Landesvorsitzende der SPD Saar.

Im Saarland gibt es nur drei Wahlkreise: Saarbrücken, Saarlouis und Neunkirchen. 41 der 51 Abgeordneten werden über die Wahlkreislisten, 10 Abgeordnete über die Landeslisten der Parteien gewählt. 19 der bisherigen 51 Abgeordneten treten nicht mehr an, darunter Ex-Ministerpräsident Oskar Lafontaine und die Landtags-Vizepräsidentin Isolde Ries (SPD) sowie Günter Heinrich (CDU).

Wie wollen die Parteien die Arzneimittelversorgung, insbesondere in den ländlichen Regionen, aufrechterhalten? Welche Ideen gibt es, den Nachwuchs in den Apotheken sicherzustellen? Die PZ hat bei den sechs Parteien nachgefragt – hier sind die Antworten.

SPD

Im Saarland schließen im ländlichen Raum immer mehr Vor-Ort-Apotheken. Wie will Ihre Partei die Arzneimittelversorgung insbesondere in den ländlichen Regionen aufrechterhalten? Welche Konzepte oder alternativen Versorgungsmodelle zur Apotheke befürworten Sie? Wie bewerten Sie hierbei auch eine verstärkte Einbindung von Versandapotheken?

Die Apotheken im Saarland werden immer weniger. Der Landestrend folgt dem Bundestrend. Glücklicherweise ist das Saarland trotzdem das Bundesland mit der höchsten Apothekendichte. Gerade für Menschen mit Einschränkungen und für betagtere Saarländerinnen und Saarländer im ländlichen Raum bedeutet der Wegfall ihrer Apotheke ein schwerer Einschnitt. Um dem entgegenzuwirken, ist ein Maßnahmenbündel notwendig: Betriebsübernahmen müssen erleichtert werden. Die Bürokratie muss abgebaut, die Digitalisierung ausgebaut, (digitale) Vernetzungen im Gesundheitssystem gestärkt werden. Damit junge Nachwuchskräfte den Weg in Apotheken im ländlichen Raum finden, setzen wir auf eine ganzheitliche Stärkung und Attraktivitätssteigerung des ländlichen Raums, die Arbeitsplatz und Lebensqualität zusammendenkt. Um unseren Visionen Taten folgen zu lassen, konnten wir hohe Fördersummen ab 2023 verhandeln.

Offen sind wir für neue Modelle, die insbesondere die Beratungskompetenz und den pharmazeutischen Blick der Apothekerinnen und Apotheker in einer vernetzten medizinischen Versorgungslandschaft (beispielsweise in regionalen Gesundheitszentren) in den Vordergrund rücken. Auch digitale Modelle mit Online-Beratungen sind für uns von Interesse.

Der Versandhandel wird zukünftig einen Teil des Bedarfes insbesondere dort abdecken, wo die persönliche Beratung in der Apotheke vor Ort nicht benötigt wird. Dennoch bleibt die Apotheke vor Ort weiterhin der wichtigste Ort für die Versorgung mit Medikamenten.

Welche Ideen hat Ihre Partei, den Nachwuchs in den Apotheken sicherzustellen und die Arbeit in der Offizin attraktiver zu machen?

Das Saarland verfügt über ein attraktives Studienangebot im Bereich der Pharmazie. Gleiches gilt für die Ausbildung zum/zur Pharmazeutisch-technische Assistenten/Assistentin bzw. zum/zur Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellten. Die Qualität des Studiums bzw. der Ausbildung ist relevant für die Nachwuchsgewinnung, wie auch die anschließend zu erwartenden Arbeitsbedingungen. Für beides müssen die politischen Rahmenbedingungen gegeben sein.

Gerade in ländlichen Gegenden wird die Vernetzung der Heilberufler immer wichtiger. Welche Vorschläge hat Ihre Partei, um diese auszubauen?

