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ABDA-Präsident zum Tag der Apotheke

»Von Apotheken lernen, heißt siegen lernen«

ABDA-Präsident Friedemann Schmidt zeigte sich zufrieden mit der Leistung der Apotheken, aber auch mit der entsprechenden Gesundheitspolitik während der Coronavirus-Krise. Trotzdem pochte er auf gesetzliche Nachbesserungen.
Charlotte Kurz
04.06.2020  14:46 Uhr

Zum Tag der Apotheke zog ABDA-Präsident Friedemann Schmidt am Donnerstag eine Zwischenbilanz des Jahres 2020. »Deutschland ist bisher gut durch die Corona-Pandemie gekommen«, zeigte sich der Apotheker während der Online-Pressekonferenz zuversichtlich. Insbesondere Situationen, die in Italien, Spanien oder den USA Ärzte dazu zwang zu entscheiden, welche Covid-19-Patienten zuerst behandelt werden sollten, blieb dem deutschen Gesundheitspersonal erspart.

Die mangelnde Versorgung mit persönlicher Schutzausrüstung und die teils deutlichen Lieferengpässe führten jedoch zu praktischen Problemen in den Apotheken. In unzähligen politischen Krisensitzungen erst vor Ort und später dann virtuell habe die Regierung aber sehr schnell und angemessen gehandelt, so der ABDA-Präsident. »Wir wurden dabei früh als wichtiger Mitspieler erkannt«, resümierte Schmidt.

Eine der wichtigsten Reaktionen der Politik: Die Allgemeinverfügungen mit Ausnahmen der europäischen Biozid-Verordnung, die es den Apotheken ermöglicht hatte, in den eigenen Räumen Hände- und Flächendesinfektionsmittel selbst herzustellen. Schmidt trat dabei auch selber in Aktion. Als Inhaber einer Leipziger Apotheke bestellte der 56-Jährige in den ersten Wochen der Coronavirus-Krise 500 Liter reinen Trinkalkohol und produzierte über Wochen hinweg in seiner Offizin Desinfektionsmittel. Auch wenn die klassische Arzneimittelherstellung in den Apotheken viel weniger stattfinden würde, als noch vor 20 oder 30 Jahren, habe dies gezeigt, wie wichtig es sein kann, dass die Apotheker über diese Kompetenzen verfügen und in Krisenzeiten wiedereinsetzen könnten, meinte Schmidt.

50 Prozent mehr Botendienste 

Die Offizinen bewiesen sich demnach als verlässlichen Bestandteil des Gesundheitswesens. »Nur 30 von 19.000 Apotheken mussten aufgrund der Krise zeitweise schließen«, betonte Schmidt. Die Apothekerschaft habe dabei keine Kosten und Maßnahmen gescheut, um den Betrieb aufrechtzuerhalten: Plexiglasabtrennungen, Zugangsbeschränkungen oder eine Flexibilisierung der Öffnungszeiten hätten mit zu einer flächendeckenden und sicheren Gesundheitsversorgung in Deutschland geführt. Auch der Fokus auf Botengänge, um Kontakte zu vermeiden, sei erfolgreich gewesen. Mit täglich 450.000 Botendienste gab es laut Schmidt eine 50-prozentige Steigerung im Vergleich zur Situation vor der Coronavirus-Pandemie.

Da sich die Krisensituation aktuell etwas entspanne, sei es umso wichtiger über politische Maßnahmen nachzudenken, wie etwa über Entfristungen einiger sinnvoller, aber temporär geregelter Rahmenbedingungen. 

Politische Forderungen

Konkret fordert Schmidt drei politische Maßnahmen: Erstens pocht er auf die Einbringung des seit einem Jahr vorliegenden Kabinettsentwurf eines Vor-Ort-Apothekenstärkungsgesetzes (VOASG) in den parlamentarischen Prozess. Als wichtigen Teil dessen sieht er die Notwendigkeit von einheitlichen Abgabepreisen für verschreibungspflichtige Medikamente. Er erinnerte dabei an das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) im Oktober 2016, dass sich ausländische Versandapotheken hierzulande nicht mehr an die Preisbindung für rezeptpflichtige Arzneimittel halten müssen.

Zweitens begrüßte Schmidt das Patientendaten-Schutzgesetz (PDSG), dass bereits im Bundestag angekommen ist. »Was wir jetzt noch haben wollen, ist zusätzlich zu diesem rechtlichen Schutzrahmen auch noch einen technischen Schutzrahmen«, forderte er. Diese Umsetzung sei wichtig, um einen einheitlichen, von Fremdeinflüssen freigestellten Betriebsweg des E-Rezepts zu ermöglichen.

Die dritte politische Forderung bezieht sich insbesondere auf die Botendienstregelung, aber auch auf kleinere Entbürokratisierungsmaßnahmen. »Ich wünsche mir, dass wir aus der Pandemie erste Lektionen lernen und möglichst viel von dem, was wir erreichen konnten, auch in die Regelversorgung hinüberschieben können«, sagte Schmidt. Die schnell umgesetzten, befristeten Eilverordnungen müssen jetzt entfristet werden, so der ABDA-Präsident.

Die entsprechenden Maßnahmen sollen dem Apothekenpersonal mehr Zeit für die Patientenversorgung einräumen. Gerade während der Coronavirus-Krise habe sich gezeigt, dass die Menschen die Apotheker vor Ort häufig konsultierten. »Wir Apotheker können die Diskussion versachlichen, Expertise einbringen und eine Vorbildwirkung entfalten, wie sich die Menschen im Rahmen der Lockerungen zu verhalten haben«, betonte Schmidt. Auf ein altes Sprichwort bezogen schmunzelte er: »Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen, das hat nicht geklappt, aber von Apotheken lernen, heißt siegen lernen. Das kann das Gesundheitswesen tatsächlich tun«.

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