Pharmazeutische Zeitung online
Landtagswahl 2021

Was planen die Parteien in Rheinland-Pfalz für die Apotheker?

Am 14. März dürfen die rund 3,1 Millionen Wahlberechtigten aus 52 Wahlkreisen bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz ihre Kreuzchen auf dem Stimmzettel setzen. Damit entscheiden sie darüber, wer für die nächsten fünf Jahre im Landesparlament in Mainz sitzt. Die PZ hat sich umgehört, welche Pläne es so für das Apothekenwesen und die Arzneimittelversorgung gibt.
Jennifer Evans
12.03.2021  09:00 Uhr

In Rheinland-Pfalz stehen ganz oben auf auf dem Wahlzettel die SPD, die  CDU und die AfD. Danach folgen Bündnis 90/Die Grünen, die FDP und Die Linke. Zum ersten Mal zur Wahl steht in diesem Jahr zudem die Wählervereinigung Klimaliste RLP, die Satirepartei Die Partei, die Tierschutzpartei sowie die erst 2020 gegründete Partei Volt.

Bei der SPD stellt sich die amtierende Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), die derzeit in einer Ampelkoalition mit der FDP und den Grünen regiert, für weitere fünf Jahre zur Wahl. Diese Ampel-Konstellation halten die regierenden Parteien auch weiterhin für zukunftsfähig, wie sie vor einigen Wochen bei einer Pressekonferenz hervorhoben. Den letzten Umfragen zufolge hat die SPD auch die Nase vorn. Die Mehrheit der Rheinland-Pfälzer wünscht sich wieder Dreyer als Ministerpräsidentin. Für die CDU geht Christian Baldauf ins Rennen.

Welche Pläne haben die Parteien aber nun konkret, wenn es um das Apothekenwesen und die Arzneimittelversorgung im Land geht? Die Pharmazeutische Zeitung hat bei den Landesverbänden in Rheinland-Pfalz nachgefragt.

Das sagt die SPD

In Rheinland-Pfalz schließen immer mehr Vor-Ort-Apotheken auf dem Land. Was wollen Sie dagegen tun?

Aus Sicht der SPD ist derzeit eine flächendeckende Arzneimittelversorgung gewährleistet. Um weitere Apothekenschließungen, insbesondere kleiner Apotheken, in der Fläche zu verhindern, setzen wir uns auf der Bundesebene für gesetzgeberische Maßnahmen zur Stärkung der Präsenzapotheken ein.

Wenn die Apothekenzahl stetig sinkt, wie wollen Sie die Arzneimittelversorgung auf dem Land aufrechterhalten? Welche Konzepte befürworten Sie?

Für die Arzneimittelversorgung in Flächenländern ist es zwingend notwendig, dass es auch im ländlichen Raum mit einer geringeren Bevölkerungsdichte und an wirtschaftlich weniger attraktiven Standorten eine ausreichende Zahl von Apotheken gibt. Deshalb ist es aus unserer Sicht so wichtig, dass die Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität der Apotheken im ländlichen Raum durch gesetzgeberische Maßnahmen gestärkt werden. Die SPD strebt an in Rheinland-Pfalz gemeinsam mit der Landesapothekerkammer und anderen Akteuren neue Konzepte für die Regelversorgung zu etablieren. 

Gerade in ländlichen Gegenden wird die Vernetzung der Heilberufler immer wichtiger. Welche Vorschläge haben Sie um diese auszubauen?

Die SPD begrüßt ausdrücklich eine enge Zusammenarbeit von Hausärztinnen und Hausärzten sowie Apothekerinnen und Apothekern im Sinne der Verbesserung der Beratung und Betreuung von Patientinnen und Patienten. In diesem Kontext bietet sich insbesondere die Stärkung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) als zentrales Thema der Versorgung an. Dazu wären aus unserer Sicht gemeinsame Lehrveranstaltungen im Studium, beispielsweise im Gebiet der Pharmakologie, zur Verbesserung der Vernetzung der akademischen Heilberufe denkbar. Auch könnten zertifizierte Fortbildungsveranstaltungen zu fachübergreifenden Themen die Vernetzung von Hausärztinnen und Hausärzten sowie Apothekerinnen und Apothekern intensivieren.

Den Vor-Ort-Apotheken fehlt der Nachwuchs. Welche Ideen haben Sie, um die Arbeit in der Offizin attraktiver zu machen?