Die Vernetzung macht aus verschiedenen Gründen Sinn: erstens aus Sicht der Patientinnen und Patienten, die von einem verzahnten Angebot der verschiedenen Professionen profitieren. Aber auch aus Sicht der verschiedenen Akteurinnen und Akteure im Gesundheitssystem, die ebenfalls von systematischen Vernetzungen profitieren. Bestenfalls finden sie räumlich in Gesundheitszentren zusammen.

Welche weiteren Aufgaben/Dienstleistungen sollten Apotheken in Zukunft übernehmen?

Wir erwarten die bundesweite Planung der Cannabis-Legalisierung. Eine lizenzierte Abgabe von Cannabis an erwachsene Personen in stationären Apotheken ist zu prüfen.

Was die Arzneimittelversorgung betrifft, welche Lehren zieht Ihre Partei aus der Corona-Pandemie?

Knappheit bei der Versorgung mit Medikamenten und Schutzmaterial führt zu explodierenden Preisen oder gar dem Ausfall der Versorgung. Die Pandemie hat den Blick auf dieses Problem gelenkt, das es auch unabhängig von der Pandemie gab und gibt. Die Globalisierung mit dem teilweisen Verzicht auf eine entsprechende Produktion in Deutschland oder zumindest in Europa hat uns stör- und krisenanfällig gemacht. Diesem Problem muss mit dem Aufbau entsprechender Produktionen in Deutschland und Europa begegnet werden.

CDU

Im Saarland schließen im ländlichen Raum immer mehr Vor-Ort-Apotheken. Wie will Ihre Partei die Arzneimittelversorgung insbesondere in den ländlichen Regionen aufrechterhalten? Welche Konzepte oder alternativen Versorgungsmodelle zur Apotheke befürworten Sie? Wie bewerten Sie hierbei auch eine verstärkte Einbindung von Versandapotheken?

In der Arzneimittelversorgung kommt den Apotheken vor Ort aus Sicht der CDU Saar unverändert eine Schlüsselrolle in Versorgung und Beratung der Menschen zu. Sie leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur Patientensicherheit. Denn in den Apotheken vor Ort kann gerade auch im ländlichen Raum einerseits beim persönlichen Kontakt die Aufklärung über Risiken besser erfolgen und negative Interaktionen verschiedener Medikamente werden eher entdeckt. Zum anderen besteht mitunter auch ein enger Kontakt zwischen der Apotheke vor Ort und den dort niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, was einen schnelleren und direkteren Austausch zum Wohle der Patientinnen und Patienten begünstigt. Gleichzeitig sind Versandapotheken auf dem Vormarsch und werden von den Kundinnen und Kunden offenbar gut angenommen. Wichtig ist für uns dabei jedoch, dass eine fachlich zuverlässige Beratung erfolgt und die Regelungen für verschreibungspflichtige Medikamente beachtet werden. Dies darf bei dieser Art der Versorgung auf keinen Fall auf der Strecke bleiben.

Um auch in Zukunft eine möglichst hohe Qualität in der Gesundheitsversorgung aufrecht zu erhalten, brauchen wir aus Sicht der CDU Saar kurz- und mittelfristig neue innovative Konzepte, insbesondere in der wohnortnahen medizinischen und pflegerischen Versorgung. Dafür sollen in jeder Kommune medizinische Versorgungszentren eingerichtet werden, die sektorübergreifend die ambulante und teilstationäre Grundversorgung, verbunden mit einer Notfall- und Erstversorgung, übernehmen. Diese sind mit Haus- und Fachärzten sowie den Krankenhäusern und auch den Apotheken unter Nutzung sämtlicher digitaler Möglichkeiten (Telemedizin) vernetzt.

Welche Ideen hat Ihre Partei, den Nachwuchs in den Apotheken sicherzustellen und die Arbeit in der Offizin attraktiver zu machen?

