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Künstliche Intelligenz 

Viele und gute Daten unabdingbar

Bei »Künstlicher Intelligenz« (KI) können jetzt auch die Besucher des 11. Zukunftskongresses des Apothekerverbandes Nordrhein mitreden. Denn Keynote Speakerin Katharina Zweig gab Einblicke in die Grundlagen und Möglichkeiten der KI. Gleichzeitig wies die 42-jährige Professorin auf die »Risiken und Nebenwirkungen« hin.
Julia Endris
19.02.2019
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Zweig gehe es bei Künstlicher Intelligenz um »Transparenz und Qualität in von Menschen gemachten Algorithmen.« Das stellte sie zu Beginn ihres Vortrags klar. KI könne helfen, ausreichend viele und gute Daten sinnvoll zu nutzen. Sie wolle Menschen dazu ermächtigen, die nötige ethische Leitplanken-Diskussion über KI führen zu können. Denn jede künstliche Intelligenz sei nur so gut wie die Informationen, Daten und Regeln, mit der sie gespeist wurde.

Zweit bezeichnet KI als ein »Moving Target«, das sich stetig weiterentwickelt: Der Schachcomputer »Deep Blue« von IBM gewann 1997 erstmals gegen den amtierenden russischen Schachweltmeister Garri Kasparov. Im Jahr 2011 kam dann mit Siri eine Software auf den Markt, die natürlich gesprochene Sprache erkennen und anschließend sinnvoll weiternutzen kann. 2016 besiegte AlphaGo der britischen Firma Google DeepMind den stärksten Go-Spieler der Welt Lee Sedol aus Südkorea. Und damit keine Missverständnisse aufkommen: Go ist ein chinesisches Brettspiel und deutlich komplexer als Schach. Mit Deepl ging dann 2017 ein Übersetzer an den Start, der künstliche neuronale Netze für maschinelles Lernen nutzt und damit noch bessere Übersetzungen liefert.

KI sei letztendlich nichts anderes, als ein »regelbasiertes Expertensystem«, das beispielsweise festestellt, dass bei einer viralen Erkrankung keine Antibiotika helfen oder Fieber vorliegt, wenn die Körpertemperatur über 38,4 Grad liegt, erläutert Zweig. Und so bedürfe es immer auch des Wissens von Experten eines Fachgebietes, um Maschinen und Computern die fachlich relevanten Informationen und richtigen Regeln beizubringen. Informatiker sprechen hier von Ontologien.

KI liefere bei gesundheitlichen Themen nur Entscheidungsgrundlagen, erläutert Zweig. Bei der Analyse und Interpretation von Gesundheitsinformationen bewege sich KI immer zwischen den beiden Extremen der größtmöglichen Spezifität, um keine Gesunden zu beunruhigen und der größtmöglichen Sensitivität, um keinen Kranken zu übersehen.

KI in der Apotheke

Und wie sieht die Zukunft in der Apotheke aus? »Fragen Sie Ihren DocBot oder Apotheke 4.0? Nein!« Zweig kann sich viele medizinische Serviceleistungen auf Basis von KI vorstellen. Beispielsweise im personalisierten Medikations-Management oder bei der Datenerhebung zu Unverträglichkeiten und Nebenwirkungen. Auch böten sich Chancen beim Auslesen und Interpretieren von 24/7 Gesundheitssensoren wie permanenten Langzeit EKG, EEG oder Insulinsensoren. »Wenn Sie es nicht machen, macht es ein anderer«, gibt Zweig den Apothekern zu bedenken. Auch bei personalisierten Medikamenten könne KI den Apotheker zur Formulierung, Dosierung, Qualitätsprüfung und bei der Just-in-time-Produktion unterstützen. Zweig betonte auch, dass die weitere Ausgestaltung von KI zwingend mit dem fachlichen Input von heilberuflicher Seite erfolgen müsse. Sie rief die Apotheker dazu auf, sich aktiv in die Diskussion mit der Politik einzubringen. 

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