Obwohl in den letzten Jahren die Zahl der Absolventinnen und Absolventen des Studiums der Pharmazie signifikant gestiegen ist, stehen dennoch nicht ausreichend Apothekerinnen und Apotheker zur Verfügung. Aus unserer Sicht gilt es deshalb Initiativen zur besseren Vereinbarung von Beruf und Familie zu setzen. Einen weiteren Ansatz verfolgen wir mit der Ausweitung von universitären Kapazitäten. Anlässlich der Planungen zu einem Ersatzneubau des pharmazeutischen Institutes der Johannes Gutenberg-Universität am Standort in Mainz sollte diese Option berücksichtigt werden.

Wo sehen Sie künftig die Rolle der Vor-Ort-Apotheken in der Arzneimittelversorgung?

Für die SPD ist die Vor-Ort-Apotheke unverzichtbar. Sie spielt auch zukünftig eine tragende Rolle bei der Arzneimittelversorgung der Bürgerinnen und Bürger im Flächenland Rheinland-Pfalz

Welche weiteren Aufgaben/Dienstleistungen sollten Apotheken in Zukunft übernehmen?

Die SPD sieht vor allem auf Basis des Apothekenstärkungsgesetzes neue mögliche pharmazeutische Dienstleistungen, die die Versorgungspraxis eingeführt werden könnten: Wir denken dabei an das Medikamentationsmanagement. Hier haben wir in Rheinland-Pfalz im Rahmen des Projekts zur vernetzten Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) mit dem elektronischen Medikationsplan, gute Erfahrungen der Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern bei der Bewertung und Planung der Medikation von multimorbiden Patientinnen und Patienten gemacht. Auch bei den Impfungen sehen wir neue Betätigungsfelder, denn vor dem Hintergrund der laufenden pandemischen Impfungen in Impfzentren und mobilen Impfteams haben sich Apothekerinnen und Apotheker als zuverlässige und wichtige Partner an der Seite von Ärztinnen und Ärzten erwiesen.

Ein weiterer Bereich ist aus unserer Sicht die sektorübergreifende Versorgung bei Arzneimitteln. Vor dem Hintergrund zunehmender Liefereinschränkungen sollte bei speziellen Arzneimitteln ein unbürokratischer Austausch zwischen öffentlichen Apotheken und Krankenhausapotheken möglich sein. Eine entsprechende apothekenrechtliche Initiative der Länder im Rahmen des Apothekenstärkungsgesetzes ist bei den Bundestagsberatungen leider gestrichen worden.

Auch im Bereich der Ernährungsberatung und Beratung zur gesunden Lebensführung könnten wir uns eine stärkere Einbindung der Apotheken vorstellen, um zusätzlich ein niedrigschwelliges Angebot flächendeckend anzubieten.

Was die Arzneimittelversorgung betrifft, welche Lehren ziehen Sie aus der Corona-Pandemie?

Nicht erst seit der Corona-Pandemie stellen auftretende Lieferengpässe bei versorgungsrelevanten Arzneimitteln im klinischen Bereich und auch im ambulanten Bereich ein Problem dar. Hintergründe sind Zentralisierungstendenzen bei der Arzneimittelherstellung sowie eine Lieferung der erforderlichen Arzneimittel und Wirkstoffe ohne Vorratshaltung »just in time«. Die Bundesregierung hat zwar im Rahmen des Gesetzes für einen fairen Kassenwettbewerb in der gesetzlichen Krankenversicherung bereits einzelne Maßnahmen zur Bekämpfung von Lieferengpässen auf den Weg gebracht, die aus unserer Sicht jedoch nicht ausreichen, da sie nur die Symptome von Lieferengpässen angehen. Die SPD wird Lösungsansätze über den Bundesrat einbringen. Eine erste Initiative wurde bereits eingebracht, um mit Hilfe einer Expertenkommission kausal die Hintergründe von Lieferengpässen zu ergründen. 

Das sagt die CDU

In Rheinland-Pfalz schließen immer mehr Vor-Ort-Apotheken auf dem Land. Was wollen Sie dagegen tun?

In der Tat schließen in Rheinland-Pfalz immer mehr Vor-Ort-Apotheken auf dem Land. Gerade im ländlichen Raum, der durch einen höheren Altersdurchschnitt geprägt ist, ist der Bedarf an Apotheken groß. Wir befürworten das Vor-Ort-Apotheken- Stärkungsgesetz und fordern faire Entgelte für die wichtigen Leistungen der Apotheken. Wir sind gegen ungerechtfertigte Vorteile des Versandhandels. Medizinischen Versorgungszentren könnten außerdem helfen, die Aufgaben zu bündeln und zu konsolidieren. Zusätzlich wollen wir, dass die Notfallapotheke, auch im ländlichen Raum, schnell und zügig erreichbar ist.

Wenn die Apothekenzahl stetig sinkt, wie wollen Sie die Arzneimittelversorgung auf dem Land aufrechterhalten? Welche Konzepte befürworten Sie?

