Pharmazeutische Zeitung online
Aut idem und aut simile

Was in der Apotheke zu beachten ist

Die zeitnahe Versorgung der Patienten mit Arzneimitteln hat oberste Priorität. So hat es der Gesetzgeber geregelt. Was bei der Aut-idem- und Aut-simile-Substitution und deren Dokumentation in der Praxis  zu beachten ist, war Thema im Webcast von Pharma4u und der PZ.
Brigitte M. Gensthaler
08.05.2020  08:00 Uhr

Die SARS-Cov2-Arzneimittelversorgungsverordnung hat – zeitlich befristet – die Regelungen für die Abgabe von ärztlich verordneten Medikamenten geändert. Ein Aut-idem-oder ein Aut-simile-Austausch sind erlaubt, wenn der Patient sonst nicht versorgt werden kann. Dr. Nina Griese-Mammen von der ABDA, Berlin, erklärte die Austauschkriterien und gab Tipps für die praktische Umsetzung.

Im ersten Schritt sei zu prüfen, ob das verordnete Arzneimittel in der Apotheke vorrätig ist. Dann ist es natürlich abzugeben. Wenn nicht, kann ein wirkstoffgleiches Medikament in gleicher Stärke und Packungsgröße abgegeben werden. Wenn auch dies nicht vorrätig ist, müsse man sich fragen, wie man die Verordnung möglichst gut und rasch beliefern kann, beispielsweise durch Entnahme einer Teilmenge aus einer Fertigarzneimittelpackung (»Auseinzeln«), Abgabe einer anderen Wirkstärke oder Variation von Packungsgröße und -anzahl.

»Wenn auch dies nicht möglich ist, stellen sich im zweiten Schritt die gleichen Fragen bezogen auf die Lieferbarkeit«, betonte Griese-Mammen. Ist das verordnete Mittel weder vorrätig noch lieferbar, ist die Abgabe eines pharmakologisch-therapeutisch vergleichbaren Arzneimittels nach Rücksprache beim Arzt und mit Dokumentation auf dem Rezept möglich. »Das ist eine sehr komplexe Situation und hier ist viel pharmazeutische Arbeit gefragt.«

Äquivalenzdosislisten als Hilfe

Als Hilfestellung für die Aut-simile-Substitution haben die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) und die ABDA zahlreiche Vergleichstabellen zu Äquivalenz- und Tagesdosen publiziert, unter anderem für ACE-Hemmer, Sartane, Bisphosphonate, Triptane und Statine. Auch die Pharmazeutische Zeitung hat zu zahlreichen Wirkstoffklassen bereits publizierte Tabellen zusammengestellt.

Laut Griese-Mammen gibt es noch keine Hinweise, bei welchen Wirkstoffen die Aut-simile-Substitution als erstes relevant wird, »obwohl wir unser Ohr sehr nah an den Apotheken haben«. Zunächst habe man sich auf die Wirkstoffklassen konzentriert, für die es schon viel Evidenz zu Äquivalenzdosen gibt und daher rasch evidenzbasierte Tabellen erstellt werden konnten. Die Listen würden laufend aktualisiert und erweitert, versicherte die Apothekerin.

Auf Indikation, Dosierung und Interaktionen achten

Bei der Aut-simile-Substitution schlägt der Apotheker dem Arzt ein anderes Präparat vor. »Informieren Sie sich vorab gut, was verfügbar ist von dem, was einsetzbar wäre, bevor Sie den Arzt konsultieren«, riet Griese-Mammen im Webcast. »Schlagen Sie nur vor, was tatsächlich vorrätig oder lieferbar ist.«

Auch fachlich ist viel zu beachten. Es gebe zum Beispiel Vergleichstabellen, die hinsichtlich der Indikationen unterscheiden; so würden ACE-Hemmer und Sartane zum Beispiel bei Herzinsuffizienz und Hypertonie eingesetzt. Sie empfiehlt daher, den Patienten zu fragen, wie, in welcher Dosierung und für welche Indikation er seine Medikation einnimmt.

Zudem müsse man prüfen, welchen Dosisbereich andere Wirkstoffe der gleichen Klasse haben und zum Beispiel Statine mit hoher Wirkstärke gegeneinander austauschen. Auch ein Interaktionscheck sei geboten. Nehme der Patient zum Beispiel neben Rosuvastatin noch Amiodaron ein, seien Simvastatin und Atorvastatin als Austauschpräparat aufgrund pharmakokinetischer Wechselwirkungen möglichst zu vermeiden. Ebenso müsse der Apotheker Kontraindikationen und die Nierenfunktion des Patienten bei der Wahl eines Aut-simile-Wirkstoffs beachten .

»Schauen Sie auch in Leitlinien nach.« Bei Antibiotika könne es sinnvoll sein, einen Wirkstoff einer anderen Substanzklasse auszuwählen. Es gebe aber auch Fälle, in denen aut-simile »ein echtes Problem« wäre, sagte Griese-Mammen mit Verweis auf Levothyroxin. »Hier gibt es gibt keinen äquivalenten Arzneistoff.« Man könne nur hoffen, dass dieser Fall nicht eintrete.

 

Mehr von Avoxa