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Statistik

Sterblichkeit in Deutschland »über dem Durchschnitt«

Wie wirkt sich das Coronavirus auf die Zahl der Toten in Deutschland aus? Vorläufige Zahlen bis Mitte April deuten auf mehr Todesfälle hin. Medizinstatistiker warnen aber vor voreiligen Schlüssen.
PZ/dpa
08.05.2020
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Während der Corona-Pandemie sind laut Statistischem Bundesamt überdurchschnittlich viele Menschen in Deutschland gestorben. Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten Sonderauswertung hervor. Für die jüngeren Daten nutzen die Statistiker die Sterbefallmeldungen der Standesämter. Derzeit liegen damit vorläufige Daten bis 12. April vor.

Demnach liegen die Sterbefallzahlen in Deutschland seit 23. März »über dem Durchschnitt der jeweiligen Kalenderwochen der Jahre 2016 bis 2019«. In der letzten Märzwoche seien mindestens 19.385 Menschen gestorben, zwischen 30. März und 5. April mindestens 20.207 und zwischen 6. und 12. April mindestens 19.872. Im Vergleich starben in der letzten Woche, für die Daten vorliegen, knapp 2000 Menschen beziehungsweise 11 Prozent mehr als im vierjährigen Durchschnitt für diese Woche.

Vergleicht man einzelne Jahre, waren es zwischen 6. und 12. April 18 Prozent mehr Tote als 2017 und 4 Prozent mehr als 2018. »Die aktuelle Entwicklung ist auffällig, weil die Sterbefallzahlen in dieser Jahreszeit aufgrund der ausklingenden Grippewelle üblicherweise von Woche zu Woche abnehmen«, urteilen die Statistiker. »Dies deutet auf eine Übersterblichkeit im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie hin.«

»Im europäischen Vergleich ist der Umfang der Übersterblichkeit in Deutschland bislang gering«, rechnet das Statistische Bundesamt vor. Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich, Schweden, Schweiz und Spanien hätten »zum Teil wesentlich höhere Sterbezahlen im Vergleich zum Durchschnitt der Vorjahre«. Keine auffälligen Veränderungen gibt es demnach lediglich in Norwegen und Tschechien.

Der europäischen Mortalitäts-Monitoring-Initiative EuroMOMO zufolge zeigen die gepoolten Daten in Europa eine deutlich erhöhte Gesamtsterblichkeit, die durch eine »sehr beträchtliche Übersterblichkeit in einzelnen Ländern getrieben wird«. Diese Übersterblichkeit sei vor allem in der Altersgruppe  über 65 Jahren zu erkennen, in geringerem Umfang auch in der Gruppe der 15- bis 64-Jährigen. 

Von Kalenderwoche 10 bis 18 seien geschätzt 149.000 zusätzliche  zu dem in diese Zeitraum erwartbaren Todesfälle in den teilnehmenden 24 europäischen Ländern aufgetreten, heißt es im Wochenbericht der KW 18. Davon waren 137.500 in der Altersgruppe über 65 Jahren und 11.500 in der Gruppe zwischen 15 und 64 Jahren zu beobachten. Der genannte Zeitraum umfasse das Ende der Influenzasaison und den Start der Covid-19-Pandemie. 

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