Pharmazeutische Zeitung online
Strategie gegen SARS-CoV-2

Testen, impfen, Ansteckungen vermeiden

Mitten in der zweiten Welle der Coronavirus-Pandemie bereiten neue, ansteckendere Varianten des Erregers Sorgen. Umso wichtiger ist es gerade jetzt, Infektionen durch Tests zu erkennen und durch Impfungen zu vermeiden.
Annette Rößler
Sven Siebenand
18.01.2021  15:00 Uhr

Nachdem bereits die Frühjahrs-Ausgabe der Fortbildungswoche Pharmacon aufgrund der Coronavirus-Pandemie ins Internet verlegt wurde, findet auch der jetzt gestartete Winter-Pharmacon wieder als Online-Veranstaltung statt. Auch inhaltlich stehen die Vorträge ganz im Zeichen von SARS-CoV-2 und Covid-19. Den Auftakt der Fortbildungsreihe machte gestern Professor Dr. Theo Dingermann, Senior Editor der Pharmazeutischen Zeitung.

»Covid-19 ist eine heimtückische Erkrankung mit unkalkulierbaren Risiken für jeden Einzelnen«, sagte Dingermann. Bei vielen jungen Menschen – aber längst nicht bei allen – verlaufe die Krankheit zwar symptomlos, aber für Ältere sei sie lebensgefährlich. Rund 2 Millionen Todesopfer gebe es mittlerweile bereits zu beklagen. Nicht zu handeln, wäre somit unverantwortlich und die beste Option sei die Entwicklung schützender Impfstoffe.

Prinzipiell sei bei Impfstoffen zwischen Lebend- und Totimpfstoffen zu unterscheiden, erklärte Dingermann. Als Faustregel gelte: Totimpfstoffe seien besser verträglich, aber weniger gut wirksam, während es bei Lebendimpfstoffen genau umgekehrt sei. Immunologisch bestehe ein wichtiger Unterschied darin, dass durch die Impfung mit Totimpfstoffen lediglich die Bildung von CD4-T-Zellen angeregt werde, durch die Impfung mit Lebendimpfstoffen aber zusätzlich auch die von CD8-T-Zellen. Letztere würden auch als zytotoxische T-Zellen bezeichnet, weil sie infizierte Zellen aktiv abtöteten. CD4-T-Zellen, die auch als T-Helferzellen bezeichnet werden, können das dagegen nicht. Ihre Aufgabe besteht darin, B-Zellen dabei zu unterstützen, Antikörper zu produzieren.

Totimpfstoffe mit besonderen Eigenschaften

Gegen Covid-19 sind bislang zwei mRNA-Impfstoffe zugelassen, nämlich Comirnaty® von Biontech/Pfizer und die Vakzine des US-Konzerns Moderna. Wahrscheinlich wird der Vektorimpfstoff von Astra-Zeneca und der Universität Oxford bald der dritte im Bunde sein. Diese Impfstoff-Technologien haben eine Besonderheit: »Es sind Totimpfstoffe mit den Eigenschaften von Lebendimpfstoffen«, wie Dingermann ausführte. Ein großer Vorteil sei, dass mRNA-Impfstoffe, Vektorimpfstoffe und übrigens auch DNA-Impfstoffe sowohl eine potente CD4+- als auch CD8+-Antwort induzierten.

Die beiden mRNA-Impfstoffe hätten in Studien eine unerwartet hohe Effektivität bewiesen. »Noch bevor die ersten Daten für die Impfstoffkandidaten vorlagen, hatten die FDA und die EMA mitgeteilt, dass sie Impfstoffe mit einer Wirksamkeit ab 50 Prozent zulassen würden«, erinnerte der Referent. Die Wirksamkeit der mRNA-Vakzinen von mehr als 90 Prozent übertraf dieses Ziel bei Weitem.

Die Effektivität des Astra-Zeneca-Vektorimpfstoffs liege nach derzeitigem Wissensstand deutlich darunter, aber auch deutlich über der von den Zulassungsbehörden ursprünglich angesetzten Grenze. Er sei gespannt, wie die Entscheidung der EMA über den nun gestellten Zulassungsantrag dieses Impfstoffs ausfalle, sagte Dingermann.

Was die Tests nachweisen

Der Referent informierte nicht nur über das Impfen, sondern auch über die verschiedenen Coronavirus-Tests. Zum Nachweis der Infektion dienen der PCR- und der Antigen-Test. Zielstruktur beim PCR-Test ist die genomische RNA des Virus. Als Reagenzien fungieren eine Reverse Transkriptase, die die RNA in DNA übersetzt, und die Taq-Polymerase, eine DNA-abhängige DNA-Polymerase, die die DNA vervielfältigt. »Insgesamt ist ein PCR-Test empfindlicher als ein Antigen-Test«, so Dingermann. Die Zielstruktur beim Antigen-Test sind Nukleokapsid-Proteine (N-Proteine), die die Virus-RNA schützend umgeben. Antikörper gegen diese N-Proteine dienen als Reagenz für den Test.

Der Antikörper-Test zeigt eine durchmachte Infektion oder einen bestehenden Impfschutz an. Zielstruktur sind IgG/IgM-Antikörper. Um diese nachzuweisen, werden als Reagenz entweder das S-Protein des Virus oder ein N-Protein eingesetzt. Wichtig: Die bisherigen Covid-19-Impfstoffe richten sich gegen das S-Protein, sodass alle, die geimpft sind, hiergegen Antikörper bilden. Danach ist keine Differenzierung mehr möglich, ob jemand die Infektion durchgemacht hat oder ob die Antikörper aufgrund der Impfung gebildet wurden. Testet man dagegen auf Antikörper gegen ein N-Protein und erhält dabei ein positives Ergebnis, so ist eindeutig, dass diese Person eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht hat.

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