| Jennifer Evans |
| 28.11.2025 08:00 Uhr |
Nicht jedes Lächeln ist gleich – manche entstehen aus echter Freude, andere aus sozialer Pflicht. Eine Expertin erklärt den Unterschied. / © Adobe Stock/Gerhard Seybert
Neurologisch zeigt sich ein klarer Unterschied: Echtes Lächeln entsteht im limbischen System, insbesondere in der Amygdala, und läuft unwillkürlich ab. Unechtes Lächeln hat seinen Ursprung im motorischen Kortex und unterliegt bewusster Kontrolle.
Das sogenannte Duchenne-Lächeln, das nach dem französischen Physiologen Guillaume-Benjamin Armand Duchenne de Boulogne aus dem 19. Jahrhundert benannt ist, signalisiert echte Freude. Es aktiviert zwei Muskelgruppen: um die Mundwinkel und um die Augen. Der Risorius-Muskel zieht die Mundwinkel nach außen, der Musculus zygomaticus major hebt sie an. Und der kreisförmige Orbicularis oculi strafft die Augenpartie und erzeugt die charakteristischen Krähenfüße.
Falsches Lächeln beschränkt sich meist auf die Mundpartie. Wenn die Augen unbeteiligt bleiben, wirkt es mechanisch, wie Dr. Michelle Spear, Anatomie-Professorin an der Universität Bristol, in ihrem Beitrag auf der Wissenschaftsplattform »The Conversation« berichtet. Der Orbicularis oculi lasse sich jedoch nicht willentlich steuern – selbst Schauspieler griffen dabei auf echte Emotionen zurück, um glaubwürdig zu wirken.
Spear verweist auf Studien, die belegen, dass schon Säuglinge im Alter von 10 Monaten echtes und falsches Lächeln unterscheiden können. Evolutionär habe dies womöglich geholfen, Vertrauenswürdigkeit einzuschätzen, wahre Verbündete zu erkennen und Täuschungen zu vermeiden.
Laut Spear ist gekünsteltes Lächeln aber nicht per se böswillig. Es erfüllt soziale Funktionen, signalisiert Höflichkeit, entschärft Konflikte und zeigt Respekt. Es dient dem, was Soziologen Emotionsarbeit nennen, also dem Steuern der eigenen Mimik, um gesellschaftlichen Erwartungen gerecht zu werden.
Die Wissenschaftlerin weist ebenfalls auf die Gefahr hin, dauerhaft ohne echte Gefühle zu lächeln. Das passiere häufig in Dienstleistungsberufen oder im Gesundheitswesen und könne Stress, Burn-out und sogar Herz-Kreislauf-Belastungen nach sich ziehen.