Die Universität des Saarlandes ist einer von 22 Hochschulstandorten, an denen Pharmazie studiert werden kann. Bereits im Herbst 2021 ist das neue Praktikumsgebäude für Pharmazie offiziell eröffnet worden. Finanziert wurde das Gebäude aus Mitteln des Landes und des Bundes. Durch die bauliche Erweiterung kann die Universität künftig mehr Pharmazie-Studenten aufnehmen. Statt 60 pro Semester sind es künftig knapp 140 Studentinnen und Studenten, die auf diesem Wege auch den Weg in die saarländischen Apotheken finden können. Wir unterstützen darüber hinaus nachdrücklich, dass die Universität mit ihrer Expertise in der Pharmazie, den Biowissenschaften, der Bioinformatik und der Medizin gemeinsam mit dem HIPS, dem INM und dem CISPA einen zweiten Exzellenz-Cluster-Antrag für den Exzellenz-Strategie-Wettbewerb vorbereitet und sagen auch hier die erforderliche Kofinanzierung im Bewilligungsfall zu.

Wir appellieren darüber hinaus aber auch an die Betreiberinnen und Betreiber von Apotheken, bei Anstellungen auch die familiäre Situation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu berücksichtigen und durch gezielte Anreize (ÖPNV-Tickets, Zuschüsse zu Kita-Gebühren o.ä.) die Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern.

Gerade in ländlichen Gegenden wird die Vernetzung der Heilberufler immer wichtiger. Welche Vorschläge hat Ihre Partei, um diese auszubauen?

Siehe Antwort auf Frage 1.

Welche weiteren Aufgaben/Dienstleistungen sollten Apotheken in Zukunft übernehmen?

Apothekerinnen und Apotheker wären fachlich aus Sicht der CDU Saar in der Lage, Mehrleistungen zu erbringen. Dies sollte allerdings sorgfältig abgewogen werden. Dieser Diskussionsprozess, in den auch die Ärzte und Krankenkassen einbezogen werden sollten, ist aus unserer Sicht noch nicht abgeschlossen. Dennoch gibt es gute Gründe für eine Ausweitung von Aufgaben und Dienstleistungen, beispielsweise bei Folgerezepten für Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen, die gleichzeitig Arztpraxen entlasten könnten und damit die medizinische Versorgung insgesamt verbessern.

Was die Arzneimittelversorgung betrifft, welche Lehren zieht Ihre Partei aus der Corona-Pandemie?

Wir müssen in Zukunft aus dem an unseren Hochschulen vorhandenen Wissen mehr wirtschaftliche Wertschöpfung erzeugen. Dies gilt insbesondere für die Gesundheitswirtschaft. Wir sind überzeugt davon, dass gerade in den Bereichen Medizintechnik, Diagnostik, Pharmazie und Life-Sciences ein erhebliches Potential für Start-ups und Unternehmensgründungen liegt. Auch in der Digitalisierung bzw. in der Nutzung von Künstlicher Intelligenz liegt ein enormes Potential für Geschäftsmodelle im Bereich e-Health. Deshalb wollen wir an der Uni-Klinik in Homburg ein breit verankertes Starterzentrum aufbauen, das systematisch das gründungsrelevante Forschungs- und Entwicklungs-Potential erfasst und dabei hilft, die medizinisch-technologische Expertise in Business-Pläne zu überführen.

Um auch bei künftigen pandemischen Lagen oder anderen medizinischen Notsituationen schnell und gezielt reagieren zu können, zentralisieren wir die Beschaffungs- und Lagerungsstruktur der saarländischen Kliniken. Hierzu zählt vor allem der Ausbau eines Zentrallagers, das an der Universität des Saarlandes bzw. im Rahmen einer Vernetzung der verschiedenen Klinikträger nach neuesten logistischen, technischen und digitalen Gesichtspunkten entstehen soll.

Die Linke

Im Saarland schließen im ländlichen Raum immer mehr Vor-Ort-Apotheken. Wie will Ihre Partei die Arzneimittelversorgung insbesondere in den ländlichen Regionen aufrechterhalten? Welche Konzepte oder alternativen Versorgungsmodelle zur Apotheke befürworten Sie? Wie bewerten Sie hierbei auch eine verstärkte Einbindung von Versandapotheken?