Die deutsche und europäische Produktion muss gestärkt werden. Hierzu bedarf es gezielter Wirtschaftsförderung insbesondere für versorgungskritische und essentielle Arzneimittel.

Preisdruckspiralen auf Kosten der Versorgungssicherheit lehnen wir ab.

Gerade in ländlichen Gegenden wird die Vernetzung der Heilberufler immer wichtiger. Welche Vorschläge haben Sie um diese auszubauen?

Die Bundesregierung fördert bereits Projekte zur Verbesserung von Kommunikation und Dokumentation. Landesspezifische Zuschnitte solcher Modelle wollen wir unterstützen. Zudem sollen die medizinischen Versorgungszentren und neue Konzepte wie »mobile Arztpraxen« mithilfe des Landes dort entstehen, wo Krankenhäuser fehlen. Vorgeschaltet werden sollen Gesundheitszentren mit Gemeindeschwestern und ärztlichen Assistenten, die konkret handeln dürfen, präventiv und beratend arbeiten. Um schnell Versorgungslücken zu schließen, wollen wir zudem den Berufsstand der Ärztlichen Assistenz in den Blick nehmen.

Den Vor-Ort-Apotheken fehlt der Nachwuchs. Welche Ideen haben Sie, um die Arbeit in der Offizin attraktiver zu machen?

Die berufsbezogene Ausbildung muss bedarfsrecht angeboten und organisiert werden, dazu sind bestehende Defizite im Land zu beseitigen. Wenn wir die positiven Seiten des Apothekerberufs stärker vermitteln, muss uns um den Apothekennachwuchs nicht bange sein. Unsere Forderung pro Jahr 20 pharmazeutische Studienplätze mehr zu vergeben, wurde leider von der Landesregierung abgelehnt.

Wo sehen Sie künftig die Rolle der Vor-Ort-Apotheken in der Arzneimittelversorgung?

Die Vor-Ort-Apotheken haben eine zentrale Rolle bei der Versorgung der Menschen. Unsere Aufgabe ist es, gemeinsam deren Stärken herauszustellen. Apotheken gehen bereits neue Wege für Ihre Kunden. Mit gezielter Förderung wollen wir dies unterstützen.

Welche weiteren Aufgaben/Dienstleistungen sollten Apotheken in Zukunft übernehmen?

Apotheken können das Medikationsmanagement steuern und ergänzend zu den Ärzten insoweit Gesundheitslotsen für die Menschen sein. Im Rahmen einer besseren Vernetzung der Heilberufe.

Was die Arzneimittelversorgung betrifft, welche Lehren ziehen Sie aus der Corona-Pandemie?

Auf die internationale Kooperation zwischen Ländern mit spezifischen Know-how und entsprechender Infrastruktur kommt es zusammen mit den richtigen nationalen Schwerpunkten an. Vorausschauendes Denken und Handeln ist der Schlüssel dafür.

Das sagen die Grünen

Auf den PZ-Fragenkatalog hat der Landesverband Bündnis 90/Die Grünen aus Rheinland-Pfalz mit einem zusammenhängenden Text geantwortet.

Die Apotheke vor Ort hat aus unserer Sicht eine zentrale Funktion für eine bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige Arzneimittelversorgung. Sie ist eine wichtige Anlaufstelle für Patient*innen, das haben wir auch in der Pandemie gesehen. Wir setzen vor allem auf die pharmazeutischen Kompetenzen der Apothekerinnen und Apotheker. Wir wollen daher die Benachteiligung inländischer Apotheken gegenüber ausländischen Versandapotheken beenden. Zudem wollen wir die Bedeutung der Beratungsleistung in der Vergütung der Apotheken stärken. Wir wollen hierzu eine eigene einfache und transparente Gebührenordnung für die pharmazeutische Leistung der Apotheken schaffen.

Wir müssen gerade junge Apotheker*innen darüber hinaus bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen, damit sie Apotheken führen können. Wir Grübe setzen uns zum Beispiel für den flächendeckenden Ausbau von Ganztagsschulen ein.

Die Pandemie hat uns gezeigt, dass es weltweit eine Versorgungssicherheit mit zentralen Arzneimitteln und Materialien braucht. Sie müssen dezentraler und auch in Europa produziert und vorgehalten werden, zusätzliche Produktionskapazitäten müssen im Fall einer Krise schnell aktiviert werden können.

Unser Anspruch ist, alle Rheinland-Pfälzer*innen sollen von einer qualitativ hochwertigen, bedarfsgerechten und erreichbaren Gesundheitsversorgung profitieren können – auf dem Land ebenso wie in der Stadt.

