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Coronavirus-Pandemie

Tests und andere Eindämmungs-Strategien 

In Deutschland geht Bayern bei der Testung auf Covid-19 neue Wege, Thüringen beim Einreise- und Beherbergungsverbot von Urlaubern aus sogenannten Coronavirus-Hotspots und Kanzlerin Merkel mahnt weiterhin zur Vorsicht und zur Einhaltung der Regeln.
dpa
PZ
29.06.2020
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In Deutschland zählte das Robert Koch-Institut bis Sonntag früh 193.499 Infektionen und 8957 Todesfälle. Trotz der vergleichsweise niedrigen Infektions- und Todeszahlen in Deutschland warnte Merkel die Bürger vor Leichtsinn. «Die von dem Virus ausgehende Gefahr ist weiterhin ernst», sagte sie am Samstag in ihrer wöchentlichen Videobotschaft. Merkel wiederholte explizit ihren Appell vom Anfang der Krise Mitte März: «Nehmen Sie es ernst, denn es ist ernst.» Bei der Eindämmung des Virus seien neben der Politik weiterhin alle Bürger gefragt. «

Wir alle müssen es weiter als unsere gemeinschaftlich empfundene Verpflichtung verstehen, dass jeder und jede Einzelne unser aller Schicksal in der Hand haben, indem wir uns an die Regeln halten: Mindestabstand, Mund-Nasen-Schutz im öffentlichen Raum und Händewaschen.» Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) warnte vor einer zweiten Corona-Welle. «Wir müssen wirklich aufpassen», sagte er in einer am Samstag veröffentlichten Videobotschaft. «Wir dürfen nicht riskieren, dass wir sogar noch schneller als befürchtet, vor dem Herbst, eine zweite Welle, eine schleichende Welle, und überall regionale Lockdowns bekommen.»

Bayern führt Coronavirus-Tests für alle Bürger ein

Bayern will als erstes Bundesland Corona-Tests für jedermann einführen - unabhängig davon, ob man Symptome hat oder einem besonderen Risiko ausgesetzt ist. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) kündigte am Sonntag eine «Corona-Testoffensive» an. «Allen Bürgerinnen und Bürgern Bayerns wird deshalb zeitnah angeboten, sich bei einem niedergelassenen Vertragsarzt auch ohne Symptome testen zu lassen.» Die Kosten will der Freistaat übernehmen, soweit das nicht etwa die Krankenkasse macht.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) reagierte zurückhaltend. «Umfangreiches Testen ist sinnvoll, insbesondere um regionale Ausbrüche schnell einzudämmen. Dazu haben wir das Testkonzept des Bundes bereits vor Wochen angepasst», sagte er am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Zusätzliche Testangebote durch die Länder könnten das ergänzen. «Allerdings ist ein Test immer nur eine Momentaufnahme. Er darf nicht in falscher Sicherheit wiegen.»

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert eine zielgenaue Strategie. Grundsätzlich sei das Vorgehen Bayerns richtig. «Allerdings müssen wir dafür sorgen, dass die richtigen Leute getestet und die Tests selbst billiger werden», sagte Lauterbach der Funke Mediengruppe. Im Herbst seien Massentests nötig. Eine zweite Welle könnte sich - so die Befürchtungen - vor allem bei leichtsinnigem Verhalten in der soeben begonnen Sommerreisezeit aufbauen.

Am Freitag starteten gleich sechs Bundesländer in die Ferien. Einen ersten Vorgeschmack auf die mögliche Entwicklung in den kommenden Wochen erhielten Badeorte an Nord- und Ostsee vor allem am Samstag. Bei hochsommerlichen Temperaturen stießen manche durch einen Touristenansturm an ihre Kapazitätsgrenzen, so etwa Scharbeutz und Haffkrug an der Ostsee, wo Parkplätze und Strände zeitweise voll waren. Am Sonntag sorgte ein Wetterumschwung für Entspannung.