Im Saarland schließen Apotheken nicht nur im ländlichen Raum, sondern auch in städtisch geprägten Regionen. Das Saarland hatte eine hohe Apothekendichte, die sich seit Jahren immer mehr lichtet. Grund dafür ist unter anderem der Sündenfall der Einführung von Versandapotheken gewesen, den wir nie befürwortet haben. Der Apothekerberuf ist ein freier Beruf, der nur vor Ort an höchstens drei Standorten betrieben werden soll und der durch die fortwährende Aushöhlung von »Amazon-artigen« Versandstrukturen immer mehr kaputt gemacht wird.

Welche Ideen hat Ihre Partei, den Nachwuchs in den Apotheken sicherzustellen und die Arbeit in der Offizin attraktiver zu machen?

Wir wollen die Anzahl der Pharmaziestudienplätze in Deutschland verdoppeln. Der Ausbildungsbedarf ist ja da, er wird aber nicht gedeckt, sondern durch Studienbeschränkungen torpediert.

Gerade in ländlichen Gegenden wird die Vernetzung der Heilberufler immer wichtiger. Welche Vorschläge hat Ihre Partei, um diese auszubauen?

Freiberufliche Apotheken und freiberufliche Arztpraxen an einem Standort in einem Haus war und ist immer noch die beste Vernetzung im Gesundheitswesen. Das kommende elektronische Rezept dient dagegen dazu, den Apotheker vor Ort weiter zu drangsalieren und letztlich abzuschaffen.

Welche weiteren Aufgaben / Dienstleistungen sollten Apotheken in Zukunft übernehmen?

Impfungen und Gesundheitsberatungen stehen oben an. Die Apotheke vor Ort soll nach unserer Meinung einen niedrigschwelligen Zugang bieten und als Lotsin durch das Gesundheitssystem fungieren. Das wird wegen der Überalterung der Bevölkerung immer wichtiger.

Was die Arzneimittelversorgung betrifft, welche Lehren zieht Ihre Partei aus der Corona-Pandemie?

Schon vor der Corona-Pandemie gab es immer wieder Engpässe bei generischen Arzneimitteln, die nur noch in Indien oder in China gefertigt werden, nachdem die nichtforschende Arzneimittelindustrie in Deutschland kaputtgespart worden ist. Wenn eine Lieferkette im Stahlbereich ausfällt, stockt vielleicht ein Bauvorhaben. Wenn eine Lieferkette im medikamentösen Bereich ausfällt, weil es keine entsprechende deutsche Produktionsstätte mehr gibt, stirbt vielleicht ein Mensch.

Grüne

Im Saarland schließen im ländlichen Raum immer mehr Vor-Ort-Apotheken. Wie will Ihre Partei die Arzneimittelversorgung insbesondere in den ländlichen Regionen aufrechterhalten? Welche Konzepte oder alternativen Versorgungsmodelle zur Apotheke befürworten Sie? Wie bewerten Sie hierbei auch eine verstärkte Einbindung von Versandapotheken?

Bündnis 90/Die Grünen ist es ein besonderes Anliegen, dass ländliche Räume nicht »veröden«. Ein Dorf sollte alles bieten, was man gerade als ältere Person benötigt. Dazu gehört neben einer Bäckerei, einem Friseur oder einem Landarzt auch eine Apotheke. Eine Flächenmanagerin/ein Flächenmanager in sollte in jeder Kommune zur Hilfe stehen, um Apotheken im Dorf zu unterstützen oder anzubinden. Aufgrund der schlechten CO2-Bilanz sind wir keine Befürworter des Onlinehandels. Die Schaffung von Gesundheitshütten in Orten für Fitness, Ernährungsberatung oder  Gesundheitsberatung sollten niedrigschwellig angeboten und mit Apotheken vernetzt werden. Ortsansässige Apotheken können diese Zentren unterstützen.