Gesundheitsplanung muss sich an den Versorgungspfaden der Patient*innen ausrichten, die nicht an den Sektorengrenzen Halt machen dürfen. Auf regionaler Ebene wollen wir daher Gesundheits- oder Versorgungskonferenzen in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft einführen. Wir möchten, dass diese von einem oder mehreren Landkreisen und kreisfreien Städten getragen werden. An diesen Konferenzen sollen unter Leitung des Gesundheitsamts je nach Tagesordnung Vertreter*innen verschiedener Berufsgruppen, Hilfsorganisationen oder Patient*innenvertretungen teilnehmen. Sie sollen gemeinsam die besten Lösungen für die optimale Versorgung spezieller Patientengruppen entwerfen. Ergänzend soll eine Landesgesundheitskonferenz auf Landesebene koordinierende Aufgaben übernehmen.

Das sagt die AfD

In Rheinland-Pfalz schließen immer mehr Vor-Ort-Apotheken auf dem Land. Was wollen Sie dagegen tun?

Landarztmangel und Apothekensterben verlaufen parallel und haben zum Teil gemeinsame Ursachen; hier möchte die AfD ansetzen. Vordringlich ist die Stärkung des Gesundheitsstandorts Rheinland-Pfalz. Sie ist gerade für strukturschwache Regionen von großer Bedeutung, wo Apotheken und Ärzte im Ort zu den wesentlichen Voraussetzungen für eine regionale Strukturpolitik gehören. Zur Gewährleistung einer flächendeckenden und qualifizierten Versorgung mit Arzneimitteln müssen daher die inhabergeführten Apotheken erhalten bleiben.

Ausländische Versandapotheken bedrohen das Geschäftsfeld unserer Apotheken, die sich im Wesentlichen durch den Handel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln finanzieren. Im Gegensatz zu den inländischen Apotheken dürfen die Versandapotheken Boni und Rabatte gewähren und haben keine Kosten für Nachtdienste und Rezepturen. Hierdurch entsteht ein deutlicher Wettbewerbsnachteil für die einheimischen Apotheken. Aus guten Gründen haben nur sieben (einschließlich Deutschland) von 28 EU-Staaten den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln zum Nachteil der eigenen Apotheken erlaubt.

Wir fordern, den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten in Deutschland nicht mehr zu gestatten. Der Versandhandel mit nicht rezeptpflichtigen Medikamenten sollte jedoch weiterhin erlaubt sein. Durch § 129 Abs.1 SGB V sind Apotheker gezwungen, Importarzneimittel zu beziehen. Wir setzen uns dafür ein, die hier gesetzlich geregelte Abnahmequote abzuschaffen. Apotheker sollen künftig eigenverantwortlich entscheiden, welche Arzneimittel sie zum Wohle der Patienten für geeignet halten.

Wenn die Apothekenzahl stetig sinkt, wie wollen Sie die Arzneimittelversorgung auf dem Land aufrechterhalten? Welche Konzepte befürworten Sie?

Die Apotheken bieten bereits jetzt in gewissem Umfang einen Lieferdienst an. Um die qualitativ hochwertige Versorgung auch bei sinkender Apothekenzahl zu gewährleisten, befürworten wir die Ausweitung dieser Lieferdienste durch die Vor-Ort-Apotheken. Die sich hierdurch erhöhenden Betriebskosten (Mehrbedarf an pharmazeutischem Personal) müssen durch eine adäquate Vergütung ausgeglichen werden. Ein derart erweiterter Lieferdienst würde eine zeitnahe Versorgung mit Beratung gewährleisten. Der Patient könnte beispielsweise bei Problemen mit der Verordnung oder bei Lieferengpässen auf die Lösung bzw. Hilfestellung durch die Vor-Ort-Apotheke zählen. Gerade in einer alternden Gesellschaft sind ältere Patienten in hohem Maße auf den persönlichen Kontakt angewiesen.

Gerade in ländlichen Gegenden wird die Vernetzung der Heilberufler immer wichtiger. Welche Vorschläge haben Sie um diese auszubauen?

Um eine Vernetzung sämtlicher im Gesundheitswesen tätigen Akteure zu erreichen, ist die Nutzung der Telematik-Infrastruktur (TI) Mittel der Wahl. Durch die TI ist es allen an der Versorgung von Patienten Beteiligten möglich, auf für sie relevante Daten zuzugreifen und Daten auszutauschen. Wir sind für einen schnellen Ausbau der TI, so dass die Funktionen zum Abruf und zum Austausch der Daten in naher Zukunft vollumfänglich zur Verfügung stehen. Im Fokus muss dabei allerdings immer der Datenschutz stehen. Außerdem ist zu gewährleisten, dass der Patient autonom bleibt in der Zurverfügungstellung seiner Daten. Auch darf er in seiner freien Arzt- und Apothekenwahl nicht eingeschränkt werden.

