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PZ App-Check

Virtuelle Asthma-Trainer

Sie motivieren zu mehr Bewegung, optimieren den Inhalationsvorgang oder erkennen drohende Anfälle besonders früh: Für Asthma stehen einige Apps bereit. Was können die digitalen Helfer?
Laura Rudolph
12.09.2022  18:00 Uhr

Körperliche Aktivität ist essenziell für Menschen mit Asthma. Sie verbessert die Lebensqualität und lindert Symptome. Das zeigt nun auch eine systematische Übersichtsarbeit eines Forschungsteams der University of East Anglia in Norwich in England, veröffentlicht im »Journal of Health Psychology«. Die Analyse schließt 25 Einzelstudien ein.

Bewegung und pulmonale Rehabilitation kommen in der Praxis jedoch häufig zu kurz. Eine mögliche Alternative: Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), die auch zu Hause eine effektive Asthma-Selbstkontrolle sowie eine optimierte Pharmakotherapie ermöglichen und zum körperlichen Training animieren. Bislang gibt es für die Indikation Asthma noch keine im DiGA-Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gelisteten Apps. Die nachfolgend vorgestellten Gesundheits-Apps verfügen jedoch alle über das PneumoDigital-Siegel der Deutschen Atemwegsliga, welche sie als qualitativ, vertrauenswürdig und nutzerfreundlich auszeichnet.

breazyTrack

Eine davon ist »breazyTrack« von Breazy-health aus Potsdam. Anwenderinnen und Anwender können mithilfe des Medizinprodukts der Klasse I täglich wichtige Asthma-Kenngrößen wie Lungenparameter, Peak-Flow-Werte sowie Symptome dokumentieren und welche Medikamente sie einnehmen. Zusätzlich gibt es Atemübungen.

Zwei optionale Pro-Module für jeweils 1,99 Euro pro Monat ergänzen die kostenlose Basisversion. Das Modul »Dein Patientenreport« erzeugt einen PDF-Bericht aus allen eingegebenen Gesundheitsdaten, übersichtlich ausgewertet als Diagramme und Tabellen. Das Pro-Modul »Asthmawetter« informiert über den Wettereinfluss auf das Asthma und gibt die aktuelle Reizstoffkonzentration in der Luft an – inklusive Belastungsvorhersage für drei Tage.

Versicherte der Techniker Krankenkasse (TK), die am TK-Plus-Programm Asthma teilnehmen, erhalten breazyTrack mit allen Pro-Modulen für zwölf Monate kostenfrei. Den Zugang können sie sich über den passwortgeschützten Bereich der Internetseiten der TK sichern.

SaniQ Asthma

Die kostenlose App »SaniQ Asthma« der Qurasoft in Koblenz ist als Medizinprodukt der Klasse I zertifiziert und richtet sich allgemein an Menschen mit chronischen Lungen- oder auch Herzerkrankungen. In einem digitalen Gesundheitsbuch können Anwender Vitalwerte und Symptome eintragen. Ebenso lässt sich ein Plan über die Medikamente anlegen. Ein Wecker erinnert daran, diese einzunehmen. Zeitsparend: Anstatt die Werte manuell einzugeben, können Nutzer auch bestimmte kompatible Bluetooth-Geräte erwerben, die die Werte automatisch übertragen.

Um die App nutzen zu können, benötigen Anwenderinnen und Anwender einen Aktivierungscode von einem Arzt, Krankenhaus oder einer Forschungseinrichtung, welche die SaniQ-Plattform nutzen. Diese Plattform ermöglicht zudem die automatische Übermittlung der in die App eingetragenen Gesundheitswerte an den behandelnden Arzt. Dieser kann den Anwender dann auch über die App per Chatfunktion oder Telemedizin beraten.

Entzündungswerte einschätzen und richtig inhalieren

In der kostenlosen App »Vivatmo« der Firma Bosch Healthcare Solutions in Waiblingen lassen sich in einem digitalen Asthma-Tagebuch unter anderem Peak-Flow-Werte, eingenommene Medikamente und Symptome notieren. Die App zeigt zudem die Pollenbelastung des aktuellen Standorts an. Vivatmo lässt sich mit dem fast gleichnamigen kompatiblen, käuflich erwerbbaren Messgerät Vivatmo me für fraktioniertes exhaliertes Stickstoffmonoxid (FeNO) koppeln. FeNO ist ein Entzündungsmarker in der Atemluft und gibt dem Anwender wichtige Hinweise, wie stark das Asthma die Lunge aktuell belastet. Das Messgerät kostet mehrere hundert Euro.

Der digitale Inhalationscoach »Kata« der Firma VisionHealth in München ist ein Medizinprodukt der Klasse IIa und veranschaulicht, wie man mit Dosieraerosolen korrekt inhaliert. Die App durchlief bereits in der Ausgabe 20 den PZ App-Check zur Indikation COPD. Mittels künstlicher Intelligenz und Kamerafunktion bewertet die App die Inhalation und bietet gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge.

Fit bleiben und Asthmaanfällen vorbeugen

Ebenfalls sehr praxisbezogen, jedoch in Richtung körperliches Training, ist die App »Atemwege gemeinsam gehen« der Pharmafirma Astra-Zeneca. Sie dient dazu, Menschen mit Asthma zu mehr Bewegung und Aktivität zu motivieren. Es handelt sich um ein Programm mit Übungen für Kraft- und Ausdauertraining, teilweise mit Video-Anleitung. Vor der App-Nutzung sollte eine sportmedizinische Untersuchung erfolgen. Diese dient dazu, die individuelle maximale Herzfrequenz zu ermitteln, die beim Training als Obergrenze gilt. Je nach körperlicher Verfassung können die Nutzerinnen und Nutzer zwischen einfachen und intensiveren Einheiten wählen.

Eltern von Kindern mit Asthma bekommen mit dem »OMROM Asthma Diary« eine kostenlose Asthmatagebuch-App an die Hand. Sie dient vorwiegend der Asthma-Kontrolle beim Nachwuchs. Es lassen sich etwa Atemnotepisoden, Asthma-Symptome und -Auslöser erfassen. Die App ist koppelbar mit einem zugehörigen Atemgeräuschsensor für circa 170 Euro. Das Gerät soll selbst sehr leise Keuchgeräusche detektieren, die auf einen beginnenden Asthmaanfall hindeuten können. Dazu wird die Messfläche des Sensors auf die Brust des Kindes aufgelegt. Auf diese Weise können Eltern im Ernstfall schneller handeln.

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