Pharmazeutische Zeitung online
Reisemedizin

Urlaub in Zeiten von Corona

Die Grenzen öffnen sich langsam und die weltweite Reisewarnung wird gelockert: So ganz muss auf Urlaub in diesem Sommer trotz anhaltener Corona-Pandemie nicht verzichtet werden. Das Centrum für Reisemedizin gibt Tipps für gelungene Ferien.
Christiane Berg
07.06.2020  10:00 Uhr

Ab dem 15. Juni will die Bundesregierung die in Folge der Corona-Pandemie weltweit geltende Reisewarnung für zahlreiche europäische Länder aufheben. Die deutschen Grenzkontrollen zu anderen europäischen

Staaten sollen nach dem Willen von Bundesinnenminister Horst Seehofer Mitte des Monats wegfallen. Auch ein Großteil der anderen EU-Staaten wolle die in der Corona-Krise eingeführten Kontrollen Mitte des Monats aufheben, hieß es am Freitag. Ein kleinerer Teil der Staaten werde dies Ende Juni tun.

Hilfestellung bei der Urlaubsplanung sollen differenzierte Reisehinweise geben, die die Reisewarnung ersetzen werden. Diese Hinweise sollten unbedingt berücksichtigt werden. »Reisende sind zum einen potenziell gefährdet, da sie sich vor Ort anstecken können. Zum anderen sind sie aber auch potenziell gefährdend, da sie die Infektion in andere Länder bringen können«, betont der wissenschaftliche Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM), Professor Dr. Tomas Jelinek, in einer Pressemitteilung. Trotz des Rückgangs der Fallzahlen sei die Gefahr noch nicht gebannt, so Jelinek mit Blick auf die zum Großteil noch unbekannten Charakteristika und Wirkmechanismen des Coronavirus.

Ob im Urlaub oder zu Haus: In der aktuellen Situation gelte es daher weiterhin, nicht nur die Abstands- und Hygieneregeln des Robert-Koch-Instituts (RKI) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) einzuhalten, sondern insbesondere an belebten Orten einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Da europaweit zumeist vorgeschrieben, gehören Masken ebenso wie Desinfektionsmittel in ausreichender Menge ins Reisegepäck, unterstreicht Jelinek.

Vor Antritt einer Reise sollte sich jeder Urlauber zudem genau über die spezifischen Regeln der besuchten Region informieren. Zu bedenken sei stets, dass diese sich kurzfristig ändern können, macht der Reisemediziner mit Verweis auf die Dynamik des Infektionsgeschehens und die diesbezüglichen Hinweise des Auswärtigen Amtes deutlich.

Auf der Website des Auswärtigen Amtes lassen sich unter dem Stichwort »Sicher Reisen« bei Eingabe des Ziels die in dem gewählten Land geltenden Reise- und Sicherheitshinweise abrufen. Es werden unter anderem Einreisebestimmungen, länderspezifische Risiken, zoll- und strafrechtliche Vorschriften sowie die jeweiligen Möglichkeiten der medizinischen Versorgung beschrieben.

Gegebenenfalls rät das Amt von Reisen in bestimmte Regionen auch ab. Teilreisewarnungen werden allerdings nur dann ausgesprochen, wenn eine akute Gefahr für Leib und Leben vorliegt. Die letztliche Entscheidung über den Antritt einer Reise liegt, so heißt es, immer in der Verantwortung des Reisenden selbst.

Reise-Apps runterladen, Aufenthalt registrieren

Neben aktuellen Reise- und Sicherheitshinweisen finden sich Tipps zur Reisevorbereitung oder für Notfälle beziehungsweise Adressen deutscher Auslandsvertretungen auch auf der kostenlosen Reise-App des Auswärtigen Amtes, die bislang von mehr als 400.000 Mal downgeloadet worden ist. Wird das gewählte Urlaubsland entsprechend eingeben, erhält man eine Push-Nachricht, sobald sich bei den Reise- und Sicherheitshinweisen etwas ändert. Die App verfügt außerdem über einen »Ich bin ok«-Button, mit dem Lebenszeichen an Freunde und Verwandte gesandt werden können.

Bundesbürger, die sich kurz- oder langfristig im Ausland aufhalten, können darüber hinaus ihren Aufenthalt online und passwortgeschützt in die Krisenvorsorgeliste »Elefand« (Elektronische Erfassung von Deutschen im Ausland) aufnehmen lassen. Eine effektive konsularische Hilfe und Unterstützung durch deutsche Auslandsvertretungen im Notfall setze voraus, dass Namen, Aufenthaltsorte und Erreichbarkeiten der Reisenden im Ausland und gegebenenfalls auch den im Ernstfall zu kontaktierenden Personen im Inland bekannt sind, so das Auswärtige Amt.

Grundsätzlich seien Reisewege umso sicherer, je mehr Distanz sie zu anderen Menschen ermöglichen, macht das CRM deutlich. Daher sei das Auto zum Beispiel einer Busreise vorzuziehen. Zwar seien Flugzeuge sicher, da die Luft dort mit Virus-sicheren HEPA-Filtern gereinigt werde. Jedoch könnte der Aufenthalt auf den Flughäfen selbst – wie im Übrigen an allen Orten, an denen Menschen aus unterschiedlichen Gegenden auf engem Raum zusammentreffen – zur Gefahr werden und gegebenenfalls auch zur Verbreitung der Viren beitragen. Trotz vermehrter Kontrollen, Befragungen, Temperaturmessungen und in seltenen Fällen auch Entry- beziehungsweise Exit-Untersuchungen, auf die sich jeder Reisende einstellen müsse: Es bleibt immer ein Restrisiko.

Mehr von Avoxa