Den Vor-Ort-Apotheken fehlt der Nachwuchs. Welche Ideen haben Sie, um die Arbeit in der Offizin attraktiver zu machen?

Um zukünftig eine flächendeckende, wohnortnahe und qualitativ hochwertige Arzneimittelversorgung gewährleisten zu können, müssen mehr Pharmazeuten ausgebildet und dementsprechend die Anzahl Studienplätze erhöht werden. Das pharmazeutische Universitätsinstitut muss saniert und es müssen mehr Gelder für Forschung und Lehre durch das Land bereitgestellt werden.

Die Attraktivität der ländlichen Räumen steigt mit der gesamten Infrastruktur vor Ort (zum Beispiel gute Verkehrsanbindung, schnelles Internet, Kitas und Schulen, Kultureinrichtungen). Hierdurch wird die »Lust auf’s Land« erhöht, was wiederum ein Baustein für den Erhalt der Präsenzapotheken darstellt.

Das pharmazeutische Personal der öffentlichen Apotheken muss sich fortwährend weiterbilden und immer mehr anspruchsvolle Aufgaben übernehmen; durch die Bürokratie wächst gleichzeitig die Arbeitslast. Um einen Anreiz zu schaffen, in einer öffentlichen Apotheke statt in der Industrie zu arbeiten, müssen die Arbeitslöhne auf ein leistungsgerechtes Niveau angehoben und Aufstiegschancen für alle Angehörigen dieser Berufsgruppe geschaffen werden. Durch anerkannte Weiterqualifizierungen wäre es möglich, zum Beispiel auch für pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) entsprechende Karriereperspektiven zu schaffen. Die Abschaffung des Schulgelds für PTA‘s auch in Rheinland-Pfalz ist notwendig, denn noch immer müssen sie ihre Ausbildung selbst finanzieren, was erhebliche Kosten verursacht. Eine Ausbildung, die nicht von Anfang an vergütet wird, die Auszubildenden aber finanziell belastet, ist nicht attraktiv für Berufseinsteiger.

Wo sehen Sie künftig die Rolle der Vor-Ort-Apotheken in der Arzneimittelversorgung?

Wir betrachten die Präsenzapotheken als einen unverzichtbaren Teil der Infrastruktur des Gesundheitssystems. Noch bilden sie ein flächendeckendes Netz, das eine Versorgung mit Arzneimitteln rund um die Uhr ermöglicht und diese in kürzester Zeit beschaffen kann – dies darf durch weitere Schließungen nicht gefährdet werden. Andere Dienstleistungen, wie die umfangreiche Medikationsanalyse oder im Bedarfsfall die Herstellung von Arzneimitteln, spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Vor-Ort-Apotheken sind somit auch künftig der effektivste Lieferant für Arzneimittel und gleichzeitig Kontrollinstanz für eine sichere Arzneimitteltherapie.

Welche weiteren Aufgaben/Dienstleistungen sollten Apotheken in Zukunft übernehmen?

Die Gesundheitsprävention sollte im Gesundheitssystem eine noch größere Rolle spielen. Hierzu könnten die Apotheken einen wichtigen Beitrag leisten. Denkbar wären zum Beispiel Dienstleistungen in Form qualifizierter Beratungen und Betreuungen in Bereichen von Ernährung, Diabetes oder Bluthochdruck. Umfangreiche Medikationsanalysen, die über das normale Beratungsangebot hinausgehen, sind gerade im Hinblick auf Patienten mit Mehrfach-Medikation ebenfalls eine Aufgabe der Zukunft.

Was die Arzneimittelversorgung betrifft, welche Lehren ziehen Sie aus der Corona-Pandemie?

Die Engpässe, entstanden durch Unterbrechung der Arzneimittel-Lieferketten, haben gezeigt, wie dringend notwendig es ist, die Arzneimittelproduktion wieder nach Europa respektive Deutschland zu verlagern. Wir geraten in eine prekäre Lage, wenn beispielsweise Antibiotika nicht mehr verfügbar sind, weil beinahe alle Produktionsstätten in asiatischen Ländern angesiedelt sind und die Auslieferung – aus welchen Gründen auch immer – plötzlich gestoppt wird. In dieser Situation haben sich die Vor-Ort-Apotheken als wertvolle Partner in der Versorgung der Patienten erwiesen, weil sie unter Ausschöpfung ihrer Kompetenz dabei geholfen haben, diese Lieferengpässe zu überwinden. Die schnelle, kontaktlose Versorgung von in Quarantäne befindlichen Patienten und die Produktion von Desinfektionsmitteln wurden ebenfalls durch die Vor-Ort-Apotheken gewährleistet, womit diese bewiesen haben, dass sie unverzichtbarer Bestandteil der Infrastruktur im Gesundheitswesen sind.

