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Corona-Impfstoffe

Studie mit deutschem Vektor-Impfstoff bald startbereit

Ein weiterer Corona-Impfstoff aus Deutschland steht vor dem Eintritt in die klinische Phase. Am Universitätsklinikum in Hamburg-Eppendorf (UKE) soll im Herbst eine vektorbasierte Vakzine erprobt werden. Auch dieser Kandidat gilt als vielversprechend.
Daniela Hüttemann
29.07.2020  17:18 Uhr

Demnächst wird ein weiterer potenzieller Corona-Impfstoff an Menschen getestet. Dabei handelt es sich um den Kandidaten, der unter Federführung des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) gemeinsam mit Forschern der Philipps-Universität Marburg, der Ludwig-Maximilians-Universität München, dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sowie dem Unternehmen IDT Biologika aus Dessau entwickelt wurde.

Er basiert auf einem viralen Vektor, genauer gesagt dem »Modified Vacciniavirus Ankara«, einem modifizierten für den Menschen ungefährlichen Pockenvirus. Forscher arbeiten bereits seit Langem daran, MVA auch als Vektorimpfstoff gegen andere Infektionskrankheiten einzusetzen. Zwar ist bislang keiner der Kandidaten bis zur Marktreife gelangt, doch gilt die MVA-Plattform als gut erprobt und sicher. So wurde mit MVA auch ein Impfstoff gegen das MERS-Coronavirus entwickelt. Ergebnisse einer Phase-I-Studie des MERS-Impfstoffs erschienen vergangenen Monat in »The Lancet«. Demnach wurde dieser Impfstoff gut vertragen und die Probanden bildeten MERS-spezifische Antikörper. 

Um vor SARS-CoV-2 zu schützen, wurde dem MVA nun die genetische Information für das Spike-Protein des neuen Coronavirus eingebaut. Der Vektor kann diese Erbinformation in die menschlichen Zellen einbringen, sich aber nicht weiter im Körper vermehren. Die Wirtszellen exprimieren dann aber das Spike-Protein auf ihrer Oberfläche als Antigen, das vom Immunsystem erkannt werden kann. So sollen Antikörper und eine zelluläre Immunantwort ausgelöst werden. Ob dies wirklich in ausreichender Weise passiert und welche Dosis dafür nötig ist, soll nun am UKE in einer Phase-Ia-Studie evaluiert werden. Das Klinikum rechnet mit einer baldigen Zustimmung durch die Ethikkommission und will dann voraussichtlich 30 gesunde Freiwillige rekrutieren und im Herbst mit den Impfungen starten, teilte eine UKE-Sprecherin der Pharmazeutischen Zeitung auf Nachfrage mit.

Produktion in neuer Zelllinie

Wie IDT Biologika am Dienstag mitteilte, hat das Unternehmen die zweite Charge des Impfstoffkandidaten für die Studie produziert und abgefüllt. »Jetzt werden die etwa 1.000 Einzelimpfdosen mit der höchsten vorgesehenen Dosierung gesichtet, in der Qualitätskontrolle geprüft, dann etikettiert und verpackt, bevor sie auf den Weg nach Hamburg geschickt werden«, teilte IDT Biologika mit. In einer ersten Charge hatte das Unternehmen bereits den Test-Impfstoff in niedriger Dosis produziert.

IDT habe auch das Herstellungsverfahren für den MERS-Impfstoff entwickelt und nun auch eine Zelllinie, um den SARS-CoV-2-Impfstoff in großen Mengen zu produzieren. Die Forscher der LMU München hätten dabei das Problem gelöst, stabile MVA-Vektoren zu erzeugen, die sich gut mit der Zelltechnologie von IDT vertragen würden.

Ob der Impfstoff wirksam und gut verträglich ist, wie viele Impfungen nötig sind und ob und wie lange eine Immunität ausgelöst wird, muss nun in klinischen Studien bewiesen werden. »Wir gehen von einem minimalen Risiko und einem sehr guten Sicherheitsprofil für die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer aus«, so die UKE-Sprecherin gegenüber der PZ im Hinblick auf die Ergebnisse der MERS-Impfstoffstudie. Eine zweite Studie mit dem SARS-CoV-2-Impfstoff mit weiteren rund 180 Probanden sei bereits in Planung. Interessierte können sich als Probanden unter info-covid@uke.de registrieren lassen. Es bestehe die Möglichkeit, potenzielle Probanden auch an andere Impfstoffstudien in Deutschland zu vermitteln.

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