Pharmazeutische Zeitung online
Atopische Dermatitis

Tralokinumab vor der Zulassung

Während Biologika seit langem bei Psoriasis eingesetzt werden, sind sie für Patienten mit schwerer atopischer Dermatitis erst im Kommen. Nach Dupilumab könnte der IL-13-Inhibitor Tralokinumab bald neue Optionen eröffnen.
Brigitte M. Gensthaler
19.04.2021  16:30 Uhr

»Interleukin 13 ist wahrscheinlich das Schlüsselzytokin, das die Entzündungsreaktion in peripheren Geweben, das heißt der Haut auslöst«, berichtete Professor Dr. Stephan Weidinger, Klinik für Dermatologie am Campus Kiel, bei einer online-Pressekonferenz der Leo Pharma. Exprimiert wird IL-13 von Immunzellen des angeborenen und des erworbenen Immunsystems. Dieses Zytokin sei in der Haut von Patienten mit atopischer Dermatitis (AD, Neurodermitis) im Vergleich zu hautgesunden Personen massiv hochreguliert, und zwar sowohl in nicht betroffenen als auch in läsionalen Arealen. »Die kutane IL-13-Expression korreliert mit den klinischem Schweregrad der atopischen Dermatitis

Zur Erinnerung: Der monoklonale Antikörper Dupilumab bindet an die gemeinsame α-Untereinheit des IL-4- und IL-13-Rezeptors und hemmt in der Folge den IL4-/IL13-Signalweg. Beide Zytokine sind wichtige Treiber von Erkrankungen, denen eine Typ-2-Inflammation zugrunde liegt; dazu gehören atopische Dermatitis und Asthma. Das Biologikum ist seit Ende 2020 auch für Kinder mit schwerer AD ab sechs Jahren zugelassen. Dupilumab wurde ebenso wie der JAK-Inhibitor Baricitinib bereits in den »Onkoderm-Behandlungspfad Atopische Dermatitis 2020« für die Langzeittherapie bei mittelschwerer bis schwerer AD aufgenommen. 

Dagegen richte sich Tralokinumab speziell gegen das Zytokin IL-13 und verhindere dessen Bindung an den Rezeptor, informierte Weidinger. Auch weitere Biologika wie der IL-13-Inhibitor Lebrikizumab sind in der klinischen Forschung.  Ein anderes Zielmolekül hat Nemolizumab. Der Antikörper bindet an die α-Kette des IL-31-Rezeptors und unterbricht den IL-31-Signalweg. Dieser hat große Bedeutung beim Juckreiz. Für viele Patienten sei die Milderung des Juckens ein sehr wichtiges Behandlungsziel – neben der Reduktion der sichtbaren Hautläsionen, sagte der Dermatologe.

Gute Erfolge in Studien 

Kürzlich wurden die Ergebnisse aus drei Phase-III-Studien mit Tralokinumab publiziert: ECZTRA 1 und 2 zur Monotherapie sowie ECZTRA 3 zur Kombination mit topischen Steroiden.

In den Studien zur Monotherapie erhielten knapp 1600 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer AD 16 Wochen lang jede zweite Woche subkutan 300 mg Tralokinumab (nach einmaliger 600-mg-Startdosis) oder Placebo. Primäre Endpunkte waren ein Investigator's Global Assessment (IGA) Score von 0 oder 1 und eine mindestens 75-prozentige Verbesserung des Eczema Area and Severity Index (EASI 75) in Woche 16. Responder wurden erneut auf Tralokinumab alle zwei oder vier Wochen oder Placebo für 36 Wochen randomisiert. In Woche 16 erreichten deutlich mehr Patienten unter Verum die Zielwerte (IGA-Score: 19 Prozent versus 9 Prozent, EASI 75: 29 versus 12 Prozent; jeweils gemittelt aus beiden Studien). Die Mehrheit der Responder sprach bis Woche 52 auf den Antikörper an, ohne topische Corticosteroide zu benötigen.

In der ECZTRA-3-Studie bekamen 380 Patienten entweder Tralokinumab 300 mg alle zwei Wochen oder Placebo, jeweils kombiniert mit topischen Steroiden bei Bedarf. Nach 16 Wochen erreichten fast 39 Prozent der Teilnehmer aus der Verumgruppe einen IGA von 0/1 (versus 26 Prozent) und 56 Prozent eine 75-prozentige klinische Reduktion des Schweregrads (versus knapp 36 Prozent). Bei rund 90 Prozent der gut ansprechenden Patienten war auch die anschließende vierwöchige Applikation des Antikörpers erfolgreich (bis Woche 32).

Der Dermatologe hob das gute Sicherheitsprofil des Antikörpers hervor. Nebenwirkungen waren in den Verum- und den Placebogruppen ähnlich häufig. Erhöht war jedoch die Rate an Konjunktivitiden unter Tralokinumab (circa 11 versus 3 Prozent; ECZTRA-3).

Hersteller Leo Pharma erwartet die Zulassung für Tralokinumab für Ende Juni 2021. Der Antikörper wird subkutan injiziert, initial 600 mg, danach alle zwei Wochen 300 mg. Wer in Woche 16 ein gutes Therapieansprechen erreicht hat, kann auf ein vierwöchiges Intervall umgestellt werden. Weidinger hält einen Wechsel des Biologikums, also von Dupilumab auf Tralokinumab oder umgekehrt, für sinnvoll, wenn ein Patient auf einen Wirkstoff nicht (mehr) anspricht.

Neuerungen bei den JAK-Inhibitoren

Neuerungen sind auch bei den Januskinase-Inhibitoren zu erwarten. Baricitinib darf seit Herbst 2020 bei Patienten mit atopischer Dermatitis eingesetzt werden und ist bereits im Onkopedia-Behandlungspfad aufgeführt. Die Zulassung der beiden JAK-Inhibitoren Upadacitinib und Abrocitinib für die Indikation AD sei in 2021 zu erwarten, berichtete Weidinger in der PK.

Vorteil der JAK-Hemmstoffe: Die Beschwerden, vor allem der Juckreiz, werden sehr rasch gelindert. Eventuell könne man diese Wirkstoffe bei schwer belasteten Patienten daher vor den Biologika einsetzen, sagte der Arzt. Man müsse aber auf Interaktionen mit anderen Medikamenten achten.

Mehr von Avoxa