Auch das Thema Rabattverträge spielt in der Arzneimittelversorgung eine Rolle. Rabattvertragsregelungen der GKV haben sich zwar als stark kostensenkendes Instrument erwiesen; in Exklusivverträgen ausgehandelte Rabatte von bis 90 Prozent lassen sich allerdings nur durch Arzneimittelproduktion in zum Beispiel asiatischen Niedriglohnländern realisieren. Eine Monopolbildung ist die Konsequenz. Die immer wieder auftretenden Arzneimittelqualitätsprobleme und Lieferausfälle sind auch Folge dieser Situation. Die AfD fordert die Abschaffung der Rabattverträge und im Ausgleich hierfür die Ausweitung des Festbetragmarkts.

Das sagt die FDP

In Rheinland-Pfalz schließen immer mehr Vor-Ort-Apotheken auf dem Land. Was wollen Sie dagegen tun?

Seit 2008 sinkt die Zahl der stationären Apotheken stetig. Die flächendeckende Versorgung mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln rund um die Uhr, sowie die qualifizierte Beratung von Patientinnen und Patienten durch inklusive Notdienste muss erhalten werden. Die Aufrechterhaltung des Notdienstes wird immer schwieriger, da die Verwaltungsvorschriften für Notdienste im Arzneimittelrecht nur schwer einzuhalten sind. Durch Abrechnungsformalien mit den Krankenkassen entsteht den Apotheken zusätzlicher Verwaltungsaufwand. Deshalb müssen Notdienste einerseits angemessen honoriert und dringend Bürokratie im Arzneimittelwesen abgebaut werden. Apotheken brauchen die Freiheit, die Versorgung der Bevölkerung auch im ländlichen Raum aufrecht zu halten. Dies kann unter anderem durch mobile Lieferdienste erfolgen. Da Apotheken solche Lieferdienste bisher bereits ohne Vergütung anbieten, halten wir einen Sicherstellungszuschlag für Apotheken in abgelegenen Standorten für sinnvoll.

Wenn die Apothekenzahl stetig sinkt, wie wollen Sie die Arzneimittelversorgung auf dem Land aufrechterhalten? Welche Konzepte befürworten Sie?

Dies kann unter anderem durch mobile Lieferdienste erfolgen. Da Apotheken solche Lieferdienste bisher bereits ohne Vergütung anbieten, halten wir einen Sicherstellungszuschlag für Apotheken in abgelegenen Standorten für sinnvoll. Ergänzend hierzu brauchen die Apotheken verlässliche Rahmenbedingungen um die Versorgung im ländlichen Raum gewährleisten zu können.

Gerade in ländlichen Gegenden wird die Vernetzung der Heilberufler immer wichtiger. Welche Vorschläge haben Sie um diese auszubauen?

Wir Freien Demokraten sehen in einer Vernetzung zur Steigerung der medizinischen Versorgung keinen Nachteil. Ein wichtiger Aspekt ist uns daher auch die Steigerung und Stärkung der sektorenübergreifenden Versorgung. Weiter brauchen wir, allgemein betrachtet, eine Anpassung der vertragsärztlichen Bedarfsplanung an die Versorgungsrealität in Stadt und Land. Diese wird benötigt, um eine flächendeckende, qualitativ hochwertige und bedarfsgerechte medizinische Basisversorgung im ganzen Land Rheinland-Pfalz sicherzustellen. Als eine wichtige Maßnahme hierzu sehen wir die Stärkung der Infrastrukturmaßnahmen »Hausarzt aufs Land« und die Unterstützung der sogenannten Niederlassungskooperationen aus kassenärztlichen Vereinigungen und Kommunen.

Substitution ärztlicher Leistung steht für uns Freie Demokraten nicht zur Debatte. Die politische Herausforderung stellt sich anders und wird eher so formuliert: Wie soll eine gute medizinische Versorgung bei einem zu erwartenden Ärztemangel bewältigt werden? Wenn sich die Honorierung in einer Praxis wieder rechnet und eine sichere finanzielle Basis der Praxen bietet, werden sich auch wieder mehr Ärzte (Haus- und Fachärzte) in die ländlichen Regionen begeben. Um den Anschluss nicht zu verlieren, brauchen wir daher schnell eine Vernetzung von Heilberuflern, Digitalisierung und Kooperation. All dies zum Nutzen der Menschen.