Welche Ideen hat Ihre Partei, den Nachwuchs in den Apotheken sicherzustellen und die Arbeit in der Offizin attraktiver zu machen?

Generell wollen wir, dass das Saarland attraktiver wird (ÖPNV, Wohnraum, Kultur u.v.m), damit man nach dem Studium im Saarland leben möchte. Studienplätze müssen erweitert werden und zusätzliche Fachbereiche angeboten. Bereits während der Schulzeit sollten Besuche oder Projekte mit den Fakultäten angeboten werden.

Gerade in ländlichen Gegenden wird die Vernetzung der Heilberufler immer wichtiger. Welche Vorschläge hat Ihre Partei, um diese auszubauen?

Jeder Mensch hat das Recht, die Hilfe in Anspruch zu nehmen, welche er/sie möchte. Heilberufe sind eine Ergänzung zur Allgemeinmedizin. Aufgrund des Landarztmangels übernehmen sie wichtige Funktionen. Ein digitales Vernetzungssystem mit Koordinatorinnen und Koordinatoren könnte Bedarfe erkennen und vermittelnd tätig sein.

Welche weiteren Aufgaben/Dienstleistungen sollten Apotheken in Zukunft übernehmen?

Da unsere Busverbindungen unzureichend und immer mehr ältere Menschen im ländlichen Raum leben, sollte man Apotheken ermächtigen, mehr Medikamente ohne Rezept verkaufen zu dürfen. Zumal Apothekerinnen und Apotheker in ihrer Ausbildung so gut und vielfältig ausgebildet sind, dass sie auf jeden Fall in der Lage sind, Beratungen durchzuführen und die Medikamentenvergabe zuverlässig bestimmen können.

Was die Arzneimittelversorgung betrifft, welche Lehren zieht Ihre Partei aus der Corona-Pandemie?

Lebenswichtige Medikamente waren plötzlich nicht mehr erhältlich. Das darf nicht mehr vorkommen. Mit einem Krisenmanagement, einem digitalem Versorgungsnetzwerk und einem personell gut aufgestelltem Organisationsbüro hätte man vorausschauend lebenswichtige Medikamente frühzeitig ordern können. Dafür setzen wir uns in Zukunft ein.

FDP

Im Saarland schließen im ländlichen Raum immer mehr Vor-Ort-Apotheken. Wie will Ihre Partei die Arzneimittelversorgung insbesondere in den ländlichen Regionen aufrechterhalten? Welche Konzepte oder alternativen Versorgungsmodelle zur Apotheke befürworten Sie? Wie bewerten Sie hierbei auch eine verstärkte Einbindung von Versandapotheken?

Apotheken sind für uns ein wichtiger Teil der Daseinsfürsorge. Sie haben während der Pandemie unter Beweis gestellt, dass sie zur Versorgung der Bevölkerung vor Ort unverzichtbar sind. Beispielsweise stellen sie in ihren Laboratorien Desinfektionsmittel her, managen mit pharmazeutischem Sachverstand Engpässe in der Lieferkette von Arzneimitteln und leisten durch Botendienste bis an die Wohnungstür einen erheblichen Beitrag zur Arzneimittelversorgung. Wir Freie Demokraten werden uns daher für faire Rahmenbedingungen im Wettbewerb zwischen inländischen Vor-Ort-Apotheken und Versandapotheke einsetzen. Wir wollen die flächendeckende Versorgung mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln sowie eine qualifizierte Beratung von Patientinnen und Patienten. Außerdem muss die freie Apothekenwahl jederzeit gewährleistet sein.

Welche Ideen hat Ihre Partei, den Nachwuchs in den Apotheken sicherzustellen und die Arbeit in der Offizin attraktiver zu machen?

Wir wollen die Apotheken von Bürokratie entlasten und den Beruf digitaler machen. Neben der allgemeinen Personalgewinnung müssen auch Betriebsübergaben mitgedacht werden, gerade bei Apotheken sind die Voraussetzungen für eine Übergabe hoch. Deshalb müssen geeignete Bewerberinnen und Bewerber bei der Übergabe besser unterstützt werden.