Coronavisus-Testzentrum öffnet an Frankfurter Flughafen

Vor dem Einsteigen noch schnell ein Coronatest, um eine Quarantäne am Zielort vermeiden zu können: Das ist nun für Reisende am Frankfurter Flughafen möglich. Das Biotechnologie-Unternehmen Centogene hat das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Flughafenbetreiber Fraport und der Lufthansa am Montag gestartet. Voraussichtlich bis Ende Juli 2021 können abfliegende und auch ankommende Passagiere das «Walk-In-Testcenter» in der Nähe des Terminalgebäudes und des Fernbahnhofs aufsuchen. Die derzeitige Kapazität betrage etwa 300 Tests pro Stunde, hieß es. Nach Angaben des Unternehmens soll das Testzentrum eine «Blaupause für die Öffnung des internationalen Reiseverkehrs» sein.

Denn in viele Länder können Passagiere derzeit nicht ohne eine maximal 72 Stunden zurückliegende Testung auf COVID-19 direkt einreisen. Tests können den Angaben zufolge entweder am Vortag oder vor Reiseantritt am Tag der Abreise in einem Eilverfahren vorgenommen werden. Alle Ergebnisse würden den Passagieren über eine sichere, digitale Plattform zur Verfügung gestellt und mit dem Flugticket verknüpft, sagte Centogene-Chef Arndt Rolfs. «Mit der Eröffnung des Testcenters bieten wir unseren Gästen eine komfortable Möglichkeit, sich für Flüge ins Ausland oder einen Aufenthalt in Deutschland zu testen, um eine Quarantäne zu vermeiden», sagte Björn Becker von der Lufthansa-Gruppe.

Keine Anzeichen für starke Verbreitung des Coronavirus im Kreis Gütersloh

Leicht entspannt hat sich nach dem massiven Corona-Ausbruch in einem Tönnies-Fleischbetrieb auch die Lage im Kreis Gütersloh. Die Behörden in Nordrhein-Westfalen sehen bisher keine Anzeichen dafür, dass sich das Virus in größerem Umfang unter der übrigen Bevölkerung verbreitet hat. Der Kreis berichtete am Samstag, die Zahl der nachweislich Infizierten, die keinen direkten Bezug zur Tönnies-Belegschaft haben, sei zuletzt zwar «merklich» gestiegen. Das liege aber vor allem an der starken Ausweitung der Tests. Viele der Infizierten zeigten keine Symptome. Vom 21. bis 27. Juni sind demnach 107 Fälle in der übrigen Bevölkerung des Kreises Gütersloh bekannt geworden. Das sind 32 mehr als am Vortag berichtet.

Im Nachbarkreis Warendorf waren nach Angaben der Behörden nur 2 der 4491 Corona-Tests positiv, die bis Samstagnachmittag ausgewertet wurden. «Der bisherige Trend zeigt, dass das Virus nicht auf die allgemeine Bevölkerung übergesprungen ist», so Landrat Olaf Gericke (CDU) am Abend. In den Kreisen Gütersloh und Warendorf gelten wegen des Corona-Ausbruchs in dem Tönnies-Werk mit mehr als 1500 infizierten Mitarbeitern wieder verschärfte Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

Einreise- und Beherbergungsverbote 

Der Ausbruch hatte zur Folge, dass sich Bund und Länder am Freitag auf Einschränkungen für Reisende aus Corona-Hotspots einigten. Diese dürfen nur dann in Hotels und Ferienwohnungen untergebracht werden oder ohne Quarantänemaßnahme in ein Bundesland einreisen, wenn sie mit einem Attest nachweisen, dass sie keine Infektion haben. Thüringen schert dabei aber aus: «Wir werden kein Einreise- und kein Beherbergungsverbot erlassen», sagte in Erfurt ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) mahnte daraufhin Einheitlichkeit an. «Ich appelliere an alle Beteiligten, an diesem Kompromiss festzuhalten», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

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