Den Vor-Ort-Apotheken fehlt der Nachwuchs. Welche Ideen haben Sie, um die Arbeit in der Offizin attraktiver zu machen?

In erster Linie müssen wir auch hier die Beratungsangebote ausbauen. Die Berufsberatung ist ein wesentlicher Aspekt für Schülerinnen und Schüler und muss daher gestärkt werden. Nur eine breite Beratung kann alle Aspekte bieten. Des Weiteren brauchen wir eine sinnvolle Stärkung und Überarbeitung des Prozesses zur Anerkennung ausländisch erworbener Abschlüsse. Daher unterstützen wir auch das Projekt »IQ Apotheker für die Zukunft« der Landapothekenkammer voll und ganz. Dieses Projekt in all seinen Facetten nützt, dass ausländische Absolventen sich gut in unserem Gesundheitssystem einfinden und verwirklichen können.

Wo sehen Sie künftig die Rolle der Vor-Ort-Apotheken in der Arzneimittelversorgung?

Apotheken sind schon lange nicht mehr »nur« Hersteller von Medikamenten. Heutzutage und in Zukunft noch stärker, wird die Apotheke Anlaufstelle für Heilmitteln, medizinische Produkte oder diverse Dienstleistungen sein. Die Menschen vertrauen ihrer Apotheke und werden auch künftig immer mehr Beratung in Anspruch nehmen. Gerade in einer älter werdenden Gesellschaft ist dieser Aspekt nicht von der Hand zu weisen. Wichtig ist hierbei, dass die Apotheken nicht mit Formalitäten und Bürokratie überhäuft werden, sondern ihrer Ausbildung entsprechend gewisse Freiheiten genießen können. Auch Abrechnungsformalitäten sollen die Apotheken nicht weiter belasten.

Welche weiteren Aufgaben/Dienstleistungen sollten Apotheken in Zukunft übernehmen?

Wir denken eine große Herausforderung für die Apotheken wird die Digitalisierung im Allgemeinen sein. Die Menschen kennen den Onlinehandel aus dem Einzelhandel. Dies werden die Jüngeren auch von einer Apotheke erwarten. Demgegenüber stehen aber die älter werdenden Menschen. Diese schätzen den persönlichen Kontakt, die Beratung im Vertrauen oder aber auch einmal den sozialen Austausch. Dieser Spagat wird einer der größten Herausforderungen der nächsten Jahre. Umso wichtiger ist es, dass die Politik gewisse Freiheiten einräumt, damit Apotheken diese Aufgabe meistern können.

Was die Arzneimittelversorgung betrifft, welche Lehren ziehen Sie aus der Corona-Pandemie?

Wir denken, dass auch künftig Verbote und Zwänge nicht zu den Punkten der Lehre aus der Krise gehören. Wir müssen die Rahmenbedingungen in unserem Land so strukturieren, dass Produzenten sich hier ansiedeln wollen und können. Weiter muss aber gerade auf EU-Ebene die Lehre gezogen werden. Die Kooperation und Zusammenarbeit hat in der Pandemiezeit teilweise große Schwächen gezeigt. Das zeigte das Zwischenergebnis der Enquete Kommission Corona des Landtages RLP. Von daher müssen wir es in Zukunft schaffen, dass gerade in dem empfindlichen Thema Gesundheit die gemeinsamen Interessen stark und gemeinsam vertreten werden. Ein »Jeder für sich« schwächt die EU und stärkt auch nicht die gesundheitliche Versorgung. Dies ist ein wichtiger Aspekt, um die Lieferung von kritischen Arzneimitteln auch in Zukunft zu stärken.

Das sagt Die Linke

In Rheinland-Pfalz schließen immer mehr Vor-Ort-Apotheken auf dem Land. Was wollen Sie dagegen tun?

Ein wichtiger Faktor für die Attraktivität eines Berufs ist das Gehaltsniveau. Hier liegen alle pharmazeutischen Berufe gemessen an ihrer Qualifikation deutlich unter vergleichbaren Berufen. Apothekerinnen und Apotheker verdienen in der Industrie erheblich mehr als in der Apotheke. Wir sind davon überzeugt, dass die Attraktivität auch gesteigert werden kann, indem die heilberufliche Seite des Apothekerberufs gestärkt wird. In diesem Sinne wollen wir die pharmazeutische Betreuung inklusive Medikationsmanagement deutlich ausbauen und an die neuen technischen Möglichkeiten anpassen (Digitalisierung). Hier muss bei neuen Aufgaben auch über neue Vergütungsmodelle nachgedacht werden. Das ABDA-/KBV-Modell zur Reform der Arzneimittelversorgung, das in dem ARMIN-Projekt in Thüringen und Sachsen teilweise erprobt wird, bietet weitere Ansätze, wie die Aufgaben der Apotheken im Interesse der Patientinnen und Patienten ausgeweitet werden können. Wie beschrieben, wollen wir die Arzneimittelabgabe im Gegenzug unbürokratischer gestalten und die Beratungsqualität fördern. Das Pharmaziestudium muss praxistauglicher werden und die klinische Pharmazie noch stärker berücksichtigen.