Gerade in ländlichen Gegenden wird die Vernetzung der Heilberufler immer wichtiger. Welche Vorschläge hat Ihre Partei, um diese auszubauen?

Wir fordern die landesweite Einrichtung einer medizinischen Plattform für eine digitale Vernetzung der Ärzte, Therapeuten, Apotheken und Krankenhäuser des Saarlandes, damit eine digitale Kompetenzbündelung erfolgen kann. Über eine digitale Plattform wird die flächendeckende, strukturierte telemedizinische Versorgungslandschaft gefördert und aufgebaut. Wir wollen die Expertise bündeln, die in den Spitzenzentren und bei den Experten im Saarland und auch national und international vorhanden ist. Über die Plattform („virtuelles Krankenhaus“) kann dann per Mausklick diese medizinische Expertise abgerufen und gemeinsame Fallbesprechungen können durchgeführt werden.

Welche weiteren Aufgaben / Dienstleistungen sollten Apotheken in Zukunft übernehmen?

Im Falle einer von der Koalition im Bund angedachten Legalisierung von Cannabis würde den Apotheken sehr wahrscheinlich die Aufgabe der kontrollierten Abgabe angedacht werden.

Was die Arzneimittelversorgung betrifft, welche Lehren zieht Ihre Partei aus der Corona-Pandemie?

Die Apotheken haben in der Pandemie eine hervorragende Arbeit geleistet. Es hat sich gezeigt, dass die europäische Arzneimittelversorgung von der EU besser koordiniert und als Frage von strategischer Bedeutung verstanden werden muss. Zudem sollten schnelle Konzepte erarbeitet werden, wie wieder mehr Arzneimittel in Deutschland und Europa produziert werden können. Hier haben sich schon vor der Pandemie Engpässe bei der Arzneimittelversorgung gezeigt.

AfD

Im Saarland schließen im ländlichen Raum immer mehr Vor-Ort-Apotheken. Wie will Ihre Partei die Arzneimittelversorgung insbesondere in den ländlichen Regionen aufrechterhalten? Welche Konzepte oder alternativen Versorgungsmodelle zur Apotheke befürworten Sie? Wie bewerten Sie hierbei auch eine verstärkte Einbindung von Versandapotheken?

für die Gewährleistung einer flächendeckenden und qualifizierten Versorgung mit Arzneimitteln müssen insbesondere die kleinen Apotheken vor Ort erhalten bleiben. Gerade für strukturschwache Regionen ist das von großer Bedeutung, da die Apotheke oder der Arzt im Ort einen Standortvorteil bedeuten und so zu den wesentlichen Voraussetzungen einer guten Strukturpolitik gehören. Lieferengpässe und Versorgungslücken sind unbedingt zu vermeiden. 

Ebenso wichtig ist die Sicherstellung hoher Qualitätsstandards bei der Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten. Daher fordern wir, ausreichend Personal für das für die Überwachung der Wirkstoff- und Arzneimittelproduktion verantwortliche Landesamt bereitzustellen. Gleichzeitig sollten Anreize zur Produktion der Arzneimittel in Deutschland oder in Ländern der Europäischen Union geschaffen werden, um die Abhängigkeit von weltweiten Lieferketten zu verringern.

Außerdem ist es von höchster Bedeutung, die derzeit bestehenden »Rabattvertragsregelungen« abzuschaffen. Die derzeitige »Reimportquote« von Arzneimitteln ist ebenso abzulehnen, da ein ständiger Präparatewechsel einer gleichmäßigen, sicheren Arzneimitteleinnahme zuwiderläuft.

Zu den übrigen Wahlprüfsteinen der Pharmazeutischen Zeitung hat die AfD des Saarlandes die programmatische Positionsfindung noch nicht abgeschlossen und sie können in ihrer engen Fachspezifik nicht in einem Wahlprogramm abgebildet werden, wie die AfD der PZ mitteilt. 

Mehr von Avoxa