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AKWL-TV

Viele Fragen rund ums Impfen in der Apotheke

Kurz vor dem Start der Covid-19-Impfungen in den Apotheken haben viele Pharmazeuten noch Fragen zu den Details, zum Beispiel den Räumlichkeiten. Antworten gab es bei der Kammer-Informationsveranstaltung AKWL-TV.
Daniela Hüttemann
21.01.2022  16:30 Uhr

Sowohl Impfwillige als auch Pharmazeuten fragen sich, wann es denn nun wirklich los geht mit den Corona-Schutzimpfungen in den Apotheken. Laut Frank Dieckerhoff, Vizepräsident der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL), soll in den nächsten Tagen die Anbindung der Apotheken an das Impf-Surveillance-System »Digitales Impfquotenmonitoring«, DIM, erfolgen. Das ist notwendig, damit die Apotheken alle verabreichten Impfdosen anonym an das Robert-Koch-Institut melden können, um so die Impfquote zu erfassen. Und auch die ersten Bestellungen für das Impfstoffkontingent per eigener Pharmazentralnummer soll in wenigen Tagen soweit sein. Mit dem tatsächlichen Impfen könnte es dann in den teilnehmenden Apotheken Anfang Februar losgehen.

Eine Trend-Umfrage bei der Online-Liveveranstaltung AKWL-TV am Mittwochabend zeigte, dass von den mehr als 200 Teilnehmern der Großteil sofort dabei sein will oder zumindest die nötige Schulung absolvieren will. »Das ist ermutigend«, freute sich Dieckerhoff und wies daraufhin, dass die AKWL bis Ende Januar 60 Praxisschulungen für jeweils 20 Teilnehmer anbieten will, sodass 1200 Apothekerinnen und Apotheker im Kammergebiet von der Qualifikation her impfbereit wären.

Zwar stimmten auch einige dafür, dass sie erst einmal abwarten oder definitiv nicht impfen wollen. Dafür hatte AKWL- und ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening jedoch volles Verständnis: »Vielleicht gibt es keinen Bedarf in der Umgebung, weil es genug Impfangebote gibt, oder es fehlt an Personal oder geeigneten Räumen.« Die Apotheken seien ja bereits mit ihren jetzigen Aufgaben »gut ausgelastet«.

Voraussetzung für die Aufnahme der Impftätigkeit ist eine Selbstauskunft gegenüber der Kammer,

  1. dass die ausübende Person dazu berechtigt ist, also die entsprechende Schulung absolviert hat,
  2. dass das Impfen in geeigneten Räumlichkeiten mit passender Ausstattung stattfinden wird, und
  3. dass eine Betriebshaftpflichtversicherung existiert, die mögliche Schäden durch die neue Tätigkeit abdeckt.

Die Kammer hat ein entsprechendes Online-Formular auf ihrer Website vorbereitet. Zudem müssen alle Angehörigen des jeweiligen Apothekenbetriebs gegen Masern geimpft sein; die Impfenden auch gegen Covid-19 und Hepatitis B.

Was ist mit externen Räumen?

Apotheker und Ministerialrat Dr. Reinhard Kasper, als Referatsleiter Pharmazie und Medizinprodukte im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen tätig und damit NRWs »oberster Landesapotheker«, stellte klar, dass auch externe Räumlichkeiten für Impfangebote genutzt werden können. »Der Verordnungsgeber will keine zu hohen bürokratischen Hürden«, versicherte er. Die Behörden dürften Ausnahmen gestatten, wenn das apothekerliche Impfen außerhalb der in der Betriebserlaubnis der jeweiligen Apotheke umfassten Betriebsräume nicht stattfinden kann. Denn die Regelversorgung soll durch das zusätzliche Impfangebot nicht eingeschränkt werden.

Neben der Hygiene und den Zugangsbedingungen sei es wichtig, dass es einen Wartebereich auch nach dem Impfen gibt für die empfohlene Wartezeit von 15 Minuten. Denkbar sei beispielsweise der Tanzraum der Gaststätte gegenüber, brachte Kasper ein Beispiel. »Mit Blick darauf, ob der vorgesehene Raum innerhalb der Apotheke oder externe Räumlichkeiten genutzt werden können, empfehle ich eine Kontaktaufnahme mit dem Amtsapotheker beziehungsweise der Amtsapothekerin«, riet der Ministerialbeamte. Die interessierten Apotheken könnten sicher sein, dass gemeinsam pragmatische Lösungen gefunden werden.

Ein zusätzliches und niederschwelliges Angebot

Denn schließlich ist das große Ziel, die Impfquote zu erhöhen. »Ähnlich wie wir das schon bei den Modellvorhaben zur Grippeschutzimpfung gesehen haben, können wir durch ein niederschwelliges Impfangebot noch mehr Bürgerinnen und Bürger erreichen«, glaubt der Ministerialrat. Bei der Grippeimpfung habe sich gezeigt, dass Menschen in die Apotheke kommen, die sich zuvor beim Arzt nicht impfen ließen.

»Wir genießen ein so großes Vertrauen bei den Patientinnen und Patienten. Dies gibt uns die Chance, ein wichtiger Akteur innerhalb der Impfkampagne zu sein«, ist sich Präsidentin Overwiening sicher. »Wir wollen den Ärztinnen und Ärzten nicht etwas wegnehmen, sondern zusätzliche Gruppen erreichen und so gemeinsam die Impfquote weiter steigern.« 

Feste Zeiten für Impfangebote einplanen

Neben der optionalen Teilnahme müsse aber auch klar sein, dass es kein Rund-um-die-Uhr-Impfangebot in den Apotheken geben kann. Ein jederzeit verfügbares apothekerliches Impfen, analog zur Arzneimittelversorgung in der öffentlichen Apotheke, sei nicht darstellbar, sagte Vizepräsident Dieckerhoff, der im Rahmen des Modellprojekts bereits gegen Grippe in seiner Dortmunder Apotheke impft. »Das macht man nicht einfach mal so nebenbei. Wir können allen nur empfehlen, Impfangebote zu festen, planbaren Zeiten zu unterbreiten« – auch für eine einfachere Personalplanung. Das könne zum Beispiel der Mittwoch- oder Samstagnachmittag sein, wenn weniger los ist.

Kasper erläuterte, dass Apotheken in NRW grundsätzlich rund um die Uhr laut Ladenschlussgesetz geöffnet sein dürften, außer an Sonntagen, da dürfe nur ein Teil geöffnet sein. Doch hier könne die Apothekerkammer Ausnahmen erteilen.

Darüber hinaus dürfen geschulte Apotheker impfen, wenn sie in andere Strukturen wie Impfzentren oder mobile Impfteams eingebunden sind, nur nicht auf eigene Faust, also nicht in eigener Verantwortung, sondern ärztlicher Aufsicht. Sogenannte »aufsuchende Impfungen«, also klassische Hausbesuche, seien Apothekern nicht erlaubt, erklärt Kasper. Hat eine Apotheke jedoch einen Versorgungsvertrag mit einem Seniorenheim, sei dort ein apothekerliches Impfen denkbar.

Die Erlaubnis zum Impfen gegen Covid-19 gilt übrigens erst einmal nur bis zum 31.12.2022. Dann müsse laut Kasper ausgewertet werden, ob das Impfen in der Apotheke zum Erfolg geworden ist. »Wenn es glückt, schauen wir, wie der Bedarf ist, das Impfen in der Apotheke weiterzuentwickeln«, so Overwiening.

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