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Coronavirus-Pandemie

Vorerst keine flächendeckenden Schulschließungen

In der Corona-Krise ändert sich täglich die Lage. Vorerst bleibt es aber dabei: Es gibt noch keine flächendeckenden Schulschließungen, wie in anderen Ländern. Das könnte aber in wenigen Tagen schon anders aussehen.
dpa
12.03.2020  17:28 Uhr

Eine deutschlandweite Schließung von Schulen wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus ist weiterhin nicht geplant. Einige Universitäten, zum Beispiel alle Hochschulen in Badenwürttemberg und die Uni des Saarlandes, hatten dagegen gestern und heute angekündigt, die Semesterferien ausdehnen zu wollen.

Flächendeckende Schulschließungen sind nach einem Treffen der Ministerpräsidenten mit der Bundesregierung heute im Kanzleramt kontrovers diskutiert worden. In einem Beschlusspapier hieß es: «In Regionen und Bundesländern mit sich abzeichnendem dynamischen Ausbruchsgeschehen ist die Verschiebung des Semesterbeginns an den Universitäten sowie die vorübergehende Schließung von Kindergärten und Schulen, etwa durch ein verlängerndes Vorziehen der Osterferien, eine weitere Option.» Die Entscheidung obliege jeweils den Ländern. In Deutschland kündigte Halle in Sachsen-Anhalt am Donnerstag als erste deutsche Großstadt an, an alle Kindertagesstätten und Schulen vorerst zu schließen. Gelten soll das von diesem Freitag an bis zum 27. März.

In Deutschland gibt es laut Statistischem Bundesamt – einschließlich Berufsschulen – rund 43.000 Schulen mit 11 Millionen Schülern und 820.000 Lehrern. Für die Schulen sind die Bundesländer selbst zuständig. Entsprechend wurde und wird bislang je nach Lage von den Behörden in den Ländern entschieden, ob eine Bildungseinrichtung geschlossen wird oder nicht. In anderen europäischen Ländern können solche Entscheidungen zentral getroffen werden. 

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sprach sich zum jetzigen Zeitpunkt gegen eine flächendeckende Schließung von Schulen aus: «Es ist nicht einfach die Frage: Wir machen alles dicht und dann ist das Problem gelöst», sagte sie. Man versuche, einen Normalbetrieb so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Karliczek verwies wie zuvor schon Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) darauf, dass Eltern auch Betreuung für ihre Kinder bräuchten. Viele arbeiteten in der Pflege, bei der Feuerwehr oder im Gesundheitssystem. Jede Entscheidung habe viele Folgen.

Betreuung für Kinder von Eltern mit bestimmten Berufen

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher hat angemahnt, im Fall einer Schließung von Schulen und Kitas in der Coronavirus-Krise die Betreuung von Kindern mit Eltern in wichtigen Berufen sicherzustellen. «Wir können nicht riskieren, alle Kindergärten zu schließen, alle Schulen zu schließen, und dann vielen Menschen nicht mehr die Möglichkeit zu geben, als Krankenschwester Krankenpfleger Arzt oder Ärztin zum Dienst zu erscheinen», sagte der SPD-Politiker am Donnerstagabend. Wer in Krankenhäusern, in wichtigen Versorgungseinrichtungen oder im Staatsdienst gebraucht werde, müsse die Kinderbetreuung organisiert bekommen. Man müsse pragmatisch und konsequent handeln, die Länder träfen die Entscheidung, sagte Tschentscher

Vom Deutschen Lehrerverband (DL) hieß es am Donnerstag, man sei bei der Frage weiterhin mehrheitlich der Auffassung, der Expertise des Gesundheitsministeriums und des Robert Koch-Instituts zu folgen. Bisher gebe es von dort keine Empfehlung für generelle Schulschließungen, sagte DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger. Er rief aber alle Schulen dazu auf, sich auf mögliche Schulschließungen vorzubereiten. Sie sollten ausloten, wie Schüler weiter mit Unterrichtsmaterialien versorgt werden könnten.

Unterschiedliche Handhabung in Europa

Italien, Österreich, Frankreich, Polen, Griechenland, Tschechien, Dänemark und die Ukraine haben entweder landesweite Schulschließungen geplant oder bereits alle Schulen geschlossen. Die Maßnahmen schafften Probleme für Eltern, die die Betreuung organisieren müssten, sagte die kroatische Bildungsministerin Blazenka Divjak für den EU-Ratsvorsitz am Donnerstag in Brüssel. Die Sicherheit und Gesundheit der Schüler gehe jedoch vor. Divjak hatte mit zahlreichen europäischen Amtskollegen in einer Videokonferenz über die Lage beraten.

Die EU-Staaten hätten je nach Ausbreitung des Virus unterschiedliche Maßnahmen ergriffen. Etwa ein Drittel der Länder habe sämtliche Schulen geschlossen, sagte Divjak nach der Konferenz, an der nach ihren Angaben etwa 20 Minister teilnahmen. Ein Drittel habe Schulen und Hochschulen in bestimmten Regionen geschlossen. Ein weiteres Drittel der Mitgliedstaaten führe bislang den normalen Schulbetrieb fort. Die Ministerin machte zugleich deutlich, dass die Lage dynamisch sei: «Die Situation ändert sich von Stunde zu Stunde.»

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