Wenn die Apothekenzahl stetig sinkt, wie wollen Sie die Arzneimittelversorgung auf dem Land aufrechterhalten? Welche Konzepte befürworten Sie?

Gerade im ländlichen Raum ist es ein großes Problem, wenn Apotheken verschwinden. Menschen ohne eigenes Auto haben oft Schwierigkeiten, an wichtige Medikamente zu kommen. Wir treten dafür ein, durch den Aufbau eines flächendeckenden, barrierefreien ÖPNV zum Nulltarif allen Menschen Mobilität zu ermöglichen. Wir müssen aber auch dafür eintreten, dass Apotheken vor Ort bleiben. Um die medizinische Versorgung zu stärken, wollen wir medizinische Versorgungszentren einrichten. Eine Lösung könnte sein, diesen Apotheken anzugliedern.

Gerade in ländlichen Gegenden wird die Vernetzung der Heilberufler immer wichtiger. Welche Vorschläge haben Sie um diese auszubauen?

Medizinische Versorgungszentren sind keine Profitcenter von Unternehmen und Freiberuflern. Eine flächendeckende, in angemessener Zeit erreichbare Versorgung mit Arztpraxen und Krankenhäusern ist zu gewährleisten. Die integrierte Versorgung nach dem Vorbild der Polikliniken muss weiterentwickelt und kommunale Gesundheitsdienste müssen ausgebaut werden. Dies ist auch der Ort, von dem aus die ambulante Pflege von chronisch Kranken und von betagten Menschen in ihrer häuslichen Umgebung organisiert werden kann. Die Krankenhausfinanzierung des Landes muss ausgebaut werden. Hierbei muss mit 100 Prozent Förderungen ein Schwerpunkt auf die Kliniken im ländlichen Raum gelegt werden.

Den Vor-Ort-Apotheken fehlt der Nachwuchs. Welche Ideen haben Sie, um die Arbeit in der Offizin attraktiver zu machen?

Apotheker:innen in einer Vor-Ort-Apotheke müssen mehr Geld erhalten. Die Ausbildungssituation an den Universitäten muss verbessert werden. Zudem müssen Perspektiven geschaffen werden. Dazu muss die Apothekenversorgung gerade im ländlichen Raum geregelt und bezuschusst werden.

Wo sehen Sie künftig die Rolle der Vor-Ort-Apotheken in der Arzneimittelversorgung?

Die Apotheke soll ein verlässlicher Ansprechpartner vor Ort bleiben.

Welche weiteren Aufgaben/Dienstleistungen sollten Apotheken in Zukunft übernehmen?

Durch die im ARMIN-Projekt vorgesehene Wirkstoffverordnung wird eine fundierte Beratung an Bedeutung gewinnen. Wir wünschen uns eine kompetente Unterstützung von Kranken.

Was die Arzneimittelversorgung betrifft, welche Lehren ziehen Sie aus der Corona-Pandemie?

Wir sehen, dass die pharmazeutische Produktion und die Logistik bei der Verteilung, zum Beispiel von Impfstoffen besser ineinander greifen müssen. Wir halten es für sinnvoll, Patente auf Medikamente und Impfstoffe von großer gesellschaftlicher Bedeutung frei zu geben, um Engpässe zu vermeiden. Den großen Einsatz von Apotheken bei der Überwindung des Mangels an Desinfektionsmitteln begrüßen wir außerordentlich. Aus dieser Situation müssen wir lernen, für solche Situationen künftig vorzusorgen, etwa durch bessere Bevorratung in Krankenhäusern.

Sorge bereitet uns, dass Apotheken durch ausbleibende Umsätze bedroht sind. Es ist erfreulich, dass die Maßnahmen zum Schutz vor Corona eine große Grippewelle weitgehend verhindert und auch leichtere Infekte deutlich reduziert haben. Dass dies nun für Apotheken wirtschaftlich bedrohlich wird zeigt, wie absurd das Gesundheitssystem organisiert ist. Damit das System irgendwie funktioniert, müssen genügend Menschen krank sein. Das scheint paradox. Wir wollen darum, dass das Gesundheitssystem als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge ausfinanziert und nicht von der Marktlogik abhängig gemacht wird. Dabei müssen auch Apotheken in die Planung des Gesundheitswesens einbezogen werden.

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