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Verliert das Schaufenster an Bedeutung?

Einkaufen per Mausklick – bequem, schnell und anonym. Welche Relevanz hat die gute alte Schaufensterdekoration in der digitalen Welt noch für eine Apotheke? Einen großen, betont die Konsumforscherin Professor Dr. Andrea Gröppel-Klein gegenüber der PZ.
Jennifer Evans
14.07.2021  15:00 Uhr

In der Coronavirus-Krise hat der Onlinehandel einen Boom erlebt. Auch die Apotheken bekamen zu spüren, dass viele Kunden und Patienten zu Arzneimittelversendern im Netz abgewandert sind. Eine Zeit, in der Schaufensterdesign in der Offizin wieder mehr an Bedeutung gewinnt, um die Aufmerksamkeit der Kunden zu bekommen? Professor Dr. Andrea Gröppel-Klein, Direktorin des Instituts für Konsum- und Verhaltensforschung an der Universität des Saarlandes, zählt im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung auf, worauf es ankommt und womit Apotheken punkten können.

Grundsätzlich hat die Schaufenstergestaltung in den vergangenen Jahren nichts von ihrer Bedeutung verloren. Im Gegenteil: »Sie hat immer mehr an Professionalität gewonnen«, so Gröppel-Klein. Die Coronavirus-Krise könne für einige Betriebe eine Chance darstellen, ist sie überzeugt. Schließlich geht es in ihren Augen nicht allein darum, Arzneimittel-Onlineshopper wieder zurück in die Apotheke vor Ort zu holen, sondern auch darum, Kunden anzusprechen, die wegen der Abstandsregeln draußen vor der Offizin in der Schlange stehen müssen. Beim Warten steige die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Schaufenster zu beschäftigen und dort dann etwas zu entdecken.

Laut Konsumverhaltensforschung sollte das Design eines Schaufensters in drei Bereichen sogenannte Stopping Power haben. Gemeint sind emotionale, intensive und überraschende Reize, erläutert die Wissenschaftlerin. Für die Gestaltung einer Apotheke eignen sich aus ihrer Sicht insbesondere klare Farben und Abbildungen von berührenden Gesichtern. Auch eine bestimmte Saison, wie etwa die Erkältungs- oder Heuschnupfenzeit, lasse sich bildlich prima umsetzen. Gröppel-Klein rät, sich die Möglichkeiten der Digitalisierung zunutze zu machen, um die Kundenzufriedenheit zu erhöhen. »Zum Beispiel können Filme im Schaufenster ablaufen oder QR-Codes sichtbar zum Scan bereitstehen, um dem Kunden weitere Informationen zu liefern.« Entscheidend dabei sei aber, eine gesunde Balance zwischen Reizüberflutung und Langeweile zu kreieren.

Digitale Dekoration

Ebenso lassen sich hinter der Scheibe Hinweise zu speziellen Leistungen des Betriebs gut in Form von Fotos präsentieren. Erfahrungen aus Frankreich haben Gröppel-Klein zufolge gezeigt, dass etwa eine Schnellkasse in der Apotheke, an der ein Kunde anonym sein Präparat kaufen kann, einen Mehrwert darstellt. Einen solchen zusätzlichen Service oder weitere Kernkompetenzen eines Betriebs bereits im Schaufenster anzusprechen, hält sie für einen sehr guten Weg, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Doch auch dabei ist das richtige Maß gefragt. »Eine Apotheke sollte darauf achten, dass beispielsweise bei der szenischen Präsentation von Sonnenschutzmitteln nicht plötzlich die Bademode in den Vordergrund rückt«, betont Gröppel-Klein.

Ihrer Auffassung nach könnten Pharmazeuten außerdem über das Schaufenster Interesse für ihr Unternehmen wecken, indem sie zeigen, wie Salben oder Shampoos von Hand hergestellt werden. Dieser Trend sei derzeit vor allem im Luxusmarkensegment zu beobachten. »Das Präsentieren einer Handwerkskunst hebt insbesondere die Wertigkeit der Produkte hervor und macht damit gleichzeitig ihren Preis nachvollziehbarer«, so die Konsumforscherin.

Generell empfiehlt sie, die Dekoration hinter den Scheiben etwa einmal pro Monat zu wechseln. Es muss sich dann nicht um eine aufwendige Umgestaltung handeln. »Die Digitalisierung ermöglicht zum Glück, auf einem Monitor leicht neue Fotos einzuspielen und so relativ schnell ein ganz neues Thema im Schaufenster darzubieten.« 

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