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Kommentar

The Masked Chaos

Drei Nüsse für Aschenbrödel, drei Masken für jedermann. Oder wie stellt sich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Maskenball in der Adventszeit, an Weihnachten und zwischen den Jahren vor? Das Masken-Chaos in und vor den Apotheken ist vorprogrammiert, stellenweise ist es schon im Gange. Noch ist es aber nicht zu spät. Der Minister sollte zügig nachbessern. Ein Kommentar von PZ-Chefredakteur Sven Siebenand.
Sven Siebenand
10.12.2020  18:00 Uhr

Der Entwurf zur Coronavirus-Schutzmasken-Verordnung aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) ist doch hoffentlich tatsächlich das, was er verspricht zu sein: ein Entwurf. Schnell ist der Minister fast immer und daher sollte es kein Problem für ihn sein, diesen Entwurf zeitnah ins Reine zu bringen. Noch bleibt Zeit, um nachzubessern und um wichtige Detailfragen zu beantworten. Denn insbesondere bei den Vorschlägen zur ersten Abgabe-Welle im Dezember gibt es massiven Nachbesserungsbedarf. Da sind sich wohl alle Apothekerinnen und Apotheker einig.

Zur Erinnerung: Der Nacht- und Notdienstfonds soll 491 Millionen Euro an die Apotheken verteilen – auf Basis der Rx-Absätze der einzelnen Apotheken im 3. Quartal 2020. Bevor die Abgabe überhaupt starten kann, muss doch aber jede Apotheke erst einmal erfahren, bis zu welcher Summe sie Masken abgeben kann, damit wirtschaftlich kein Schaden entsteht. Es ist ja damit zu rechnen, dass der Run auf die Masken gerade zu Beginn der Verteilaktion immens sein wird.

Wie soll Missbrauch verhindert werden?

Absolut unrealistisch ist der Vorschlag, in der Apotheke zu prüfen, wer von den Unter-60-Jährigen einen Anspruch auf die drei kostenfreien Masken hat. Glaubt der Minister, dass Apotheken in der derzeitigen Situation Zeit für weitere Diskussionen im HV haben? Und wie wird verhindert, dass die Risikogruppen oder auch Nicht-Berechtigte zum Apotheken-Hopping animiert werden und sich mit Masken en masse, vielleicht auch für Familie und Freunde, eindecken? Wird das einfach so hingenommen und ist das vom Minister so einkalkuliert?

Grundsätzlich ist die staatlich subventionierte Bereitstellung von Masken für Risikogruppen sicher gut gemeint. Denn klar ist: Sind die Risikogruppen besser geschützt, entspannt sich die gesamte Lage. Man fragt sich nur, wieso kommt das BMG erst nach etwa neun Monaten Pandemie und gerade jetzt darauf. Die Politik hätte doch die »ruhigen« Sommermonate nutzen können, um die Aktion sinnvoll zu planen und vorzubereiten.

Doch plötzlich muss alles ganz schnell gehen. Was sagen eigentlich Experten aus der Wissenschaft zu dieser Aktion? Interessant ist zum Beispiel, dass das RKI auf seiner Website darauf hinweist, dass bei der Anwendung von FFP2-Masken durch Laien ein Eigenschutz über den Effekt eines korrekt getragenen Mund-Nasen-Schutzes hinaus nicht zwangsläufig gegeben ist.

Erste Bereicherungsvorwürfe stehen schon im Raum

Erste Kammern und Verbände bitten die Bürger nun bereits darum, nicht vor Mitte Dezember in den Apotheken nach kostenlosen Masken zu fragen und sprechen von einer Herkules-Aufgabe, die auf die Apotheken zukommt. Der gewaltige Mehraufwand wird den Apotheken gut bezahlt. Das darf man an dieser Stelle natürlich nicht vergessen. Und sicher ist auch ein Imagegewinn für den Berufsstand möglich. Auch das ist ganz klar zu begrüßen.

Aber es gilt auch, höllisch aufzupassen, dass sich dieser Effekt am Ende nicht umkehrt, zum Beispiel wenn Apotheken ihr Kontingent an Masken im Dezember verteilt haben und danach nicht weiter kostenfrei abgeben können. Der Aufschrei der Medien wird dann leider wieder groß sein und den Apotheken wird womöglich vorgeworfen, sich bereichern zu wollen.

Bereits jetzt gibt es erste kritische Stimmen. Der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sprach von einem »warmen Geldregen« für die Apotheker. Um einen Imageschaden zu vermeiden, ist ein vernünftiges Prozedere bei der Abgabe der Masken im Dezember – wie ab Januar vorgesehen – unabdingbar. Insofern gilt: Bitte nachbessern, Herr Spahn! Und zwar sofort.

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